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Landrat hält die Kennzeichen-Reform für „halbherzig“

Rinteln / Interview Landrat hält die Kennzeichen-Reform für „halbherzig“

Wenn es nach den Rintelner Parteivorsitzenden geht, dann steht einer Wiedereinführung des lokalen Kfz-Kennzeichens „RI“ nichts mehr im Wege.

Rinteln (rd). Gesetzt den Fall, der Bundesrat stimmt dem Vorschlag der Verkehrsminister zu, müssen sich nur noch die Landkreise mit den jeweiligen Städten über eine Wiedereinführung einigen. Philipp Killmann hat mit Landrat Jörg Farr über die Chancen städtischer Kennzeichen gesprochen.

Herr Farr, wenn der Bundesrat für die Wiedereinführung lokaler Kennzeichen grünes Licht gibt und die Stadt Rinteln einen entsprechenden Beschluss fasst, sind Sie am Zug: Wiedereinführung von „RI“ und „STH“ – ja oder nein?
Als Kfz-Zulassungsbehörde sind wir ein Dienstleistungsbetrieb. Daher würden wir selbstverständlich neue gesetzliche Vorgaben für die auch derzeit noch als „auslaufende Kennzeichen“ geführten RI und STH umsetzen. Im Sinne dieses Dienstleistungsgedankens war und ist es in meinen Augen viel wichtiger, in Rinteln eine Zulassung vor Ort im Rathaus weiter zu ermöglichen. Das schafft kurze Wege.

Vor einigen Jahren hatte Ihr Vorgänger eine Wiedereinführung abgelehnt. War die Sachlage damals eine andere?
Ja, damals war die gesetzliche Regelung meiner Kenntnis nach anders.

Unserer Leserumfrage zufolge sind 74 Prozent für das alte Kennzeichen, nur 19 Prozent sind dagegen. Wie interpretieren Sie dieses Ergebnis?
Die von Ihnen genannten Zahlen sprechen für eine starke Identifikation der Bürger mit ihrer Kommune. Das bewerte ich positiv. Spannend wäre es sicher, die Ergebnisse für beide Altkreise zu kennen. So geht es ja zum Beispiel bei der RI-Kennzeichnung nicht nur um Rinteln, sondern um die gesamte ehemalige Grafschaft.

Laut einer Untersuchung der Hochschule Heilbronn komme die Idee vor allem bei jüngeren Leuten gut an.
Das spricht für einen hohen Identitätsfaktor. Finde ich gut.

Ein Aspekt, der für die Wiedereinführung spricht, ist der Umstand, dass sie laut Professor Dr. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn keine zusätzlichen Kosten bedeuten würde.
Auf welchen Angaben diese Erkenntnisse beruhen, entzieht sich meiner Kenntnis. Wichtig ist, sollte es zur Umsetzung kommen, dass diese möglichst unbürokratisch erfolgt und für Zulassungsstellen sowie Bürgerinnen und Bürger nicht mit zusätzlichen unerwünschten Kosten verbunden ist. Bei Neuzulassungen scheint das eher unproblematisch zu sein.

Professor Bochert verweist zudem auf einen großen Werbeeffekt durch die städtischen Kennzeichen. Kritiker fürchten, dass Stadthagen vor dem touristischen Hintergrund möglicherweise hinter Rinteln zurückfallen würde?
Ob der Werbeeffekt eines Kennzeichens so groß wie dargestellt ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Für mich ist wesentlich die Aufstellung des gesamten Schaumburger Landes im Wettbewerb der Regionen. Hier haben die Städte in Schaumburg viel zu bieten. Sollte allerdings die Kennzeichnung touristisch begründet sein, stellt sich für mich die Frage, warum man dann so halbherzig vorgeht und keine Kennzeichen für weitere Orte zulässt, zum Beispiel für Bückeburg mit zweifelsohne hohem touristischen Potenzial.

Glauben Sie, dass die Schaumburger Identität gefährdet wäre, wenn wieder mehr Rintelner und Stadthäger Kennzeichen durch den Landkreis führen?
Ich glaube nicht, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl der Schaumburger von Autokennzeichen bestimmt werden kann.

Mal angenommen, es kommt zu einer großen Kreisreform, könnten die wiedereingeführten alten Kennzeichen dann erhalten bleiben?
Ich sehe keine große Kreisreform. Deshalb stellt sich für mich diese Frage auch nicht.

Landläufig stehen dreistellige Kennzeichen eher für Hinterwäldler, ein zweistelliges Kennzeichen macht da schon etwas mehr her. Herr Farr, Hand aufs Herz: Wenn Sie die Wahl hätten zwischen Kennzeichen mit zwei oder drei Buchstaben, welches würden Sie wählen?
Ich persönlich kann mich mit dem SHG als dem gemeinsamen Kennzeichen für unseren Landkreis gut identifizieren. Ich verbinde damit auch überhaupt nichts Hinterwäldlerisches. SHG beziehungsweise Schaumburg ist ein Markenzeichen. Denken Sie zum Beispiel an das Palais Schaumburg in Bonn als ehemaligem Hauptsitz des Bundeskanzlers. Im Übrigen steht die namensgebende Burg oberhalb des Ortes Schaumburg im Bereich der Stadt Rinteln.

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