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Kein Altar in der Kirche

Abendmahlstisch mit Blumen Kein Altar in der Kirche

„Huch – was ist denn hier los?“ Fragen dieser Art hört Pastor Heiko Buitkamp von der Jakobi-Kirche am Kollegienplatz in Rinteln ziemlich häufig. Es geht um die Stühle, die rund um den Altar der Kirche stehen.

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Die Jakobi-Kirche in Rinteln.

Quelle: tol

Rinteln. „Halt, stopp“, sagt der Pastor. „Wir haben doch gar keinen Altar.“ Eine Kirche ohne Altar? „Nun“, so Buitkamp, „bei uns ist der Altar einfach nur ein Tisch, um den man herumsitzen kann und soll. Deshalb die Stühle.“

Die Jakobi-Gemeinde ist zwar evangelisch, aber hat doch andere Voraussetzungen als etwa die Nikolaikirche am Marktplatz. Vielen Rintelnern ist der Unterschied gar nicht bewusst, aber die Jakobi-Kirche ist nicht evangelisch-lutherisch, sondern evangelisch-reformiert. Nicht Martin Luther ist ihr Kirchenvater, sondern der Schweizer Johannes Calvin, der noch viel entschiedener als Luther gegen das Papsttum und seine Traditionen vorging. Der Altar, der Begriff ist unbedingt mit einer Opferstätte verbunden, war schon immer mit vielerlei Bedeutung aufgeladen. Genau dagegen wehrte sich Calvin und mit ihm die evangelisch-reformierte Kirche.

Brot und Wein

Altäre hatten immer etwas mit Heiligenverehrung zu tun. Um ihnen Bedeutung zu verleihen, enthielten sie in frühen Zeiten Reliquien von Heiligen, denen zu Ehren Altäre oft die Form eines Steinsarkophages erhielten. In erster Linie aber ging es darum, das Abendmahl zu feiern, also nachzuvollziehen, wie Jesus Christus am Abend vor seinem Tod die Jünger um sich versammelte, Brot und Wein mit ihnen teilte und sprach, dass der Wein sein Blut sei, das Brot sein Fleisch, und dass er sich opfern würde für die Sünden der Welt. „Tut das zu meinem Gedächtnis“, so sprach er. Doch was bedeutet das konkret?

Für die katholische Kirche ist der Altar der Ort, an dem dieses Opfer bei jedem Abendmahl neu vollzogen wird. Immer wieder wandelt sich Brot und Wein in Jesu Leib und Blut, immer wieder neu opfert sich Gottes Sohn für die Menschen. Die Lutheraner sehen das gar nicht so viel anders, nur dass Luther, so erklärt es Theologe Buitkamp, dazu meinte: „Für den, der es glaubt, ist es so.“ Die Reformierten aber wollen von „Umwandlung“, von „Jesu Leib und Blut“, vom konkreten „Opfer“ und der dazugehörenden Mystik nichts wissen. „Uns geht es beim Abendmahl darum, dass wir uns an Christus erinnern, daran, was er für uns getan hat, und dass wir irgendwann wieder mit ihm zusammen an einem Tisch sitzen werden – ganz einfach.“

Heiligenverehrung

Deshalb also ist der Altar bei den Reformierten nicht viel mehr als einfach ein Tisch, der „Tisch Jesu“ oder der „Abendmahlstisch“. Blumen stehen durchaus darauf, auch die Bibel liegt aus, nur Kerzen gibt es nicht, weil sie mit der Heiligenverehrung zu tun haben, jedenfalls früher hatten.

Eigentlich ist der „Altar“ nur ein einfacher Tisch, fast wie ein großer Wohngemeinschaftstisch, um den die Stühle herumstehen, die, wie Pastor Buitkamp es sagt, bedeuten: „Wir sind eine Gemeinschaft. Jeder kann sich dazu setzen. Es ist der ‚Tisch des Herrn‘ – an den sich jeder setzen darf.“ cok

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