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Kunst eines Kuhkumpels

Rinteln / Ausstellung Kunst eines Kuhkumpels

Die vielen grün leuchtenden Glasflaschen mit dem eingravierten Bild eines kecken Wasserspringers, der sich kopfüber in die Tiefe stürzt, sie werden nie wieder dieses schöne Bild abgeben wie am Sonnabend zur Eröffnung der Ausstellung zu frühen Bildern des Rintelner Künstlers Eg Witt.

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Der Künstler kann natürlich auch in Öl: Eine Weserlandschaft, die Eg Witt um 1980 malte.

Quelle: rnk

Von Cornelia Kurth. Die dekorativen Flaschen nämlich, die auch einen signierten Flaschenposttext enthalten, wurden von den vielen Besuchern im Johannis-Kirchzentrum umringt und zum großen Teil sofort verkauft. Man wollte einfach teilhaben an der Kunst von Eg Witt, dessen Bilder in ihrem breit gestreuten Einfallsreichtum momentan den ganzen Kirchenraum einnehmen.

 „Kuhkumpel“, so der Titel der Ausstellung mit mehr als hundert Bildern. Kuhkumpel. Auf so einen Ausdruck kann wohl nur Eg Witt kommen, dessen anspielungsreiche Phantasie rund um die Verbindungen von Mensch und Natur sich in all seinen Werken zeigt, seien es Gemälde, in denen Menschen und Pflanzen miteinander verschmelzen, seien es die Eisenstelen, die sich an vielen Stellen in der Stadt finden, seien es seine Bücher über Begegnungen aller Art im Schaumburger Land, seien es all die Kunst-„Happenings“, die er – inzwischen 70 Jahre alt – im Laufe der Zeit veranstaltete, und nicht zuletzt der verzauberte private Skulpturengarten, den er ab und zu auch für Besucher öffnet.

 Was ein „Kuhkumpel“ eigentlich sein soll, das erklärte Pastor Dirk Gniesmer in seiner Rede. Da ist zunächst das schwungvoll skizzierte Bild eines Mannes, der seinen Arm einer Kuh um die Schulter legt, als wären da zwei Kameraden, die sich für ein Porträt zusammentun.

 Da sind weitere Bilder mit dem Titel „Kuhverehrer“ oder „Kuhberührer“, und als man da einfach lächeln muss, zitiert Gniesmer auch schon aus einem Artikel des Rintelner Journalisten Hans Weimann: „Maler, die Kühe malen, muss man einfach mögen.“

 „Herdensohn“ heißt ein weiteres kleines Werk, das auf den ersten Blick eine Kuhherde zeigt, unter der man dann aber auch einen auf allen Vieren grasenden nackten Menschen entdeckt.

 Die Ausstellung mit Ölgemälden, Aquarellen, Stichen und Zeichnungen aus den Jahren 1979 bis 1989, sei Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung mit der Schöpfung, findet Pastor Gniesmer. Nicht nur sei diese Auseinandersetzung von Liebe und Hingabe geprägt, sondern auch von der Sorge um unsere Erde und die gefährdete Natur.

 Außer sehr dekorativen, van-gogh-bunten Gemälden der Weserlandschaft, außer feinen Zeichnungen mit Motiven aus der Rintelner Altstadt und Aquarellen, die mit ihren sanften Farben an August Macke erinnern, außer einem frühen Selbstporträt, das den Künstler als einen langhaarigen, empfindsam wirkenden Jüngling zeigt, und den „Stammhalter“-Bildern, den Vereinigungen von Mensch und Baum, sind da auch viele Mahnmale, die Erdkugel etwa, die sich mit einem Dolch ersticht oder offenbar bereit ist, sich in einen Abgrund fallen zu lassen.

 Er habe seine Werke aus diesem Jahrzehnt eigentlich vernichten wollen und sei nur nicht recht dazu gekommen, erzählte Eg Witt bei der Eröffnung seiner Ausstellung. „Zum Glück“, kommentierte Pastor Gniesmer, der Witts Nachbar in der Nordstadt ist, unter anderem auch von den unerschöpflichen Kunstvorräten im Hause Witt erfuhr und schließlich zusammen mit ehrenamtlichen Helfern die Ausstellung organisierte.

 So zeichnet nun der Rundgang an den Bildern vorbei die Entwicklung eines Künstlers nach, der von allerlei naturalistischen Stil-Experimenten über expressionistische Anklänge hin zu seiner eher abstrakten Zeichensprache fand.

 All das wird begleitet von einem reich illustrierten Buch. Und wer bisher noch keinen „Eg Witt“ besitzt, der kann nun die Gelegenheit nutzen: Sämtliche Exponate stehen zum Verkauf.

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