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Rinteln Lebensgefährlich

Ein Funke hätte gereicht, um die Katastrophe herbeizuführen. Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag am Kirchplatz neun abgestellte Propangasbehälter aufgedreht.

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Für die Heizstrahler wurden neue Propangasbehälter besorgt. Die geöffneten lagern nun bei den Stadtwerken. Wie eine Propangas-Explosion enden kann, zeigte ein Vorfall 2010 am Doktorsee.

Quelle: jak/Archiv

Rinteln. Das Gas strömte in eines der Pagodenzelte, die für das Weinfest aufgebaut worden sind. „Wäre da jemand mit einer Zigarette hingegangen, den hätte es zerrissen“, sagt Jörg Stuchlik, Kripo-Chef in Rinteln. „Das hätte Tote geben können.“ Die Beamten ermitteln jetzt wegen des „Versuchs der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion.“ Strafmaß: mindestens ein Jahr Haft. Doch eigentlich hätten die Gasflaschen nicht so einfach zugänglich gelagert werden dürfen.

Alarmiert wurden die Einsatzkräfte gegen 1 Uhr von Passanten, die auf das Geräusch des ausströmenden Gases aufmerksam geworden sind. Feuerwehr, Rettungskräfte, Polizei, der Notdienst von Stadtwerken sowie Abwasserbetrieb und das Katastrophenschutzfahrzeug der Feuerwehr Möllenbeck rückten aus und riegelten den Kirchplatz ab.

Messungen um das Zelt herum ergaben eine explosive Mischung aus Luft und Propangas. Direkt vor dem Zelt maß die Feuerwehr, die mit 27 ehrenamtlichen 3 Stunden im Einsatz war, einen Propangasanteil von 22 Volumenprozent, erklärt der Ortsbrandmeister Thomas Blaue. Die Luft sei dort zu gesättigt gewesen, um direkt zur Explosion zu führen. „Das kann aber fünf Meter weiter schon anders aussehen.“ Wer also einige Meter neben dem Zelt, mit einer Zigarette in der Hand vorbeigegangen wäre, hätte das Gasgemisch zur Explosion bringen können.

Auch eine halbe Stunde nach der Alarmierung maß die Feuerwehr vor dem Eingang des Zeltes noch einen explosive Menge Propangas. Die eingesetzten Feuerwehrleute mussten daher sämtliche technischen Geräte ablegen und mit speziellen, explosionsgeschützten Lampen arbeiten, um bloß keinen, auch noch so kleinen Funken zu entzünden.

„Der Brennwert von Propan liegt bei 28 Kilowattstunden“, erklärt Thomas Seewald, der technische Leiter der Stadtwerke Rinteln. „Also dreimal höher als von Erdgas.“ Und schon bei einem Erdgasaustritt weise man die Anwohner an, keine Lichtschalter mehr zu betätigen. Auch dabei könne nämlich schon ein Funke entstehen. Wie eine Explosion, aufgrund von unsachgemäß gelagerten Propangasflaschen ausgehen kann, erlebte die Feuerwehr im Juni 2010. Damals wurden am Doktorsee bei einem Großbrand 13 Wohnwagen zerstört, es entstand ein Schaden von mehr als 100.000 Euro.

Die Propangasbehälter am Kirchplatz sollten ursprünglich für die Heizstrahler des ab heute stattfindenden Weinfestes verwendet werden, erklärt Hans Krencky, vom Zeltverleih Krencky, die die Gasflaschen angeliefert und im Zelt – laut eigener Aussage nicht sichtbar – abgestellt hatten. Er glaubt nicht an einen Dummenjungenstreich. Vor Ort demonstriert er, dass Propangasflaschen nicht so einfach zu öffnen seien, und vor allem einen ohrenbetäubenden Lärm machen.

Außerdem habe man, um in das Zelt zu gelangen, entweder die Plane aufschneiden, oder eine Querstange entfernen müssen. Und diese seien im Anschluss wieder korrekt eingesetzt worden. Krencky glaubt: „Das muss jemand gewesen sein, der Ahnung davon hatte.“ Er wollte zwar nicht näher darauf eingehen, schien aber einen konkreten Verdacht zu haben, wer verantwortlich sein könnte.

Bei Redaktionsschluss ermittelte die Polizei noch in alle Richtungen. „Wir nehmen das sehr sehr ernst“, betont Stuchlik, „Das ist ein Verbrechenstatbestand, es wurden Menschenleben gefährdet.“ jak

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