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In Konkurrenz zu freien Trägern

Rinteln / Zertifizierung In Konkurrenz zu freien Trägern

Der Fachbereich Altenpflege in der Berufsbildenden Schule (BBS) Rinteln erfreut sich großer Nachfrage, die neue Klasse ist schon wieder voll.

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Rinteln. Und der Bedarf der Pflegeeinrichtungen an Fachkräften steigt, oft können diese bisher bei Neueinstellungen nur auf Pflegeassistenten zurückgreifen, die nicht selten Umschüler sind. In genehmigten Ausnahmefällen durfte die BBS Rinteln bisher schon bis zu fünf Umschüler zu qualifizierten Altenpflegern ausbilden (drei Jahre). Sollen es mehr werden, verlangt die Bundesagentur für Arbeit eine Zertifizierung, wie sie es auch bei freien Anbietern als Qualitätskontrolle tut. Jetzt zog die BBS gleich, sie erhofft sich dadurch mehr Schüler.

 „Da wir schulischen Kontrollen unterliegen, durften wir uns bisher nicht zertifizieren lassen“, erklärt Schulleiter Herbert Habenicht. Seine Stellvertreterin Sabine Nolte ergänzt: „Und wir mussten auch nicht, wir haben ja genug Schüler. Aber wir wollten auch mal von außen stehenden Fachleuten hören, wie gut wir sind und was man besser machen kann.“ Der für Qualitätsmanagement zuständige Lehrer Stefan Siekmann betont: „Wir können die Ergebnisse auch auf andere Bereiche übertragen, wo wir in Konkurrenz zu freien Trägern und anderen Berufsschulen stehen. Wir müssen die Anregungen nun auch mit Leben füllen.“

 Die fünfstelligen Kosten der Zertifizierung trägt der Landkreis Schaumburg als Schulträger. Ausgewählt wurde die Cert Europa GmbH aus Kassel. Deren geschäftsführender Gesellschafter Manfred Rothgänger hat gestern die beiden Zertifikate für die BBS insgesamt und den Fachbereich Altenpflege speziell überbracht. Seine Schwester Annegret Rothgänger hatte die Tagesprüfung vor Ort vorgenommen. Vorangegangen war eine Systemprüfung nach eingereichten Dokumentationen der BBS. Vor Ort ging es von 8 bis 19 Uhr um Themen wie Arbeitssicherheit, Ausstattung, vorhandene Arbeits- und Geschäftsprozesse. Wenn Rothgänger erklärt, hört sich das wie Business-Deutsch an: Bildungsangebote werden zu Produkten, die Stimmung der Schüler wird zur Kundenzufriedenheit. Letztere wurde abgefragt, ohne das Lehrer dabei waren.

 Um festzustellen, wann etwas verbessert werden muss, wurden Interventionspunkte gesetzt. Alles soll zu einem „kontinuierlichen Verbesserungs-Prozess“ beitragen, ein Wort, das einst die Autoindustrie prägte. „Das war eine knüppelharte Prüfung“, zog Habenicht als Fazit. Und Nolte meinte zufrieden: „Wir stehen gut da, unsere Arbeit ist richtig gut.“ Rothgänger bestätigte: „Hier war alles super.“

 Die Zertifikate gelten für fünf Jahre, aber eine jährliche Nachkontrolle ist vorgeschrieben und vereinbart. Das Zertifizierungsunternehmen selbst unterliegt ebenfalls Qualitätskontrollen. Etwa 30 solche zugelassenen kompetenten Zertifizierer gebe es in Deutschland, sagte Rothgänger. Die BBS Rinteln hatte bisher schon eine Zertifizierung für die Ausbildung in flugtechnischen Berufen in Bückeburg – zuständig war das Luftfahrtbundesamt.

 „Der Anstoß zu dieser Zertifizierung kam von der Bundesagentur für Arbeit und den Arbeitgebern“, erklärt Nolte. Die gute Zusammenarbeit mit diesen und dem Jobcenter bestätigt nun auch der Auditbericht: „Die BBS Rinteln erfasst und wertet arbeitsmarktrelevante Daten aus. Die damit beauftragten Personen sind dazu sowohl fachlich als auch persönlich geeignet. Erfolgsbeobachtungen zeigen, dass die Schule sehr hohe Vermittlungsquoten aufweist.“ Bei der Vermittlung geht es darum, ob die Absolventen anschließend zügig Arbeitsplätze finden.

 In Konkurrenz sieht sich die BBS Rinteln nicht nur zu freien Anbietern wie den diversen Blindow-Schulen, sondern auch zu anderen Berufsschulen. Wenn in einem Ausbildungsberuf die Schülerzahlen sinken, wird der theoretische Teil nicht mehr überall angeboten. Zu kleine Klassen in mehreren Standorten können auf eine zentrale Klasse konzentriert werden. Die BBS Rinteln muss sich da jährlich Überprüfungen unterziehen, verlor in der Vergangenheit auch schon mal Angebote. Habenicht räumt deshalb ein, dass die Zertifizierung und damit das Werben um Umschüler auch ein Stück Standortsicherung ist.

 „Bisher hatten wir maximal fünf Umschüler in der Klasse Altenpflege, alle mit Sondergenehmigung“, so Nolte. „Und die älteste Teilnehmerin war dabei selbst 58 Jahre alt.“ dil

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