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Mehr Freiheit, weniger Disziplin

Langjährige Lehrerin geht in den Ruhestand Mehr Freiheit, weniger Disziplin

„Schule ist ein Abbild der Gesellschaft. Wenn sich die Gesellschaft ändert, ändert sich auch Schule“, sagt Agathe Mezger-Diestelkamp, die nach über 40 Dienstjahren zum Ende des Schulhalbjahres in den Ruhestand versetzt wurde.

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Die Schüler der ersten Klasse sagen auf Wiedersehen. Agathe Mezger-Diestelkamp geht nach vielen Jahren an der Grundschule Nord in den Ruhestand.

Quelle: pr.

Rinteln. Während ihrer Zeit als Lehrerin in der Grundschule, Orientierungsstufe und Hauptschule in Hameln und Rinteln hat die engagierte Pädagogin zahlreiche Veränderungen hinsichtlich der Rahmenbedingungen in der Schule, aber auch hinsichtlich der Konzentrationsfähigkeit, Arbeitshaltung, Disziplin und Gewaltbereitschaft beobachtet und erlebt.

 „Die Veränderungen, die sich in meinen 40 Lehrerjahren vollzogen haben, sind zahlreich, vielfältig und durchgreifend. Manche voreiligen, oft ideologisch begründeten Reformen – wie die Mengenlehre in Mathematik – waren eine Modeerscheinung und sind wieder verschwunden. Andere Neuerungen erwiesen sich in der Praxis als unzulänglich, sodass man zum Altbewährten zurückkehrte.“

 Positiv verändert hätten sich einige Rahmenbedingungen. Die Klassen, vor allem in der Grundschule, seien kleiner geworden – von 40 Schülern auf durchschnittlich 18 bis 22. Der Unterricht am Sonnabend sei abgeschafft worden, was sich positiv auf das Familienleben ausgewirkt habe. Seit einigen Jahren gebe es das Angebot von Ganztagsschulen, zunächst begrenzt auf einige Tage in der Woche. Diese sollen aber zu einem ganzwöchigen Angebot erweitert werden.

 Die alten Schulgebäude seien vielfach Neubauten gewichen. Dadurch seien die Klassenräume größer geworden, und modernere Unterrichtsformen hätten angeboten werden können. „Der Frontalunterricht wurde mehr und mehr abgelöst.“ Unterrichtsinhalte, so Mezger-Diestelkamp, würden heute oft in Unterrichtsgesprächen, Einzelarbeit, Partner- und Gruppenarbeit, Stationsarbeit und Freier Arbeit erarbeitet. Dadurch würden Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit stark gefördert. Den Lehrern stünden zudem Unmengen von Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, sodass der Unterricht äußerst abwechslungsreich gestaltet werden könne.

 „Positiv zu vermerken ist die größer gewordene Freiheit und Offenheit Lehrern und Mitschülern gegenüber“, stellt Mezger-Diestelkamp fest. „Die freimütige Meinungsäußerung ist ein Gewinn für die heutige Schule. Die Kritikfähigkeit hat zugenommen, ebenso das Wissen, wenn auch in anderen Bereichen als früher. Ich nenne nur Computertechnik. Und die Angst vor tyrannischen Lehrern ist fast verschwunden.“

 Nach Ansicht von Mezger-Diestelkamp geblieben ist die Bereitschaft, sich für eine gute Sache zu engagieren, für eine soziale Aufgabe, ein interessantes Fach, einen begeisternden Lehrer oder außerschulische Tätigkeitsfelder, die in die Schule hineinwirken. Noch werde auch Musik gemacht, Theater gespielt oder Sport getrieben, wenngleich stets von einer Minderheit.

 Nachgelassen hätten nach Auffassung von Mezger-Diestelkamp Konzentrationsfähigkeit, Arbeitshaltung und Disziplin vieler Schüler, zudem sei die Gewaltbereitschaft unter Schülern und gegen Lehrer gestiegen. Auch ein Autoritätsverlust des Lehrers gegenüber Schülern und Eltern sei zu verzeichnen. „Der Unterricht wird stets von einem sehr hohen Lärmpegel begleitet. Ständig wird ohne Aufforderung dazwischen gesprochen. Da wird es für die Kinder immer schwieriger, sich zu konzentrieren.“

 Den Klassen mangele es heute in puncto Lernbereitschaft auch an Homogenität. „Es fehlt die breite Mitte“, sagt Mezger-Diestelkamp. „Wenigen lernbereiten Schülern steht eine große Zahl von Schülern gegenüber, die aus diversen Gründen keine große Lernbereitschaft entwickeln.“

 Nach Auffassung vieler Experten seien diese Missstände auf Ursachen wie den Rückzug vieler Eltern aus ihren erzieherischen Pflichten, die hohe Scheidungsrate und die Zahl sogenannter Scheidungswaisen, überforderte Alleinerziehenden, die Ablenkung durch Fernsehen sowie Video- und Computerspiele, Bewegungsmangel und Übergewichtigkeit, falsche Ernährung sowie Integrations- und Sprachprobleme durch einen immer höheren Anteil von Ausländern.

 „Die Schüler sind immer weniger bereit, Konflikte auszuhalten und schwierige Situation im Umgang mit Klassenkameraden durchzustehen. Die Hemmschwelle, bei Konflikten handgreiflich zu werden, ist niedriger geworden“, klagt die Pädagogin. „Kein Wunder, das wird den Schüler vorgelebt. In Medien und Computerspielen stehen brutale und rücksichtslose Szenen immer wieder im Mittelpunkt.“  peb 

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