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Klara Hibbeln feiert ihren 100. Geburtstag

Immer nach vorne geblickt Klara Hibbeln feiert ihren 100. Geburtstag

Klara Hibbeln hat am Neujahrstag im Azurit-Pflegeheim in Rinteln ihren 100. Geburtstag gefeiert. Die Schrecken des Zweiten Weltkrieges erlebte sie als junge Frau und Mutter von zwei kleinen Kindern. Jetzt erfreut sie sich an drei Söhnen, fünf Enkeln, fünf Urenkeln und zwei Ururenkeln.

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Klara Hibbeln

RINTELN. Dass man in so hohem Alter noch derart lebensfroh und an Menschen und an der Welt interessiert sein kann, das macht Hoffnung. Vermutlich ist es genau diese Offenheit, die der Jubilarin durch das nicht leichte Leben geholfen hat. Geboren wurde Hibbeln als Tochter eines Bergmanns in Bochum. „Kurz nach Mitternacht, die Glocken läuteten noch das neue Jahr ein, da bin ich auf die Welt gekommen“, sagt die alte Dame und lacht. Die Schrecken des Zweiten Weltkrieges erlebt Hibbeln als junge Frau und Mutter von zwei kleinen Kindern. Bombenangriffe auf das Ruhrgebiet, eine Hauswand, die direkt ins Schlafzimmer kippt, und schließlich der Tag, an dem sie das Gefühl hat, dass ihre Welt untergeht: „Das war das Schlimmste, was ich erlebt habe, als 1943 die Nachricht eintraf, dass mein erster Mann, Walter Lemke, gefallen war“, sagt sie.

Geburt des ersten Enkels

 „Das Schönste war die Geburt des ersten Enkelkindes“, wandern ihre Gedanken dann doch wieder zu den froheren Tagen. So muss es wohl immer gewesen sein. Hibbeln hat getrauert und dann doch wieder nach vorn geschaut. Hat noch einmal geheiratet, den Bergmann Heinrich Hibbeln, und mit diesem noch ein drittes Kind (drei Söhne sind es insgesamt) bekommen. Schwierige Zeiten gab es auch damals.

 Der Ehemann erkrankt an der Berufskrankheit aller Bergleute, der Staublunge. Und wieder macht Klara Hibbeln das Beste aus der Situation. „Wir hatten zu jener Zeit Bekannte, die nach Almena gezogen sind“, erzählt sie. „Als wir die besuchten, hat uns die Landschaft so gut gefallen, dass wir beschlossen, da wollten auch wir unsere alten Tage verbringen.“ Das war im Herbst 1965.

Umzug nach Almena

 Schon im folgenden Januar machen die Eheleute Nägel mit Köpfen: Sie ziehen in die Wohnung, die 46 Jahre lang Klara Hibbelns Zuhause werden soll.

 Die nächste große Veränderung wird wieder durch einen Verlust eingeläutet: 1981 stirbt Ehemann Heinrich. Doch Klara Hibbeln gräbt sich nicht im Kummer ein. Als man ihr erzählt, dass der damalige Pastor in Almena, Bernhard Grundmann, Unterstützung im Alltag brauche, meldet sie sich. „Da begannen die schönsten Jahre meines Lebens“, schwärmt sie. „Morgens fuhr ich mit dem Fahrrad zum Pastorhaus. Versorgte die vier Söhne und kümmerte mich um alles, was anfiel.“ Arbeiten mit Familienanschluss. „Für die Erwachsenen war ich ‚Tante Klärchen‘, für die Kinder schlicht ‚Oma‘.“

Umzug ins Pflegeheim

 Selbst der Umzug ins Pflegeheim vor sechs Jahren („Ich kam, weil ich nach einem Oberschenkelhalsbruch Unterstützung brauchte, und entschloss mich zu bleiben.“) hat Hibbelns Mut, neue Bande zu knüpfen, nicht beeinträchtigt. „Hier habe ich noch meine allerbeste Freundin kennengelernt, Toni, die Nachbarin vom Zimmer nebenan. Wir haben alles zusammen gemacht“, sagt die alte Dame und zeigt auf ein paar Fotos, auf denen die beiden zu sehen sind. Auch Toni ist mittlerweile gestorben.

 Doch es gibt ja noch die Familie: Die Söhne leben. Dazu fünf Enkel, fünf Urenkel und zwei Ururenkel. „Am meisten freue ich mich, wenn mein jüngster Sohn im Sommer mit seinem Wohnwagen kommt“, sagt sie. „Der kampiert immer für eine Woche am Doktorsee und holt mich oft ab zum Draußensitzen und zum Grillen.“

 Aber erst mal gelte es, an diesem Nachmittag, Geburtstag zu feiern. Mal sehen, wer aus der großen Familie alles kommt. cm

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