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Rinteln Integration durch Sport

Sport verbindet unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion und Status. Der positive Effekt von Sport als Integrationsinstrument ist lange bekannt.

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Der Fußball verbindet: Fabian Neumann (von links), Dennis Bub, Nikita Rommel, Tim Reiter, Kevin Burneleit und Sergej Brjuchan gehen in einer Mannschaft gemeinsam auf Punktejagd. peb

Rinteln. Ging es dabei jahrzehntelang ausschließlich um Versehrten-/Behindertensport, so haben der demografische Wandel und die Zuwanderungsströme von Asylanten neue Anforderungen an die deutsche Vereinslandschaft gestellt. Die Integration von Migrantinnen und Migranten wurde zu einem wichtigen Thema. Dieser Aufgabe hat sich auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) angenommen. Seit 25 Jahren setzt sich der DOSB mit dem Programm „Integration durch Sport“ für das Zusammenwachsen der Menschen ein. Bundesweit über mittlerweile 750 Stützpunktvereine schaffen Begegnung, Bewegung und Integration durch Sport. In Schaumburg gibt es mit der VT Rinteln nur einen Stützpunktverein, der durch ein besonderes Angebot Menschen mit Migrationshintergrund im Verein integrieren möchte.

 Finanziell gefördert durch das Bundesministerium des Innern (BMI) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird das Programm „Integration durch Sport“ durch die Landessportbünde (LSB) getragen, dem DOSB obliegt dabei die Programmkoordination, die Umsetzung den Stützpunktvereinen.

 Durch die Förderung des BMI und BAMF sind die Fördertöpfe prall gefüllt. Da es aber nur wenige Vereine gibt, die die finanzielle Unterstützung durch die Schaffung eines entsprechenden Angebotes nutzen, werden die Fördermittel bei weitem nicht ausgeschöpft. So fließen beispielsweise vom Kreissportbund Schaumburg (KSB) jährlich Gelder an den LSB Niedersachsen zurück.

 Menschen mit Migrationshintergrund sind im organisierten Sport deutlich unterrepräsentiert. Vereinzelt sind junge Männer und männliche Jugendliche in den verschiedensten Sportarten vertreten. Eine Ausnahme bildet der Fußball. Als Sportart „Nummer 1“ lockt der Fußball immer wieder Jungen in die Vereine. Aber Frauen, Mädchen, Personen im mittleren Erwachsenenalter und Ältere sowie sozial Benachteiligte mit Migrationshintergrund gibt es in den Vereinen fast gar nicht. Häufig verfügen die Sportvereine über keine Angebote, die für diese Zielgruppen attraktiv genug sind. Insofern ist es wichtig, dass die Vereine Sportmöglichkeiten schaffen und Sportangebote entwickeln, die sich an den Motiven dieser Zielgruppen zum Sporttreiben orientieren und deren spezifischen Bedürfnissen Rechnung tragen. Dazu müssen die Zielgruppen sozial, kulturell, sprachlich und räumlich in ihrem Lebensumfeld abgeholt werden. Durch Information, aktive Ansprache, spezifische Angebote und Minderung der Zugangsbarrieren könnten vor allem junge Frauen und Mädchen zur aktiven Teilnahme, Mitgliedschaft und Mitarbeit im organisierten Sport ermutigt werden.

 In bundesweit insgesamt 750 Stützpunktvereinen mit über 2000 integrativen Sportgruppen treiben pro Jahr etwa 38000 Menschen mit und ohne Migrationshintergrund Sport. Neben beliebten Sportarten wie Fußball, Volleyball, Handball, Basketball oder Turnen gibt es auch spezielle Kurse wie Gorodki (russisches Wurfspiel), Sambo (russische Kampfsportart), Boxen oder Ringen.

 In Niedersachsen gibt es 34 Stützpunktvereine, im KSB Schaumburg mit der VT Rinteln nur einen. Stützpunktvereine sind Vereine, die sich im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“ für die Integrationsarbeit engagieren. Sie besitzen für die Programmumsetzung einen zentralen Stellenwert, da sie eine regelmäßige, langfristige und kontinuierliche Arbeit gewährleisten.

