Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Katzen müssen kastriert werden

Rinteln / Tierschutz Katzen müssen kastriert werden

Selten ist ein Thema im Rat der Stadt mit so viel Amüsement diskutiert worden, wie am Donnerstagabend der Antrag der SPD-Fraktion auf Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. Die CDU-Fraktion beschränkte ihre Beteiligung an der Diskussion geschlossen auf Gelächter und die abschließende Abstimmung.

Voriger Artikel
Im Ernestinum wird schon gewählt
Nächster Artikel
Diebe scheitern an Autotür

 Ob ungeliebter „Tonnenwolf“ oder gern gesehener Gast: In Rinteln herrscht jetzt Kastrationspflicht für freilaufende Katzen.

Quelle: rnk

Von Philipp Killmann

Rinteln. Michael Pavel (SPD) räumte zu Beginn der Debatte, nachdem sich das erste Gelächter der Ratsherren und -frauen gelegt hatte, ein, bis vor einem Jahr selbst geglaubt zu haben, die „Katzenwelt“ sei „in Ordnung“. „Aber es gibt ganz viele Katzen, die in ganz erbärmlichen Verhältnissen leben und nur durch die vom Tierschutzverein eingerichteten Futterstellen überleben können“, führte Pavel die Begründung des SPD-Antrags aus. Die Population der Katzen müsse deshalb in Grenzen gehalten werden. Dies sei auch eine Frage der „Humanität“.

 Viele Städte hätten bereits eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen eingeführt und erfolgreich umgesetzt, vor drei Jahren bereits etwa die Stadt Porta Westfalica oder auch Hildesheim. Dort habe man gute Erfahrungen mit der Kastrationspflicht gemacht. „Die Anzahl der Katzen ist zurückgegangen“, schloss Pavel.

 Gerlinde Göldner-Dorka, ebenfalls SPD, verwies zudem auf den nicht unerheblichen Kostenfaktor, der dem Tierschutzverein Bückeburg, Rinteln und Umgebung dadurch entstehe, ständig selbst Kastrationen an Katzen organisieren zu müssen.

 Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ursula Helmhold, eröffnete ihr Gegenplädoyer mit einem Spruch: „Wenn ein Gesetz nicht nötig ist, dann muss es auch nicht erlassen werden.“ Weiter bezog sie sich auf die Vorlage zum Thema aus dem Verwaltungsausschuss. „Daraus ging hervor, dass die Polizei, das Veterinäramt und das Ordnungsamt kein Katzenproblem sehen. Anders als die SPD und das Tierheim in Bückeburg. Aber ich orientiere mich an der behördlichen Einschätzung.“

 Gesetze und Verbote wie diese machten nur Sinn, wenn auch eine Kontrolle über die Einhaltung sichergestellt sei, so Helmhold. „Was, wenn die Katzenhalter ihrer Pflicht nicht nachkommen?“, fragte sie rhetorisch. „Verantwortliche Katzenhalter machen das schon von sich aus, und anders funktioniert das auch nicht.“ Ihr sei der Antrag viel zu „frei schwebend“, wo es zwar „viel guten Willen“ gebe, der so aber nicht durchsetzbar sei. „Deshalb werde ich dagegen stimmen.“

 Heinrich Sasse von der WGS freute sich über den Antrag der SPD und sagte in Richtung Helmhold: „Beim Blick aus der Eigentumswohnung in der Innenstadt ist die Kastrationspflicht für freilaufende Katzen vielleicht nicht nötig. Aber wenn ich in Deckbergen von meinem Haus aus Am Thie auf mein 4000 Quadratmeter großes Anwesen blicke, dann sehe ich da bestimmt zehn Katzen.“ Um sich davon zu überzeugen, so Sasse zur allgemeinen Erheiterung der Ratsleute weiter, lade er sie gerne zu sich auf seine Terrasse ein.

 Angesichts des hohen Katzenaufkommens rings um sein Haus habe Sasse schon vor längerem den Tierschutzverein darüber informiert. „Sonst wären es inzwischen bestimmt 30 Katzen!“ Dazu komme: „Es gibt bei uns nicht mehr viele Singvögel, und zwar wegen des Tonnenwolfes, der da ständig in den Bäumen sitzt.“

 Sasse räumte ein, dass die Notwendigkeit örtlich verschieden, die Kastrationspflicht aber dennoch nötig sei. „Was hat man denn vor 150 Jahren gemacht? Gab es damals überhaupt so was wie Katzenplagen?“, fragte er noch, bevor er von der Ratsvorsitzenden Dagmar König darauf hingewiesen wurde, dass seine Redezeit abgelaufen war.

 Nina Weißer (Grüne) wies dann darauf hin, dass das Thema im Jahr 2011 schon einmal im Verwaltungsausschuss diskutiert worden sei und die Verwaltung schon damals eine Kastrationspflicht nicht für nötig gehalten habe. Mit Blick auf die Durchsetzbarkeit einer solchen Verordnung erwähnte Weißer, sie habe nicht nur selbst eine Katze, sondern auch Kinder. „Wie kann ich ihnen denn etwas verbieten, wenn ich nicht in der Lage bin, Konsequenzen zu ziehen, falls sie sich an das Verbot nicht halten?“

 Einmal mehr geriet Heinrich Sasse in Entzücken, bedankte sich für diese „Steilvorlage“ und führte aus: „Nur dann ist ein Gesetz möglich? Nein!“ Sein Auto sei in den letzten Wochen zweimal schwer beschädigt worden. Das habe er der Polizei ordnungsgemäß gemeldet, die aber nichts habe ermitteln können. „Aber fällt deswegen etwa der Strafbestand der Sachbeschädigung unter den Tisch?!“

 Am Ende stimmten 19 Ratsleute für die Kastrationspflicht, 12 dagegen (darunter die komplette CDU-Fraktion), ein Ratsmitglied enthielt sich. Damit tritt die „Verordnung über die Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierpflicht von freilaufenden Katzen in der Stadt Rinteln“ in Kraft. Wer sich nicht daran hält und trotz der von den Grünen geäußerten Zweifel zur Rechenschaft gezogen wird, muss mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro rechnen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr