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Klimawandel war immer

Reinhold-Tüxen-Preis Klimawandel war immer

Alle drei Jahre verleiht die Stadt Rinteln den mit 5000 Euro dotierten Reinhold-Tüxen-Preis an einen renommierten Wissenschaftler aus den ökologisch-vegetationskundlichen Disziplinen.

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In diesem Jahr wird der Reinhold-Tüxen-Preis an Professor Dr. Harmut Dierschke verliehen. Dierschke hält die Dezimierung der Arten durch den Menschen in unseren Breitengraden für bedrohlich.

Quelle: wm

Rinteln (wm). Es ist, soweit bekannt, der weltweit einzige Preis, der ausschließlich an Vegetationswissenschaftler geht. Am morgigen Freitag, 8. Mai, soll Professor Dr. Hartmut Dierschke aus Göttingen den Preis entgegennehmen, der sich dazu auch ins „Goldene Buch“ der Stadt einträgt. Ab 15 Uhr findet eine Feierstunde im Ratskeller statt.

 Dierschke ist der zwölfte Preisträger. Am Freitagabend um 20 Uhr hält Professor Dr. Jörg Pfadenhauer aus München im Brückentorsaal einen Vortrag über die „Vegetation der Erde“. Dazu sind auch interessierte Bürger willkommen.

 Wer den Wissenschaftspreis der Stadt Rinteln erhalten soll, das schlägt die Reinhold- und Johanna-Tüxen-Gesellschaft vor, deren Vorsitzender Professor Dr. Richard Pott aus Hannover ist. Die Tüxen-Gesellschaft wiederum ist in Andenken an den Todenmanner Vegetationswissenschaftler Reinhold Tüxen gegründet worden, der 1965 zum ersten Mal seine Kollegen zu einer Tagung nach Rinteln gerufen hatte.

 Den Preisträger dieses Jahres, Professor Dierschke (Jahrgang 1937), kennen vor allem Pflanzensoziologen dieser Welt, eine überschaubare Wissenschaftsgemeinde, die sich regelmäßig austauscht. Dierschke ist Spezialist für Graslandschaften und die Regeneration von Pflanzengesellschaften. Er hat dazu zahlreiche Bücher und wissenschaftliche Schriften veröffentlicht. Dierschke war Universitätsprofessor an der Georgia Augusta in Göttingen und ist seit 2002 im Ruhestand. Von 1997 bis 2002 leitete er die Abteilung für Vegetationskunde und Populationsbiologie im Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften der Uni Göttingen. Dierschke war und ist außerdem Gastdozent an der Universität Ostchina in Schanghai und als Geobotaniker für viele, auch internationale Arbeitsgemeinschaften tätig, so ist er zum Beispiel Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates für den Nationalpark Harz.

 Dierschke hat Tüxen übrigens noch persönlich kennengelernt, zuerst 1961, als wissenschaftliche Hilfskraft in Stolzenau, später, nach der Promotion, als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Todenmann.

 Dierschke hat sich auch mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation befasst und umfangreich dokumentiert. So sind unter seiner Regie beispielsweise phänologische Untersuchungen aus den 1950er Jahren aktuell wiederholt worden. Ein Ergebnis: Buchenwälder treiben im Frühjahr deutlicher früher aus, der Mensch hat Arten deutlich dezimiert.

 Das ist das, was Dierschke in unseren gemäßigten Breitengraden für bedrohlicher hält als den Klimawandel: die Veränderung der Landschaft durch den Menschen und der dadurch verursachte Rückgang der Arten, der Biodiversität, der biologischen Vielfalt. Man könnte es auch so sagen: Klimawandel war immer. Doch die Vereinnahmung der Natur durch den Menschen hat ein zuvor nicht gekanntes Maß erreicht.

 Es könnte am Ende die Kombination beider Faktoren sein, die uns Probleme bringen wird. Dierschke sagte dazu in einem Interview: „Das Ergebnis dieser Entwicklung wird uns nicht gefallen. Wenn Veränderungen eintreten, werden diese viel rascher als in früheren Zeiten vor sich gehen, was Anpassungen erschwert und zu noch nicht überschaubaren Folgen führen kann.“

 Es fällt auf, dass der TüxenPreis bisher ausschließlich an Wissenschaftler gegangen ist, die am Ende ihrer Karriere stehen, sie werden mit dem Preis quasi für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Professor Pott erklärt das so: Für junge Wissenschaftler gebe es bereits genug Preise und Förderung. Dieses Spektrum sei also abgedeckt.

 An die Preisverleihung am Freitag schließen sich am Wochenende eine Tagung der Tüxen-Gesellschaft und ein Symposium im Brückentorsaal an. Zu diversen Fachthemen sprechen zudem Wissenschaftler unter anderem aus Japan, Österreich, Russland, den USA und Deutschland. Der Preisträger wird am Ende der Tagung einen Ausblick geben auf den Stand und die Möglichkeiten der „Pflanzensoziologie in Mitteleuropa im 21. Jahrhundert“.wm

 In diesem Jahr wird der Reinhold-Tüxen-Preis an Professor Dr. Harmut Dierschke verliehen. Dierschke hält die Dezimierung der Arten durch den Menschen in unseren Breitengraden für bedrohlich.

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