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Integrationsbeauftragte kündigt

Flüchtlingshilfe Integrationsbeauftragte kündigt

Die Stadt Rinteln verliert ihre Integrationsbeauftragte. Erst seit Juni ist Veronika Matamu, die ehemalige Flüchtlingssozialarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt (Awo), bei der Stadt angestellt. Aus familiären Gründen hat sie nun allerdings einen neuen Job in ihrer Heimat am Bodensee angenommen.

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Veronika Matamu (links) kündigt – ihre Stelle soll nach Willen der neuen Mehrheit nicht neu besetzt werden.

Quelle: jak

Rinteln. Die Entscheidung Matamus brachte den Verwaltungsausschuss nun in die Situation, bereits nach wenigen Monaten über die Zukunft der Integrationsarbeit in der Stadt zu entscheiden. Nach Informationen dieser Zeitung wurde mit den Stimmen der Mehrheitsgruppe aus WGS, CDU und FDP eine erneute Ausschreibung der Stelle abgelehnt. Auf Anfrage bestätigt Bürgermeister Thomas Priemer (SPD) den Sachverhalt. „Ich bedaure das zutiefst.“

Erst im September hat der Rat das Integrationskonzept von Matamu abgesegnet. Dieses kann nun nicht mehr durch eine hauptamtliche Kraft umgesetzt werden. Auch wenn die letzten Sammelunterkünfte Ende des Jahres schließen: Dennoch sind mehr als 400 Flüchtlinge dezentral in Rinteln untergebracht. Der überwiegende Teil stammt aus Syrien, Irak und Afghanistan.

Heftige Diskussion über Bezahlung der Zweitkräfte

Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Veit Rauch ist das Geld – es sind etwa 40.000 Euro im Jahr – an anderer Stelle einfach besser angelegt. „Wir haben vor zwei Wochen heftig über die bessere Bezahlung der Zweitkräfte in Kitas diskutiert. Das kostet uns 47000 Euro extra. Hier hatten wir die Gelegenheit, 40000 Euro einzusparen.“ Ein Sparkurs für Rinteln und die Haushaltskonsolidierung sind die erklärten Ziele der neuen Mehrheit. „Für mich ist Kinderlärm Zukunftsmusik, dort sollten wir unser Geld investieren, sonst wandern Fachkräfte ab“, betont Rauch.

WGS-Fraktionsvorsitzender Heinrich Sasse sagt: „Die Integrationsbeauftragte nicht zu ersetzen, heißt nicht, dass wir die Aufgabe der Integration nicht wahrnehmen. Wir müssen auch sehen, was können wir vonseiten der Verwaltung mit eigenen Kräften leisten. Außerdem haben wir die glückliche Situation, dass wir in Rinteln keine Krisen- und Gefahrensituation haben, wo eine Integrationsbeauftragte für Befriedung sorgen müsste. Ich hoffe, dass es so bleibt.“

"Wir schließen nicht die Akte"

Beide betonen, dass eine derartige Stelle natürlich wieder ausgeschrieben werden könnte, wenn es notwendig sei. Aber nachdem die akute Phase der Flüchtlingskrise offenkundig vorbei sei, müsse man sich jetzt auf andere Themengebiete konzentrieren. „Eigentlich ist das nämlich keine Aufgabe der Stadt, sondern des Landkreises“, betont Rauch. Auch Sasse sagt: „Wir schließen nicht die Akte und sagen: Jetzt ist alles gut. Natürlich sind die Flüchtlinge noch da. Wir werden uns weiter mit dem Thema Integration beschäftigen.“

SPD und Grüne sind für die neue Ausschreibung der Integrationsbeauftragten. Die Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten, Astrid Teigeler-Tegtmeier, verweist darauf, dass nicht nur Flüchtlinge im Fokus der Integrationsbeauftragten stünden. „Es geht zu großen Teilen um uns alle.“ Das Konzept habe vorgesehen, nun verstärkt benachteiligten Rintelnern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern. „Doch zuvor wurde die Stelle abgeschafft.“ Das werde den Bürgern nicht gerecht. „Das ist doch so, als würde ich einen 100-Meter-Lauf nach 30 Metern abbrechen, weil ich noch nicht gewonnen habe.“ Sie verweist auch darauf, dass das Pulverfass rund um das Mittelmeer nicht immer so ruhig bleiben müsse. „Wenn Erdogan die Grenze öffnet, stehen wir schlecht da.“

Im vergangenen Jahr habe man mit Matamu das Glück gehabt, jemanden zu finden, der perfekt eingearbeitet und einen erfolgreichen Kaltstart hingelegt habe. „Auf diesen Glücksfall sollte man kein zweites Mal setzen.“

Matamu von "großem Wert" für Kirche

Auch Superintendent Andreas Kühne-Glaser sagte auf Anfrage, er finde es sehr schade, dass die Stelle nicht neu ausgeschrieben werde. Als Netzwerkerin und Ansprechpartnerin sei Matamu von großem Wert auch für die Kirche gewesen.

DRK-Präsident Bernd Koller signalisiert Verständnis für die Entscheidung der Mehrheit: „Rinteln hat vorbildlich gehandelt. Die Organisationen haben gut zusammengearbeitet, weil sich alle kannten.“ Die Grundstruktur sei jetzt vorhanden und müsse nicht neu aufgebaut werden. „Dann braucht man vielleicht keine Integrationsbeauftragte mehr“, so Koller.

Anders sieht es Awo-Geschäftsführerin Heidemarie Hanauske. „Gerade wer die Arbeit von Ehrenamtlichen ernst nimmt, muss ihnen eine Ansprechpartnerin bieten.“ Genau so eine Netzwerkerin könne und müsse die Integrationsbeauftragte sein. Jemand, der alle Kräfte bündelt. jak

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