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Kirche kann auch laut und bunt

Kirchenmobil auf Tour Kirche kann auch laut und bunt

Das erste Jahr war für das himmelblaue Kirchenmobil der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Obernkirchen eigentlich als Testphase gedacht. Doch es wurde voller Einsatz verlangt: Landesjugendcamp in Verden, Kulturfest in Bad Nenndorf, Umwelttage in Hameln, Jungfernfahrt in den Harz, Schülerforum der Landeskirche, diverse Demonstrationen gegen Rechtsextreme.

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Von Robert Johnson bis zu Aerosmith, und dazwischen jede Menge eigene Stücke: The Parashots rocken das Gotteshaus über eine Stunde.

Quelle: rnk

OBERNKIRCHEN. Das sind eine Menge an Einsätzen in zwölf Monaten. Und wie war es so? „Es war einfach toll“, sagt Julia Schönbeck, „viel Spaß, viel Herz, viele Momente, in denen wir gewusst und gespürt haben, warum wir das machen.“

 Das, was sie machen, das ist losfahren und irgendwo ankommen. Die Kirche fährt dorthin, wo die Menschen sind. Und es nicht mehr als ein unverbindliches Angebot: Hier sind wir, wenn ihr Lust habt, kommt mit uns ins Gespräch – über Gott und die Welt oder auch beides. Und so gab es Diskussionen über Umwelt, Extremismus, Flüchtlinge, Asyl, die Institution Kirche. „Es ist ein Erfolg“, erklärt Schönbeck, „der sich nicht in Zahlen misst.“ Es sei nicht wichtig, mit wie vielen Menschen sie gesprochen haben. Der Erfolg werde in den einzelnen Begegnungen gemessen, sozusagen von Mensch zu Mensch. Und weil das erste Jahr so schön, so erfolgreich, so erfüllend war, sollte Geburtstag gefeiert werden. So entstand irgendwann auch die Idee: „Wir machen ein Festival.“

 Und dieses Festival wurde im Lauf der Zeit immer größer. Am Schluss waren es zehn Bands, 65 Musiker und sechs Stunden Livemusik im Gotteshaus am Kirchplatz, vorbereitet und durchgeführt von den Ehrenamtlichen des Kirchenmobils und in Kooperation mit dem Trafohäuschen, das erstmals nach der Sanierung wieder offiziell geöffnet hatte.

 Kirche, das verbinde man meist mit Stille, man verhalte sich leise, so Schönbeck, aber Kirche könne auch laut sein. Und so versteht sich das Kirchenmobil ja: laut, vielfältig, offen, lebendig, tolerant. Und genauso war das Festival.

Funkig, rockig und sanft

Funky Funky machten den Anfang mit Rhythmen aus Südamerika. Es ist ein Helpser Schulprojekt, die Mitglieder sind elf bis 15 Jahre jung, und die Musik geht ab: Hier können auch die Leisen mal laut sein, hier können Schüler an die Musik herangeführt werden, die niedrigschwellig daherkommt: Nur Rhythmusgefühl sollte man mitbringen. Es folgte die Big Band der IGS Helpsen, die mit „Bad Romance“ von Lady Gaga beginnt: Es geht um das Verliebtsein in den besten Freund, eine intensive Litanei romantischer Verstrickungen zu Rhythmen, die die Tanzfläche füllen. Und das wird dann auch in der Kirche gemacht: Es wird getanzt.

 Deutlich ruhiger wurde es mit JoJazz, die mit dem „Girl from Ipanema“ begannen. Es folgen „Hit the Road, Jack“ und „What a Wonderful World“, alles sehr entspannt, alles sehr cool. JoJazz, das ist deutlich mehr als eine Pausenband.

 Es folgten The Parashots, und die rockten wahrhaftig das Haus Gottes: Heavy Metal, Hardrock, Psychedelic Rock, alles wurde munter gemischt. Das Quartett hatte spürbar Spaß, jede Menge eigene Songs und mit zwei Gitarren auch ein echtes Druckmittel.

 Deniz Serbest, 17-jährige Sängerin und Songwriterin aus Nienstädt, kam anschließend geradezu klassisch daher: Eine Gitarre, ein Lied, eine Stimme, mehr braucht es ja manchmal nicht. Sie hatte es, und sie wurde abgefeiert.

 Bei Took Refuge aus Münster wurde es wieder laut: Es gab alternativen Rock. Später setzten Sounds of time mit Gesang und klangvollen Harmonien einen Kontrapunkt. Frühstart folgten mit neuchristlichen Liedern, The Lost Generation aus Vlotho mit Rock und Blues, und Wanted mit Pop beendeten das erste Jugendmusikfestival.

 Das erste Jugendmusikfestival trägt seine Nummer im Namen übrigens nicht ohne Grund, weitere sollen folgen.

 Und das Kirchenmobil? Wird sich auf den Weg nach Berlin machen, wo im Mai der evangelische Kirchentag ansteht. rnk

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