 Die VT Rinteln wird seit dem Jahr 2001 vom LSB als Stützpunktverein im Programm „Integration durch Sport“ anerkannt und finanziell unterstützt. Die Box-Abteilung wurde damals gegründet mit der Zielsetzung, Aussiedler und ausländische Mitbürger durch den Sport in den Gesamtverein und in die Gesellschaft zu integrieren. Auch nach 13 Jahren ist die Box-Sparte ein Sammelbecken von zumeist jugendlichen Sportlern mit Migrationshintergrund.

 In den nächsten Jahren folgten offene Integrationsgruppen mit Angeboten wie asiatische Kampfkunst, Breakdance und Turnen, im Jahr 2008 wurde die integrative Sportgruppe „Klettern“ ins Leben gerufen und seit dem Jahr 2011 kann in einer integrativen Gruppe Futsal gespielt werden.

 Die im Jahr 2006 gegründete asiatische Kampfkunst-Gruppe entwickelte sich unter der Leitung von Trainer Mustafa Özata schnell zu einer eigenständigen Abteilung mit rund 50 Mitgliedern. Der Trainer mit Migrationshintergrund zog auch viele Jugendliche und Erwachsene mit Migrationshintergrund in den Verein, sodass eine der drei Trainingsgruppen im Jahr 2011 in das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ aufgenommen wurde. „Leider verließ der Trainer im April 2012 den Verein. Da sich kein geeigneter Nachfolger fand, mussten wir die Sparte schweren Herzens auflösen“, bedauert der Erste Vorsitzende der VT Rinteln, Karl-Heinz Frühmark, noch heute die Entwicklung.

 Auch das offene Sportangebot „Breakdance und Turnen“ erfreute sich gerade unter den Jugendlichen mit Migrationshintergrund großer Beliebtheit. „Die Gruppe war ein Schmelztiegel von Teilnehmern vieler verschiedener Nationen, die sehr sozial und freundschaftlich miteinander umgingen“, so Frühmark. „Leider mussten wir diese Gruppe im Jahr 2010 aufgeben, weil die meisten Mitglieder aus dem Jugendalter herausgewachsen waren und sich die Freizeitinteressen verlagerten.“

 Recht erfolgreich arbeitet die Sportkletter-Abteilung mit einer im Jahr 2008 eingerichteten integrativen Klettergruppe und seit dem Jahr 2009 in einer Kooperation mit dem Kinderschutzbund Rinteln. „Gemeinsam mit einer Erzieherin des Kinderschutzbundes betreuen Trainer der Abteilung eine Gruppe von Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren unterschiedlichster Nationalitäten. Es handelt sich überwiegend um Kinder aus sozial schwachen Familien, die einer intensiven und fürsorglichen Betreuung bedürfen. Man kann in diesem Fall also von ethnischer und sozialer Integration sprechen“, erzählt Frühmark.

 Der jüngste Spross der Aktivitäten im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“ ist die im Jahr 2011 gegründete Futsal-Abteilung. „Futsal ist eine internationale Variante des Hallenfußballs und fasziniert vor allem Jugendliche, die den technisch hoch stehenden Fußball lieben“, beschreibt Abteilungsleiter Thomas Aldag die Sportart. 80 Prozent der Mitglieder der Sparte haben einen Migrationshintergrund. „Teamgeist und das Miteinander sind Voraussetzungen für diesen Mannschaftssport. Um den Zusammenhalt zu fördern, werden neben dem gemeinsamen Spiel auch Ausflüge und außersportliche Aktivitäten durchgeführt“, führt Aldag aus.

 „Wir als Verein sind uns unserer gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst und unterstützen gerne das Programm des DOSB, BMI und BAMF ,Integration durch Sport‘. Durch unser Angebot konnten wir schon zahlreiche Jugendliche mit Migrationshintergrund in unserem Verein eingliedern“, zieht Frühmark ein Resümee. „Trotzdem bleibt festzustellen, dass es ungeheuerlich schwer ist, Mädchen und Frauen zu aktivieren. Das wird nur gelingen, wenn Übungsleiterinnen mit Migrationshintergrund gefunden werden, die ein Angebot für integrative Sportgruppen unterbreiten.“ peb

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