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Ist dieses (400 Jahre alte) Haus schützenswert?

Rinteln / Immobilie Ist dieses (400 Jahre alte) Haus schützenswert?

Rintelns Denkmalschützer gehen auf die Barrikaden: Ein über 400 Jahre altes Haus in der Altstadt soll abgerissen werden.

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Rinteln (mld). „Es handelt sich dabei um ein Haus, das um 1600 erbaut und für Jahrhunderte als Handwerksbetrieb genutzt wurde“, so Alexander Lattermann, Vorsitzender des Rintelner Arbeitskreises Denkmalschutz, in einem Schreiben. Zwar sei das Haus mit einer Vorhangfassade versehen, die typisch für die Nachkriegszeit sei, „doch das sich dahinter verbergende Fachwerk überliefert die Baukunst zurückliegender Jahrhunderte, die für Rintelns Altstadt so bedeutend ist“.

Für den Vorstand des Heimatbundes der Grafschaft Schaumburg drohe laut einem Schreiben mit dem Abriss des Hauses gar, „nach der Schmiedegasse und Teilen der Engern Straße nun auch die westliche Krankenhäger Straße ihr Gesicht zu verlieren“.

Das sieht die Eigentümerin des jahrhundertealten Objekts naturgemäß anders: „Da muss man die Kosten den Nutzen gegenüberstellen“, sagt Bettina Wedemeyer, die selbst in der Krankenhäger Straße aufgewachsen ist – schräg gegenüber des Streitobjekts. Und auch heute noch wohnt sie in der Rintelner Altstadt. Sie habe das Haus vor zwei Jahren gekauft, um sich dort einen privaten „Alterswohnsitz“ einzurichten.

„Das ist nicht als Investitionsanlage gedacht“, versucht Wedemeyer, Klarheit zu schaffen. „Ich habe Geschmack. Ich bin niemand, der durch die Stadt zieht und alles plattmachen will.“

Sie habe das Haus fachmännisch begutachten lassen – und von einer Sanierung sei ihr durch verschiedene Stellen abgeraten worden, da das Haus „nicht erhaltenswert“ sei.

Unter Denkmalschutz steht das Objekt nicht. Eine Tatsache, die auch der Heimatbund moniert: Die Liste mit den denkmalgeschützten Bauten in Rinteln stamme aus den 80er Jahren, so Heimatbund-Mitglied Stefan Meyer, neue Bauten könnten nicht mehr aufgenommen werden.

„Rinteln wäre schlecht beraten gewesen“, so der Heimatbund in seinem Schreiben weiter, „wenn man immer kurzfristigen Erwägungen gefolgt wäre und den Denkmalschutz als unökonomische Sentimentalität abgetan hätte“. Demnach habe der Rat in früheren Zeiten bereits einmal den Abriss der St.-Nikolai-Kirche, des heutigen Ratskellers und der Eulenburg beschlossen – doch der Denkmalschutz habe „gesiegt“.

Für historische Bauten in der Altstadt gibt es eine sogenannte Erhaltungssatzung, die besagt, dass vor dem Abriss eines Hauses eine Genehmigung erteilt werden muss. Doch da dieses Haus nicht denkmalgeschützt ist, muss die Stadt die Genehmigung erteilen.

„Einen Abriss kann man nur versagen, wenn das Gebäude ortsbildprägend ist oder eine besondere geschichtliche oder künstlerische Bedeutung hat“, erläutert Erster Stadtrat Jörg Schröder. Das sei hier nicht der Fall – und es handele sich hierbei auch nicht um ein geschlossenes Ensemble, das geschützt werden könnte.

Für Arbeitskreis Denkmalschutz wie auch Heimatbund besonders widersprüchlich: Rinteln ist im vergangenen Jahr in das Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ von Bund und Land aufgenommen worden. Im Rahmen dessen übernimmt das Land bei denkmalschutzgerechten Renovierungen 30 oder mehr Prozent des Bauaufwandes.
Eine bauhistorische Untersuchung will Wedemeyer nicht durchführen lassen. „Obwohl das Land dazubezahlen würde“, so Schröder. „Dazu habe ich weder die Lust noch die Kraft“, so Wedemeyer.

Doch wie der Heimatbund vermutet, könnte eine solche Untersuchung zutage fördern, was sich hinter der jetzigen Häuserfassade versteckt: „eine verzierte, vermutlich sogar mit Ziermauerwerk gestaltete Fassade“. Zudem habe das Haus einen „für die Rintelner Häuser früher typischen halbtiefen Keller“ im Anbau.

„Städtebaulich“, sagt auch Rintelns Baudezernent Reinhold Koch, seien die Abrisspläne „nicht der Hit“. Allerdings müsse man auch die andere Seite sehen, so Koch: Für viele Eigentümer alter Substanzen sei der Erhalt schwierig – zum Beispiel was energetische Sanierungen angehe.

„Es gibt schon Hilfestellungen, die man in Anspruch nehmen kann“, so Koch. „Allerdings ist das auch immer eine Frage des Geldes.“ Ein Abriss sollte allerdings immer der „letzte Weg“ sein.

Einen anderen Weg jedenfalls wird Hauseigentümerin Bettina Wedemeyer einschlagen. „Die Denkmalschützer können mir das Haus gerne abkaufen“, fordert sie auf. Und sagt: „Ich finde es schade, dass, wenn jemand etwas in der Stadt machen will, gleich auf einen eingehackt wird.“

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