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Maßgeschneidert und reduziert auf das Wesentliche

„La finta giardiniera“ in der Nikolaikirche Maßgeschneidert und reduziert auf das Wesentliche

Wie maßgeschneidert passte sich die Inszenierung von Mozarts frühem Werk „La finta giardiniera“ an ihren Veranstaltungsort an: die Nikolaikirche in Rinteln.

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Ist das närrische Verhalten, das durch Verliebtheit entsteht, zum Lachen oder zum Weinen? In Mozarts Oper „La finta giardiniera“ hat beides seinen Platz.

Quelle: cm

RINTELN. Gestrichen wurden Pomp, üppige Kostüme, aufwendige Bühnenbilder.

 Als Hintergrund reichte eine grün angestrahlte Stoffbahn, deren helle und dunkle Streifen immer wieder interessante optische Kontraste für die schwarz gewandeten Darsteller bot. Szenenwechsel: kein Problem. Da reichte ein Satz des Sprechers: „Anderer Ort. Die Protagonisten treffen sich jetzt alle in völliger Dunkelheit an einem einsamen Platz im Gebirge.“

 Gestrafft: die eher unübersichtlichen Handlungsstränge der Originalfassung. Stattdessen wird bei der Dramaturgie, die Juliane Votteler 2006 für das Berliner Konzerthausorchester geschaffen hat, auf die vermittelnde Rolle zweier Sprecher („ein Mann“: Maximilian Scheidt, „eine Frau“: Johanna Paliatsou) gesetzt.

 Dass diese die komisch-tragische Mozartoper über Liebeswirren aller Art zum Teil durch Zitate aus Goethes „Wahlverwandtschaften“ ergänzen, gibt dem Stück eine neue Tiefe.

 Was bei all diesen Vereinfachungen bleibt und regelrecht in den Vordergrund gerückt wird, ist die Musik. Den Veranstaltern der 30. Niedersächsischen Musiktage ist es dieses Jahr gelungen, ein absolut hochklassiges Ensemble für den Auftritt in Rinteln zu verpflichten. Es konnten Sänger und Sängerinnen aus Italien (Carolina Lippo, Gian Luca Pasolini), Deutschland (Simon Bode, Matthias Winckler), China (Lin Shi), Australien (Alexandra Flood) und Belgien (Alice Depret) für dieses Projekt gewonnen werden. In der musikalischen Leitung, eine weitere Italienerin, die temperamentvolle Giuliana Retali.

 Kein Wunder also, dass sich die Rintelner von der Musik und den schönen Stimmen begeistern ließen. Der enge, schon beinahe intime Kontakt, der im begrenzten Raum der Nikolaikirche zwischen Publikum und Künstlern entstand, machte einen besonderen Reiz bei der Aufführung aus. So hatte man das sich wunderbar ergänzende Zusammenspiel von Instrumenten (es spielte das in Hannover ansässige Orchester „musica assoluta“) und Stimmen nicht nur im Ohr, sondern regelrecht vor Augen. Auch Gestik und Mimik der Sänger erreichten die Zuschauer auf direktem Weg, und diese fanden offensichtlich viel Gefallen an der Fähigkeit der Künstler, ihre Rolle komisch-dramatisch zu übertreiben. So wurden viele mit Spiellust vorgetragene Arien mit Zwischenapplaus honoriert.

 Dass gerade die Hauptdarstellerin, die renommierte Sopranistin Carolina Lippo, deren Rolle als Gärtnerin wenig Möglichkeiten zur komischen Überzeichnung bot, ohne solch spontane Äußerung von Lob auskommen musste, ist eine kleine Ironie des Schicksals. Die Sopranistin mit der starken Stimme musste bis zum Abschlussapplaus auf ihre ausdrückliche Anerkennung warten. Dass dieser jedoch schließlich tosend und nicht enden wollend ausfiel, dürfte sie ein wenig getröstet haben.

 An diesem Abend hat wirklich alles gepasst: die schöne Atmosphäre der Kirche, festlich gekleidete Zuschauer, spiel- und sangeslustige Künstler und Musik vom Allerfeinsten. cm

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