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Kraftvoll und klug

Poetry Slam im Ernestinum Kraftvoll und klug

Es ist schon erstaunlich, wie genau Jugendliche hinschauen; wie kritisch sie Erwachsene wahrnehmen, die sich hinter ihren Rollen und Masken verschanzen; wie sehr sie die Welt mit ihrem Sog zur Mittelmäßigkeit fürchten; und wie genau sie ihre eigene innere Welt wahrnehmen, die Leere, die Traurigkeit, die Sehnsucht, den Schmerz.

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Laura Erkler trägt vor.

Quelle: cm

Rinteln. Wenn junge Menschen dieses ganz besonders intensive Erleben, das zur Jugend dazugehört, zudem als Quelle für einen künstlerischen Ausdruck nutzen, dann kann das ein Publikum schlicht vom Hocker hauen.

So geschehen am Freitag im Gymnasium Ernestinum: Dort wurde der vierte Poetry Slam der Schule, vorbereitet von Lehrerin Kristina Rehr und ihrer Poetry-Slam-AG, ausgetragen. Diese Dichterwettbewerbe bieten die perfekte Bühne für die jungen Künstler. Ein guter Text ist dabei nur ein Bestandteil des Erfolges. Der Vortrag selbst gehört zum Gesamtkunstwerk unmittelbar dazu. Rhythmisch wird gelesen, oft beinahe akrobatisch schnell. Intensiv und drängend kommen die Sätze. Mit Lautstärke wird gespielt und mit Pausen. Wie beim Rap liegen Reim und Betonung oft mitten im Satz – wenn es sich denn reimt. Das muss es nicht. Sätze kommen wie laut gedacht, assoziativ, führen auf Abwege und wieder zum Thema zurück.

Die Themen, die am Freitag anklangen, waren vielfältig. Außer einer fiktiven Geschichte voller absurder Ideen spiegelten alle den Alltag der Jugendlichen wider: Schule, virtuelle Spielewelt, freie Zeit und Langeweile und Fluchtpunkt Fitnessstudio wurden literarisch verarbeitet. Es gehört eine Menge Mut dazu, sich mit seinen Texten einem großen Publikum zu stellen. Etwas mehr auf der sicheren Seite: die Selbstironischen und die Spötter. Ganz und gar preisgegeben: die, die ihre innersten Ängste und Gefühle im Text verarbeiten. Zu dieser zweiten Gruppe gehörte die Siegerin des diesjährigen Slams, Laura Erkler.

Ja, es gibt auch Sieger. Poetry Slam ist ein Wettkampf, bei dem das Publikum die Beiträge bewertet. Erklers Vortrag beeindruckte. Bildhafte, einprägsame Worte für einen inneren Kampf gegen den Untergang im Schmerz, rhythmisch gegliedert und in eine gefühlte Endlosschleife gebracht durch den Refrain „Lichter gehen an, Lichter gehen aus“. Der kraftvolle Vortrag rief beim Zuhörer kein Mitleid, sondern absoluten Respekt hervor. Ein verdienter Sieg und das unter Mitstreitern, die ebenfalls die hohe Kunst des Vortragens beherrschten und deren Texten es nicht an Witz, Intelligenz und kluger Selbstreflexion mangelte.

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