Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
„Mein Geburtstag wird dein Todestag sein“

Prozess „Mein Geburtstag wird dein Todestag sein“

Eine SMS reicht, um sich auf der Anklagebank wieder zu finden. Diese Erfahrung musste ein 32-Jähriger mit türkischer Abstammung machen, der seine geschiedene Frau per SMS mit dem Tode bedroht haben soll: „Mein Geburtstag wird dein Todestag sein."

Voriger Artikel
Es wird kräftig gebaggert
Nächster Artikel
Vorsicht auf der Fußgängerbrücke

Rinteln (wm). Und er soll seinem Ex-Schwiegervater gedroht haben: „Genieß noch die Zeit mit deiner Tochter, am Donnerstag siehst du sie zum letzten Mal.“ Was sich am Dienstagvormittag im Amtsgericht abspielt, sind die Nachwehen einer gescheiterten, inzwischen geschiedenen Ehe und des Zwistes um einen gemeinsamen Sohn.

 Diese Ehe war wohl ein Geflecht wechselseitiger Abhängigkeiten durch das weder Amtsrichter Christian Rost noch Oberstaatsanwalt Klaus-Jochen Schmidt durchfinden oder durchfinden wollten. Das ist nämlich in diesem Fall auch nicht Aufgabe des Gerichts.

 Der Mann sitzt im Jackett allein auf der Anklagebank, ohne Verteidiger. Dafür sind zwei Justizbeamte mit im Saal. Man kennt wohl das Temperament des Angeklagten.

 Die fünf Droh-SMS, die er an seine Ex-Frau geschickt haben soll, sind unstrittig. Die Frau hat sie der Polizei gezeigt. Strittig ist, ob er auch seinem Ex-Schwiegervater gedroht hat – „genieß noch die Zeit mit deiner Tochter“. Weder der Ex-Schwiegervater noch ein Nachbar mögen sich im Zeugenstand so recht daran erinnern. Schmidt wird diesen Anklagepunkt deshalb später fallen lassen. Der ehemalige Schwiegervater und ein Nachbar erklären, es sei einfach zu lange her. Man darf vermuten, beide hatten wohl keine Lust mehr, zu tief in die verfahrende Geschichte einzusteigen. Der Angeklagte fragt nach, bis der Ex-Schwiegervater schließlich sagt: „Ja, es hat eine gute Zeit gegeben. Aber die Zeiten sind vorbei.“

 Auch die 34-jährige Ex-Ehefrau kommt in den Zeugenstand, könnte eine Aussage verweigern, möchte aber antworten. Schmidt will wissen: „Hat er Sie geschlagen?“ „Ja“, antwortet sie. „Gewürgt?“ – „Ja.“ „Das waren nur Klapse“, ruft der Angeklagte dazwischen. „Haben Sie die Drohung ernst genommen?“, fragt Schmidt. „Natürlich, wenn er im Hof steht, droht und schreit.“ Sie habe sich nicht getraut, allein wegzugehen.

 Die Aussagen eines Polizeibeamten sind eindeutig: Mehrmals in der Woche habe die Frau angerufen, weil sie sich von ihrem Ex-Ehemann bedroht gefühlt habe. „Sind wir dann zu der Wohnung gekommen, war der Mann meist wieder weg.“ Die Polizei spricht ein Kontaktverbot aus. Der Mann hält sich nicht daran. Dann zieht ihn die Justiz für zehn Tage aus dem Verkehr. Vor dem Hintergrund, dass der Mann in jungen Jahren mehrfach wegen Körperverletzung vor Gericht gestanden hat, eine verständliche Entscheidung.

 Dann fährt der Mann in die Türkei. Als er wiederkommt, holt ihn seine Ex-Ehefrau vom Bahnhof ab und lässt ihn 14 Tage bei sich wohnen. Auch über Nacht. Dann setzt sie ihn vor die Tür. Der Streit um den gemeinsamen Sohn eskaliert. Der Vater fordert, sein Sohn solle ihn jeden Abend anrufen, und rastet aus, wenn er einmal nichts hört.

 Es sind wohl auch unterschiedliche kulturelle Wertvorstellungen, die Konfliktstoff bieten, und es geht ums Geld. Vor Gericht schildert der Mann: Seine Frau habe immer nur mit „der Karte des Vaters eingekauft“. Sagt gleichzeitig, „ich habe alles für das Glück meiner Familie getan“. Erwähnt immer wieder, dass er Geschenke für seinen Sohn kaufe.

 Sie wirft ihm Drogen und Alkohol vor. Er sagt, davon sei er längst ab, kontert mit „Angststörung“, die sie habe. Rost zieht die Notbremse und navigiert weiter ruhig durch die Verhandlung, die immer wieder aus dem Ruder zu laufen droht, stoppt sich anbahnenden Streit zwischen den Ex-Eheleuten, bremst den jungen Mann bei ausufernden Rechtfertigungsversuchen aus.

 Auch Schmidt steuert immer wieder auf die Anklagepunkte zu, um die es eigentlich geht: Bedrohung. Denn da versteht der Gesetzgeber keinen Spaß: Wer einem Menschen mit dem Tode bedroht, macht sich strafbar, selbst wenn er diese Drohung nicht ernst meint. Es genüge, wenn der Bedrohte die Drohung ernst nehme, betont Rost. Dann liest er noch das Vorstrafenregister des Angeklagten vor. Körperverletzung, Bedrohung, Drogen, Erschleichung von Leistungen. Jugendsünden – er sei jetzt „erwachsen“, entgegnet der Mann.

 Am Ende plädiert Schmidt auf eine Geldstrafe, die Rost auch verhängt. Der Angeklagte, er bezieht Hartz IV, wird sie wohl abarbeiten, wie er es auch bei anderen Strafen getan hat.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg