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Inklusion überfordert Schulen

Gewaltproblem Inklusion überfordert Schulen

Der Hilfeschrei der Leiterin der Grundschule Deckbergen ist bis in die Rintelner Kernstadt geschallt. „Wir haben hier an der Grundschule Nord die gleichen Schwierigkeiten. Die sozial-emotional auffälligen Kinder sind ein großes Problem“, sagte die Leiterin der Rintelner Grundschule, Julia Harting.

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Sozialarbeiterin Katharina Bernard unterstützt die Rintelner Grundschulen nach Kräften, aber auch sie ist überfordert.

Quelle: tol

Rinteln. In diesem Jahr habe man bereits in den ersten Klassen viele dieser auffälligen Kinder und nicht die Möglichkeit, sich ausreichend darum zu kümmern. „Dazu haben wir, obwohl wir wirklich kleine Klassen haben, bei der Anzahl der Schüler keine Möglichkeit, denn die Kinder benötigen eine intensive Betreuung“, so Harting. Sie und ihre Kolleginnen fühlen sich alleine gelassen – auch vom Jugendamt des Landkreises Schaumburg.

Harting nennt ein Beispiel: „Wir haben einen Erstklässler, der seit der Kindergartenzeit auffällig ist und aggressiv wird. Seit zwei Jahren läuft ein Antragsverfahren auf einen Schulbegleiter beim Landkreis, und es wurden auch schon Gespräche geführt, aber es geht einfach nicht weiter. Die Mutter ist verzweifelt und die Klassenlehrerin völlig überfordert.“ Was solle man denn als Lehrerin tun, wenn ein Kind aggressiv werde und weglaufe?, fragt Harting.

„Lassen wir unsere Klasse alleine und kümmern uns um das eine Kind, dann gehen die anderen währenddessen über Tische und Stühle. Und wenn dann etwas passiert, dann haben wir die Aufsichtspflicht verletzt“, erklärt Harting den Spagat, dem Grundschullehrer heutzutage täglich ausgesetzt sind. „Auch das Jugendamt scheint völlig überfordert zu sein, weil die Fälle zunehmen und dort zu wenige Mitarbeiter tätig sind“, vermutet die Pädagogin.

"Wir müssen allen Kindern gerecht werden"

„Wir müssen irgendwie allen Kindern gerecht werden, aber unter den derzeitigen Bedingungen geht das nicht“, so die Schulleiterin. Sie wünscht sich für jede Schule einen Pool mit Sozialarbeitern, Schulbegleitern und Erziehern, die je nach Bedarf eingesetzt werden können.

„Inklusion ist schön und gut, aber wir Lehrkräfte sind damit überfordert und können das so nicht leisten“, sagte Harting.

Auch die räumliche Situation müsse dringend verbessert werden. „Unsere alten Schulgebäude sind für Inklusion nicht ausgelegt. Das ist hier eben nicht so wie an den früheren Förderschulen“, so Harting. Sozial-emotional auffällige Kinder, die gerade ausgerastet sind, weil ihnen selbst alles zu viel sei, könnten nicht in einer Mensa betreut werden. „Bei uns ist das ein lauter Durchgangsraum, da ist ein klärendes und beruhigendes Gespräch nicht möglich.“

Das sieht auch Katharina Bernard so. Sie ist Sozialarbeiterin und an den Grundschulen Nord und Süd im Einsatz. „Eigentlich wurde ich vom Land Niedersachsen eingestellt, um mit Schwerpunkt die Kinder mit Migrationshintergrund zu betreuen, aber selbstverständlich arbeite ich mit allen Kindern und Familien an den beiden Schulen“, so Bernard. Allerdings sei ihre Zeit sehr begrenzt, denn dienstags, donnerstags und jeden zweiten Freitag sei sie an der Grundschule Nord und an den anderen Tagen an der Grundschule Süd. „Dort gibt es genau die gleichen Probleme. Und wem hilft es, wenn es an der Grundschule Süd am Dienstag ein Problem gibt, ich aber erst am Mittwoch wieder dort bin?“, so Bernard.

Lob für die Sozialarbeiterin

Harting lobt die Arbeit der Sozialarbeiterin: „Sie redet mit den Kindern die ausrasten, schlichtet Streitigkeiten und nimmt sich wirklich viel Zeit. Aber sie ist eben nicht immer da.“

Mehr Sozialarbeiter, Lehrkräfte, Räume und mehr Zeit für die Kinder fordern die Schulleiterinnen und die Sozialarbeiterin. „Wir möchten Inklusion, aber so können wir das nicht“, bringt es Harting auf den Punkt.

„Inklusion ist da, aber die Rahmenbedingungen nicht. Was derzeit auf die Schule zukommt, ist von Lehrern nicht leistbar“, sagt Bernard.

Was nötig sei? Ein Sozialarbeiter für jede Schule, dazu mehrere Schulbegleiter und Räume für Förderunterricht und als Rückzugsorte – nur dann könne Inklusion in Bezug auf sozial-emotional auffällige Kinder funktionieren. „Wir brauchen die bestmögliche Ausstattung, dann kann es gelingen. Ein Sozialarbeiter und ein Raum, damit allein ist es nicht getan“, mahnt Bernard.

"So geht Inklusion nicht"

„Es ist gut und wichtig, dass jetzt Leute auf das Thema aufmerksam gemacht wurden. Politiker sollten wirklich mal schauen, was täglich an den Schulen passiert. Wir wollen Inklusion möglich machen, aber so, wie es jetzt ist, geht es nicht“, sagt Harting.

Der Leiter der Grundschule Süd, Manfred Asche, sowie Bürgermeister Thomas Priemer – die Stadt Rinteln ist Träger der Grundschulen – waren am Dienstag trotz mehrerer Anfragen nicht für ein Gespräch mit der Redaktion zu erreichen.  la

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