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„Keine Bauchschmerzen bei Holzbau“

Rinteln „Keine Bauchschmerzen bei Holzbau“

Seit 30 Jahren arbeitet Klaus Breitenbach als Architekt, seit mehreren Jahren vor allem als gerichtlich bestellter Sachverständiger für Bauschäden. Seinen Hauptsitz hat er mittlerweile in Bad Salzuflen, als gebürtiger Möllenbecker ist er der Weserstadt aber eng verbunden.

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Holzmodell der Holz-IGS: Weiß der geplante Neubau, darunter das Ernestinum. Beide sollen mit einem überdachten Weg verbunden werden.

Quelle: jak

RINTELN. Als er den Bericht in der Presse las, der Landkreis wolle die neue IGS komplett aus Holz bauen, „habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, so Breitenbach. Er ist der Meinung: „Die Fachjury und der Landkreis sind sich nicht über alle Konsequenzen im Klaren.“ Deswegen wandte er sich an den Kreistagsabgeordneten Heinrich Sasse (WGS), der Breitenbachs Argumente in die politische Diskussion mit einbrachte.

Beide betonen: „Wir wollen die Holz-IGS nicht verhindern.“ Viel mehr wollten sie auf die enormen baulichen Herausforderungen hinweisen, die so eine Bauweise mit sich bringe. „Meiner Ansicht nach ist im Preisgericht der Entwurf in der Euphorie durchgewunken worden“, so Breitenbach. Die speziellen Anforderungen seien nicht besonders geprüft worden. Breitenbach beruft sich dabei auch auf das Protokoll der Preisgerichts-Sitzung, das unserer Zeitung ebenfalls vorliegt.

Kampf mit Farbe könne bevorstehen

Zum Pressegespräch bringt Breitenbach einen dicken Stapel Papiere mit, alleine fünf Seiten Anmerkungen zum Protokoll und zum Holz-Entwurf, dazu Dutzende Seiten mit Quellenangaben, die seine Kritik belegen sollen. Im folgenden soll nur auf eine kleine Auswahl eingegangen werden.

So sei Holz etwa nur bedingt widerstandsfähig und nicht pflegeleicht. Verschmutzungen mit Stiften, Sprays und Ähnlichem seien leichter aufzubringen und schwerer zu entfernen. Fritz Klebe, Baudezernent beim Landkreis, erklärt dagegen: In Rodenberg gebe es einen Verwaltungsbau, der ebenfalls aus Holz bestehe, auch dort habe man mit Graffiti zu kämpfen. Das Gebäude sei aber gut zu reinigen.

Außerdem verweist Breitenbach darauf, dass das Gebäude nicht den rötlich-hellen Holzton behalten werde, den es in den Planzeichnungen habe. „Das Holz wird schnell zu großen Teilen silbergrau“, so Breitenbach. „Das stimmt“, bestätigt Klebe. Den meisten Bürgern falle das aber gar nicht auf.

Brandschutz kein Problem

Auch seien spätere Umbauten und Anpassungen an geänderte Nutzungsmöglichkeiten problematisch. Klebe kontert: „Eine Gipskartonwand kann ich auch in ein Holzhaus einziehen.“

Gerade beim Thema Brandschutz scheiden sich die Geister: Während Breitenbach betont, „bei dem baulichen Brandschutz handelt es sich im Wesentlichen um Maßnahmen, die im Brandfall eine Evakuierung der Schüler und Lehrer sicherstellen soll“, verweist Klebe darauf, dass „Brandschutz unser täglich Brot ist“. Selbstverständlich werde der Neubau alle Auflagen einhalten.

Dass der ausgewählte Entwurf des Architektenbüros Bez und Koch deutlich über dem als Kostenobergrenze gesetzten Betrag von 9,8 Millionen liegt, bestätigt Klebe. Klebe hält das für nicht so gravierend. „Die Kostenschätzung ist eine der weichsten Kriterien.“ Gerade weil es nur eine Einschätzung der Architekten sei. Er finde es eigentlich positiv, dass Bez und Koch ihren Entwurf nicht zu niedrig ansetzten. „Aber natürlich wollen wir am Ende im Kostenrahmen bleiben.“

„Noch ist nichts in Stein gemeißelt“

Angesichts der Kritikpunkte von Breitenbach, die dieser auch in einem Gespräch mit dem Projektleiter des Landkreises, Peer Zach, dargelegt hat, verweist Klebe insbesondere darauf, dass man sich noch in einem sehr frühen Planungsstadium befinde. „Genau diesen Fragen, die Herr Breitenbach aufwirft, gehen wir jetzt selber auch nach.“ Noch gebe es gar keinen Entwurf im eigentlichen Sinne. Diesen solle der Landkreis nun erst in Auftrag geben. Ein entsprechender nichtöffentlicher Beschlussvorschlag für den Bauausschuss am 7. August liegt der Redaktion vor.

Klebe findet: Zumindest bis zum fertigen Entwurf solle man den Fachleuten in der Bauabteilung des Landkreises Zeit geben, offene Fragen zu klären. „Noch ist nichts in Stein gemeißelt.“ Auch eine konventionelle Bauweise sei möglich. Grundsätzlich habe er aber „keine Bauchschmerzen, die Schule aus Holz zu bauen“.  jak

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Wie teuer wird’s?

Klaus Breitenbach mahnt, eine Holz-IGS allen Brandschutzstandards entsprechend zu bauen, könnte erheblich teurer werden. Er bezieht sich dabei auch auf das Protokoll der Preisgerichtssitzung, in dem der Brandschutzbeauftragte Bernd Kretschmer sagt: „Eine Einhaltung der Brandschutzanforderungen bei offenen Schulformen ist grundsätzlich schwierig. Viele Entwürfe sind brandschutztechnisch anzupassen. Gegebenenfalls sind technische, kostenintensive Mittel einzusetzen.“

Baudezernent Fritz Klebe will diese Wortmeldung aber nicht auf den Preisträger bezogen wissen: „Herr Kretschmer hatte dabei keine grundsätzlichen Bedenken.“ Das Preisgericht empfahl abschließend: „Die Entwürfe sind hinsichtlich des baulichen Brandschutzes zu überprüfen.“ Auch die Einhaltung der Baukosten sei zu kontrollieren beziehungsweise zu verifizieren. jak

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