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Jetzt spricht die Integrationsbeauftragte

Rinteln Jetzt spricht die Integrationsbeauftragte

„Die beste Chefin, die man sich denken kann, ist auf einmal weg!“, sagt Tim Gersonde, der seinen Bundesfreiwilligendienst in der Flüchtlings-Sozialarbeit ableistet. Seine Chefin, das ist/ war Rintelns Integrationsbeauftragte Veronika Matamu. Sie hat gekündigt und verlässt die Stadt noch vor Weihnachten.

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Haben zur Entscheidung der Stadt eine klare Meinung (v. li.): Küçük Müzeyyen, Tim Gersonde und Veronika Matamu.

Quelle: cok

RINTELN. Nach Willen von CDU/ WGS/FDP soll ihre Stelle nicht erneut ausgeschrieben werden (wir berichteten). Wie kann, wie soll es nun für ihre Mitarbeiter weitergehen?

Eines immerhin ist klar: Der neunzehnjährige Tim Gersonde und seine syrische „Bufdi“-Kollegin Alaa Alhariri bleiben der Flüchtlingsarbeit erhalten. Tim Gersonde hatte im Familienzentrum gerade sein Zertifikat als „Flüchtlingsloste“ erworben und hilft unter anderem in der Gemeinschaftsunterkunft am Kerschensteiner Weg; Alaa Alhariri setzt sich als Dolmetscherin für die geflüchteten Menschen ein, unter anderem bei den Deutschkursen oder bei Behörden- und Arztgängen. Bisher taten die beiden das nach den Anweisungen von Veronika Matamu, die sich auch in allen anderen Flüchtlingsangelegenheiten als Koordinatorin bewährte.

Zum Glück ist da auch noch Küçük Müzeyyen, die Leiterin der Gemeinschaftsunterkunft, die auch zuständig für die dezentrale Flüchtlingssozialarbeit ist, also für Familien, die bereits in der Umgebung eigene Wohnungen bewohnen. Sie wird Alaa Alhariris Engagement weiterhin sehr gut für all die Dolmetscheraufgaben in ihrem Arbeitsbereich nutzen können, dabei unterstützt von Albrecht Schäffer aus dem Familienzentrum und Flüchtlings-Sozialarbeiter Norbert Rose.

Sie kann bis zu einem gewissen Grad auch Tim Gersonde einsetzen, der weitere Aufgaben dann entweder in der Berufsschule findet oder beim DRK. „Das Gute ist, dass mich eigentlich alle Bereiche sozialer Arbeit mit Flüchtlingen interessieren“, sagt er.

Arbeit kaum zu bewältigen

Wirklich problematisch wird das zukünftige Fehlen einer Integrations-Beauftragten überall da, wo unterschiedliche Arbeitsbereiche zusammengeführt sind und wo Anfragen von außen weitergeleitet werden sollen. So sieht das auch Veronika Matamu. „Ich kann nur hoffen, dass Rinteln seine Entscheidung überdenkt“, sagt sie. „Ich habe ja selbst gesehen, wie wichtig mein übergeordnetes Ressort war, um alle Beteiligten zusammenzubringen.“ Bisher ist geplant, dass Mitarbeiter der Stadtverwaltung diese Vermittlungsarbeit übernehmen. „Aber wie soll das funktionieren? Da müsste sich ja jeder Einzelne in allen Teilbereichen der Arbeit kundig machen.“

Küçük Müzeyyen jedenfalls meint: „Wir haben ehrlich gesagt schon genug zu tun, Norbert Rose und ich. Insgesamt sind wir für 170 geflüchtete Menschen der Ansprechpartner.“ Sich dann noch um die Fragen der Bürger, die sich für einzelne Flüchtlinge und Familien engagieren, kümmern zu können, das sei unrealistisch, ebenso wie man gut eingearbeitet sein müsse, um Anbieter von Bildungsseminaren zu kennen und die dann den jeweils passenden Flüchtlingen zuzuordnen. „Manchmal sind es solche Dinge, wie 15 jungen Leuten zu ermöglichen, dass sie gemeinsam an so einem Seminar in der Nachbarstadt teilnehmen können.“ Bisher hoffen alle Beteiligten, dass der aktuelle Beschluss des Rates revidiert werden wird, so, wie es SPD und Grüne auf der nächsten Ratssitzung beantragen werden – nicht ohne dabei Unterstützer in anderen Parteien zu haben.

Ein fest angestellter Nachfolger könne das von Veronika Matamu erarbeitete Kooperations-Konzept als sehr gute Arbeitsgrundlage nutzen, meinen sie. Viele Köche aber verdürben den Brei. „Frau Matamu geht weg, die Probleme aber bleiben doch“, so fasst es Tim Gersonde für alle zusammen.

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