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Ist das ein Denkmal oder kann das weg?

Nachnutzung des Kollegienplatzes Ist das ein Denkmal oder kann das weg?

Was geht und was geht nicht? Diese Frage, die derzeit die Kommunalpolitik umtreibt, wird die Zukunft der Innenstadt für Jahrzehnte prägen. Es geht um die Nachnutzung des Kollegienplatzes.

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Das Gymnasium um das Jahr 1890. 

Quelle: Foto: Museum Eulenburg

Rinteln. Die Nachnutzung des Kollegienplatzes am südlichen Ende der Fußgängerzone bietet die Möglichkeit, einen großen Supermarkt oder ein Bekleidungsgeschäft anzusiedeln – eine Aufgabe, an der die Weserstadt bisher trotz „Masterplan Innenstadt“ gescheitert ist. Alternativ gäbe es die Möglichkeit, den Schulstandort zu erhalten, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen oder ganz andere Ideen zu entwickeln. Doch allen Vorstellungen sind Grenzen gesetzt. Und diese liegen unter anderem im Denkmalschutz.

 

 Denn am oder neben dem Kollegienplatz befinden sich mehrere bedeutende denkmalgeschützte Gebäude. Zentraler Teil aller Planungen ist das 1875 errichtete frei stehende Schulgebäude, das zunächst das Gymnasium Ernestinum und zuletzt die IGS beherbergte. Geplant wurde das Gebäude von Julius Carl Raschdorff, erklärt der Direktor des Museums Eulenburg, Stefan Meyer. „Raschdorff war einer besten preußischen Architekten des 19. Jahrhunderts und unter anderem Konstrukteur des Berliner Doms.“

 Die Frontseite des Schulbaus ist laut Meyer in ihrer klaren Fassadengliederung architektonisch bemerkenswert. Die hochwertigen Werksteinelemente im Neorenaissancestil am Portal lassen noch erkennen, dass dieser Schulbau dem damaligen Elite-Gymnasium gerecht werden wollte.

 1956 wurde der durch Friedhelm Wehrmann entworfene, nicht denkmalgeschützte Anbau eingeweiht. Dieser könnte bei einer Nachnutzung des Kollegienplatzes der Abrisskeule zum Opfer fallen, genauso wie der „Schnittgerpavillon“ an der Klosterstraße. Dieser wurde 1950 für Ostvertriebene gebaut, die dort vor dem Hintergrund extremer Raumnot eigene Geschäfte wiedereröffnen konnten.

 

 Gebaut wurde er damals mit Werksteinen aus Obernkirchener Sandstein im sogenannten „Heimatstil“. Erhalten geblieben sind auch die halb runden Dachgauben.

 

 Für den Vorsitzenden des Arbeitskreises Denkmalschutz, Matthias Wehrung, wäre ein Erhalt der Pavillons wichtig. „Es wäre schön, wenn sie als Zeugnis der Nachkriegsarchitektur integriert werden könnten.“ Auch den Anbau an die Hildburgschule hält Wehrung für zeitgenössisch gelungen und schützenswert. Sollte er tatsächlich abgerissen werden, müsse der Neubau sich ebenfalls in die Örtlichkeit einfügen. „Diese historischen Gebäude dürfen nicht dominiert werden, sie müssen dominieren“, betont Wehrung, der auch für den CDU-Stadtverband im Rat sitzt, die Position der Denkmalschützer.

 Ebenfalls denkmalgeschützt ist die Jakobi-Kirche. Sie ist das mit Abstand älteste Gebäude am Kollegienplatz und der letzte erhaltene Teil des 1238 gegründete benediktinische Jakobskloster. Ein Teil der ebenfalls denkmalgeschützten Klostermauer befindet sich südlich des Geländes der Hildburgschule. Für Wehrung wäre es denkbar, diesen Teil der Mauer in einen passenden Neubau zu integrieren, auch wenn er anmerkt, dass die historische Trennung zwischen Bildungs- und Verwaltungsgelände ebenfalls einen Charme habe.

 In eine ähnliche Stoßrichtung argumentiert auch Stadthistoriker Meyer: „Das gesamte Gelände ist seit der Stadtgründung vor 777 Jahren durchgehend in öffentlichem Besitz und gemeinnützigen, bildenden Zwecken gewidmet. Kloster und Universität, Gymnasium, Turnplatz und Reithaus (bis um 1870 als Theater genutzt) befanden sich dort. Auch der Name Kollegienplatz, abgeleitet vom Professorenkollegium der Universität, verweist auf die diese alte Tradition.“

 

 2021 kann Rinteln das 400. Gründungsjahr der Universität feiern, zu einem Universitätsdenkmal gebe es schon Überlegungen. Auch, ob man in Rinteln nicht in Zukunft wieder universitäre Institutionen etablieren kann. „Umso sorgfältiger sollte man überlegen, ob man diesen bedeutenden Traditionsstrang für kurzfristige profane Zwecke abreißen lassen möchte.“ Doch das sind Entscheidungen, die der neu gewählte Rat treffen muss.

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