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Millionenbetrug mit Quecksilber

Drei Jahre Haft für 61-Jährigen Millionenbetrug mit Quecksilber

Zu drei Jahren Haft ist Christian Prado (Name geändert) ein gewiefter Geschäftsmann mit „hoher krimineller Energie“ nun verurteilt worden. Insgesamt 1,5 Millionen Euro soll der im Kalletal lebende und auch in Rinteln tätige Geschäftsmann bei einem gigantischen Wirtschaftsbetrug erwirtschaftet haben.

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473 Tonnen reines Quecksilber wurde – als „quecksilberhaltiger Abfall“ getarnt – in die Schweiz geschmuggelt.

Quelle: dpa

Kalletal/Rinteln. Prado wird allerdings kein Betrugsdelikt vorgeworfen, sondern „unerlaubtes Verbringen von gefährlichen Abfällen“ sowie Steuerhinterziehung.

 Der 61-Jährige soll der in Bad Oeynhausen ansässigen Entsorgungsfirma „Dela GmbH“ geholfen haben, 473 Tonnen hochgiftiges Quecksilber illegal in die Schweiz zu schmuggeln und dort an „Air Mercury“ zu verkaufen, so das nicht rechtskräftige Urteil des Landgerichts. Als einer von vier Angeklagten wurde Prado zu drei Jahren und drei Monaten unbedingter Haft verurteilt.

 Vier Monate saß Prado bereits in Untersuchungshaft. Er bezeichnete die Zeit der Inhaftierung als wertvolle Lebenserfahrung, die er nicht missen wolle und in der er zahlreiche Kontakte zu interessanten Mitgefangenen geknüpft habe. Er wurde unter anderem zum Gefangenensprecher gewählt.

 Der illegale Schmuggel des hochgiftigen Quecksilbers verlief wie im Film. Auf je zwei Tonnen reines Quecksilber in Spezialbehältern wurden jeweils etwa 100 Kilogramm Erde geschüttet. Dann deklarierte die Dela den so getarnten reinen Giftmüll als „quecksilberhaltige Abfälle.“ Kontrollierte nun etwa der Zoll, sah er: harmlose Erde.

 Aufgrund der chemischen Eigenschaften von Quecksilber blieben beide Schichten getrennt. Laut dem Landgericht konnte in der Schweiz die Erde im Anschluss ganz einfach per Hand entfernt werden. Im Anschluss verkaufte Air Mercury das reine Quecksilber legal in die gesamte Welt. Durchschnittlicher Verkaufspreis pro Tonne: 53860 Euro.

Bedrohung durch hochgiftigen Sondermüll

Wesentlicher Beweggrund dürfte das seit 2011 gültige Exportverbot von Quecksilber außerhalb der EU gewesen sein. Damit wollte die Europäische Union auf die „globalen Bedrohung“ durch den hochgiftigen Sondermüll reagieren und das Angebot verringern. Dadurch sank der Preis für Quecksilber innerhalb der EU massiv, außerhalb der EU stieg er dagegen. Der illegale Export von Quecksilber wurde also zum höchst profitablen Geschäft.

 Wegen seiner zahlreichen Kontakte ins Ausland wandten sich die beiden Geschäftsführer der Dela an Siegfried Prado. Dieser war mit dem Geschäftsführer von Air Mercury freundschaftlich verbunden. Ein erstes konspiratives Treffen fand am 16. Mai 2011 am Flugplatz von Porta Westfalica statt.

 Prado kam dabei nach Ansicht des Gerichts die Rolle eines Mediators und Mittelsmanns zu. Denn die Dela-Geschäftsführer hielten den Air-Mercury-Geschäftsführer für eine „egozentrische Persönlichkeit“, zu der sie keinen Zugang fanden und der sie nicht vertrauten. Prado dagegen war mit ihm, wie auch mit den Dela-Verantwortlichen, vertraut.

 Air Mercury erwirtschaftete mit dem geschmuggelten Quecksilber einen Gewinn in Höhe von 17,6 Millionen Euro. Davon stand Prado nach Absprache ein Anteil von 1,5 Millionen Euro zu. Etwa 700000 Euro flossen an Prado oder sein direktes Umfeld. Er verteilte es weiter an seine Familie und auch an zumindest einen Bekannten.

 Prado hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. jak, lb

Die Dela-GmbH

Das Unternehmen mit Sitz in Bad Oeynhausen und weiteren Standorten in Dorsten, Essen und Beckum hatte sich auf die Entsorgung hochgiftiger Quecksilberabfälle spezialisiert. Laut einem der geständigen Geschäftsführer lief der Standort Dorsten im Jahr 2011 Gefahr, sich finanziell „zu übernehmen“. Weshalb er und sein aus Essen stammender Kollege mit den illegalen Geschäften begannen. Fortan wurden die zugelieferten quecksilberhaltigen Abfälle zwischen 2011 und 2014 nicht mehr wie vorgegeben unschädlich gemacht und entsorgt, sondern zur Rückgewinnung reinen Quecksilbers genutzt. Dieses wurde dann mithilfe von Christian Prado außer Landes geschmuggelt. lb

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