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Legal ist das nicht

Aufregendes Hobby Legal ist das nicht

„Es ist einfach toll, etwas in der Natur zu machen“, sagt der 16-jährige Kieren Schatz und blickt den bewaldeten Berg hinab. Gleich wird er sich mit halsbrecherischer Geschwindigkeit hinabstürzen.

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Marlon Weber zeigt einen „Whip“ genannten Trick, bei dem das Hinterrad zur Seite gerissen wird.

Quelle: jak

Rinteln. Gebeugt über sein Mountainbike, Helm und Genickschutz aufgeschnallt, über Rampen und Wurzeln, Äste und Schanzen. Es ist eine Strecke, die auch die Rintelner Marlon Weber (17) und Alexander Ehlers bereits kennen wie ihr eigenes Wohnzimmer. Gerade jetzt in den Sommerferien sind die Schüler fast jeden Tag in den Wäldern und Bergen um Rinteln unterwegs. Über Stock und Stein, über Schanzen und Rampen und führt der selbstgebaute „Trail“ gut 500 Meter rasant den Berg hinab. Sprünge über sieben, acht Meter sind möglich. Aber legal ist das nicht.

Revierleiter Alfred Matthaei vom fürstlichen Forstamt erklärt: „Radfahren ist auf den Wegen gestattet, aber nicht querbeet. Wer dagegen verstößt, kann angezeigt werden.“ Kann, muss aber nicht, wie die Praxis zeigt. Matthaei betont, dass bisher von seiner Seite keine Anzeigen herausgegangen seien. Im Gegenteil: Um das Jahr 2010 herum habe man sogar eine offizielle Teststrecke südlich des Idaturms angelegt.

„Wir wollten die Aktivitäten konzentrieren“, erklärt der Förster. „Grundsätzlich sind wir der Meinung, das nicht negativ zu sehen. Im Gegenteil, wir sind froh, wenn die Menschen aktiv und in der Natur sind. Aber man muss Abwegen, ob man das einem Gebiet zutrauen kann. Irgendwann verliert es seinen Sinn als Landschaftsschutzgebiet.“

Eine offizielle Teststrecke scheiterte letztendlich an der Frage der Haftung. „Wir sind vom Landkreis angehalten worden, diese Strecke wieder zurückzunehmen. Offiziell existiert keine Strecke“, sagt Matthaei. Inoffiziell aber schon, wie unter Mountainbikern bekannt ist. Schatz, Weber und Ehlers sind in einer Gruppe aus etwa 20 Personen – Jugendliche und junge Erwachsene – die sich überwiegend über „Whatsapp“ organisieren. Auf einer rasanten „downhill“-Strecke gehen sie ihrem Hobby nach. Den genauen Standort des Trails verraten sie nicht.

Aber über ihr Hobby sprechen die drei Mountainbiker gerne. Gegenüber dem klassischen Mountainbiken (Berg hinauf und wieder hinab) gebe es noch weitere Disziplinen. Zum Beispiel „downhill“ – mit dem Ziel möglichst schnell eine bergabführende Strecke zu bewältigen und ihr persönlicher Favorit: „Freeride“. Dabei geht es darum, während der Fahrt und in der Luft möglichst spektakuläre Tricks vorzuführen. Zum Beispiel die „Whip“ genannte Bewegung, bei der in der Luft das Hinterrad spektakulär nach vorne gerissen wird.

Billig ist das Mountainbiken – zumindest auf einem anspruchsvollen Level – auch nicht. Ein Neupreis von etwa 5000 Euro für ein Fahrrad? Nicht ungewöhnlich. „Was andere versaufen, das verfahren wir halt“, meint Ehlers.

Außerdem müsse man – wenn man nicht jedes Mal in die Werkstatt gehen möchte – viel Zeit mit Schrauben und Basteln verbringen. „Aber auch das hat seinen Reiz“, finden Weber und Schatz. Um ganz legal ihrer Passion nachzugehen, müssten die Drei übrigens bis an den Deister fahren. „Aber das geht eben nicht regelmäßig“, so Weber. Und was sagen eigentlich die Eltern zur Wahlsportart ihrer Kinder? Marlon Weber: „Meine sind froh, dass ich es mache und nicht den ganzen Tag im Zimmer sitze.“ Und Ehlers meint: „Eine ungefährlichere Sportart wäre ihnen wohl lieber.“

 Stürze mit nennenswerten Verletzungen konnten die drei bisher mit umsichtiger Fahrweise und der richtigen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten verhindern. Kontakt mit Wanderern und anderen Waldbesuchern sei überwiegend positiv, berichten die Mountainbiker. Gerade wenn man sich auf dem Weg nach oben treffe, seien diese sehr interessiert.

Komme einem aber ein Mountainbiker mit hoher Geschwindigkeit vom Berg entgegen, kann das für Wanderer trotzdem ein Schock sein. Gerade deswegen sei es doch gut, findet Marlon Weber, dass man sich eine von Wanderwegen unabhängige Strecke gefunden habe. Der Berg ist groß genug für alle. jak

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