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Islamische Gemeinde verzeichnet Zuwachs

Viele muslimische Flüchtlinge in Rinteln Islamische Gemeinde verzeichnet Zuwachs

Die Türkisch-Islamische Mevlana Gemeinde in der Weserstadt kann sich über Zuwachs freuen. Da viele der Flüchtlinge islamischen Glaubens sind, suchen einige von ihnen Kontakt zur muslimischen Gemeinde vor Ort.

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 Der große Ansturm zum Freitagsgebet in der Türkisch-Islamischen Gemeinde Im Emerten wie in der Woche ist gestern ausgeblieben. Ein Grund könnte die Zeitumstellung gewesen sein, die nicht allen Flüchtlingen geläufig ist, vermuten Gemeindemitglieder.

Quelle: pk

Rinteln. Viele schlicht, um in der Gemeinschaft zu beten, einige aber auch mit Hilfsgesuchen. Dies stellt die muslimische Gemeinde Im Emerten vor eine besondere Herausforderung.

 „Es ist eine zusätzliche Belastung, der wir uns als verantwortungsbewusste Gemeinde aber mit festem Willen zu helfen stellen“, sagt der neue Vorsitzende Orhan Alinak (siehe Kasten). „Das größte Problem ist dabei die Sprachbarriere“, sagt Alinak. Viele der Flüchtlinge würden Arabisch oder andere Sprachen sprechen, aber nur sehr brüchig Englisch.

 Der Einzige, der in der Rintelner Gemeinde zumindest ein wenig Arabisch spricht, ist Imam Idris Tasova. Es gebe allerdings auch immer mal wieder Flüchtlinge mit einigen Türkischkenntnissen, Syrer oder auch Afghanen, die entweder mal in der Türkei gearbeitet oder sich bereits dort längere Zeit als Flüchtlinge aufgehalten haben. Dadurch werde die Verständigung enorm erleichtert.

 „Manche Flüchtlinge kommen zu uns und beklagen sich über die Umstände in der Prince Rupert School“, teilt Idris Tasova im Gespräch mit unserer Zeitung auf Türkisch mit, während Alinak und andere Gemeindemitglieder ins Deutsche übersetzen. Die fremde Essenskultur mache den Flüchtlingen zu schaffen. Außerdem gebe es zu wenig Lebensmittel, mit denen die Kinder zwischen den Essensausgabezeiten versorgt werden können.

 Darüber hinaus haben sich einzelne Flüchtlinge in der Gemeinde beklagt, dass ihnen Essen, das sie sich in der Stadt gekauft haben, im Eingangsbereich zur Prince Rupert School von Mitarbeitern der Notunterkunft abgenommen worden sei. „Besonders in solchen Situationen fühlen sich die Menschen sehr machtlos“, sagt Tasova.

 Außerdem fehle es den Menschen an Büchern, speziell an Sprachlernbüchern, zumindest in der Türkisch-Islamischen Gemeinde sei die Nachfrage danach groß. „Die Menschen wollen Deutsch lernen“, so Tasova. Dafür bräuchten sie wiederum Ruhe, die sie in den Räumlichkeiten in der Prince Rupert School aber nicht fänden, ebenso wenig Rückzugsorte zum Beten.

 Deshalb hat die Türkisch-Islamische Gemeinde beschlossen, den Menschen in der Flüchtlingsunterkunft zu helfen. Geplant sei es, türkische Lebensmittelgeschäfte als Sponsoren zu gewinnen, Kurse für das Koranstudium anzubieten, Gebetsteppiche zu organisieren, Sprachlernbücher zu beschaffen und so die Lebensqualität der Flüchtlinge etwas zu erhöhen, schildert Tasova.

 Federführend sei dabei der ehemalige Vorstandsvorsitzende Murat Demirel. Beim Freitagsgebet, so wie gestern, spielen die Sprachprobleme eine untergeordnete Rolle. Auch wenn die Gläubigen die von Tasova in türkischer Sprache gehaltene und von einem jüngeren Gemeindemitglied ins Deutsche übersetzte Predigt nicht verstehen können – was zählt, ist das Gebet, das Ritual.

 „Letzte Woche Freitag platzte unsere Moschee fast aus allen Nähten“, erzählt Alinak. Knapp 30 zusätzliche Gläubige vor allem aus der Prince Rupert School oder aber auch aus den Asylunterkünften im Bahnhofs- und Kerschensteiner Weg waren zum Freitagsgebet gekommen, fügt Imam Tasova ergänzend hinzu, sodass die Gemeindemitglieder im Gebetsraum geradezu Schulter an Schulter saßen.

 Von einem derartigen Ansturm war gestern nicht viel zu sehen. Vielleicht haben einige nicht mitbekommen, dass die Uhren vergangenes Wochenende von Sommer- auf Winterzeit umgestellt wurde, vermuten einige der umstehenden Gemeindemitglieder.

 In vielen Herkunftsländern der Flüchtlinge gibt es keine Sommerzeit. Und tatsächlich: Nach dem Gebet tauchen vor dem Gemeindehaus Im Emerten drei junge Männer auf, die das Freitaggebet just verpassten, weil sie von der Zeitumstellung nichts wussten.

 Nicht so zwei junge Männer, die der Presse nur ihre Vornamen nennen möchten. Sie sind extra mit dem Bus aus Bösingfeld nach Rinteln gefahren, um in einer islamischen Gemeinde am Freitagsgebet teilzunehmen. Mohammed ist 24 Jahre alt und hat vor drei Monaten seine Heimat in Syrien verlassen. Zihad ist 21 und ist vor einem Monat aus dem Irak geflohen. Zusammen leben sie mit vier anderen Geflüchteten in einer Flüchtlingswohnung in Bösingfeld. Seit sie von der Islamischen Gemeinde ein Rinteln erfuhren, kommen sie jeden Freitag hierher zum Beten.

 „Kommt mit ins Teehaus, Tee trinken“, sagt ein älteres Gemeindemitglied auf Englisch zu den beiden jungen Männern und lächelt. Dankend neben sie die Einladung an und folgen dem Älteren ins Gebäudeinnere. pk

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