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In 200 Jahren zur weltoffenen Schule

Jubiläum des Gymnasiums Ernestinum In 200 Jahren zur weltoffenen Schule

Mit Musik und Theaterspiel, mit bewegenden Schüler-Texten und Reden voller Lobeshymnen ist am Freitagabend das große Fest zum 200. Geburtstag des Gymnasiums Ernestinum gestartet.

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Beim Festakt am Freitag gratuliert auch Fürst Ernst.

Quelle: tol

RINTELN. 1817 gegründet als Schule für die höheren Bürgersöhne der Stadt und nun ein weit geöffnetes Europa-Gymnasium mit hohem humanistischem Anspruch – ein guter Grund, mit Stolz und Freude auf eine Schule zu blicken, die zu den eher jungen Gymnasien des Landkreises zählt. 

Wie Schulleiter Reinhold Lüthen in seiner anschaulichen Geburtstagsrede darlegte, löste das Ernestinum die im Jahr 1812 ebenfalls etwa 200 Jahre alte Universität Ernestina ab, die in mancher Beziehung auch eine Art Gymnasium war. Die Rintelner hätten damals gern eine Schule mit doppeltem Profil bekommen, so Lüthen, eine Art „Integrierte Gesamtschule“ – mit Bildungsmöglichkeiten auch für die späteren Kaufleute und Handwerker. Aber der hessische Kurfürst wollte für Rinteln eine „Höhere Schule“, mit dem humanistischen Ideal einer zunächst „zweckfreien“ Menschenbildung.

„Dieses Ideal ist allerdings größtenteils Fassade gewesen“, sagte Lüthen. Zucht, Autoritätshörigkeit und die Indoktrinierung eines Patriotismus, der die Schüler vor allem für den Ersten Weltkrieg zu willigen Soldaten erziehen sollte und sie dann in der Nazizeit erneut instrumentalisierte, hätten den Schulalltag geprägt. Das Abiturthema im Jahr 1941 habe gelautet: „Der jetzige Krieg als Beweis für die Überlegenheit der totalitären Staatsführung“.

Partner auf der ganzen Welt

Umso stolzer könne man sein, dass sich das Gymnasium spätestens seit den sechziger Jahren prinzipiell für alle Kinder der Stadt öffnete, mit dem nun wirklich humanistischen Ziel einer Erziehung zur Mündigkeit.

Diese Entwicklung des Ernestinums griffen auch die vier Schülerinnen der Poetry-Slam-AG in ihren Texten auf. Elena Blaue amüsierte das Publikum mit einer poetischen „Damals – Heute“-Gegenüberstellung (damals durften die Schüler mit Einbruch der Dunkelheit nicht mehr raus, heute geht das Leben am Abend erst los). Laura Erkel hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die Mädchen und Frauen, die darum kämpfen mussten, als Schülerinnen und Lehrerinnen zum Gymnasium gehören zu können. Und Meike Vonjahr beeindruckte mit einem Text rund um einen leeren Stuhl im Klassenzimmer, auf dem ein jüdischer Schüler gesessen haben könnte, ein junger Soldat oder ein abgeschobener Flüchtling.

Heute ist das Ernestinum zertifizierte Europaschule mit Partnerschaften sogar bis hin nach China, Japan und in die USA; man kann Sprachdiplome erwerben, mit dem MUNE-Projekt UN-Konferenzen simulieren, an Austauschprogrammen teilnehmen und unter unzähligen Arbeitsgemeinschaften wählen. Alles Dinge, die auch von der niedersächsischen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, von Landrat Jörg Farr und Bürgermeister Thomas Priemer in ihren Glückwünschen hervorgehobenen wurden. Die globalen Beziehungen der Schule kamen auf lustige Weise durch Videobotschaften der weltweit verteilten Partnerschulen zum Ausdruck, darunter förmliche Glückwünsche aus Japan und China und sehr spaßige von polnischen Schülern.

Fürst Ernst staunt

Beim Festakt stellten die Ernestinum Big Band und das junge Streichorchester „Musici Ernestini“ ihr Können unter Beweis, während der Kurs „Darstellendes Spiel“ den Universitätsgründer Fürst Ernst darüber staunen ließen, wie locker ein moderner Unterricht verlaufen kann, der dabei zu weit umfassenderen Wissen führt, als es damals mit bloßem Einpauken üblich war.

Sicher hätte der Fürst auch verwundert darauf geblickt, dass mit Stefanie Höfig eine Frau dem Schulelternrat vorsitzt, mit so guten Ideen, wie der, aus dem Kunststoff-Jubiläumsbanner bunte Taschen zu nähen, deren Verkaufserlös – genauso wie weitere Erlöse der Festwoche – dem Unicef-Projekt „Schule in der Kiste – Klassenzimmer für Kinder in Not“ gespendet wird. Und die neue Schulchronik hätte auch Fürst Ernst natürlich sofort in die Bibliothek des Ernestinums aufnehmen lassen, wo sie nun auch erstanden werden kann. cok

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