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Mit Banane Krieg spielen

Rinteln / Theater Mit Banane Krieg spielen

Wenn es keine Computerspiele gäbe, würden es andere Dinge wie zum Beispiel diese Banane sein, mit denen die Jugendlichen „Krieg“ spielen.

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Mit einer Banane demonstriert Ben dem Hausmeister, dass man keine Computerspiele braucht, um Krieg zu spielen.

Quelle: nrf

Von Nina Reinfelder. Das möchte der jugendliche Ben im Theaterstück „Feindberührung 2.0“ vor 120 ausgewählten Schülern der berufsbildenden Schule demonstrieren. „Leider bietet unsere Aula nicht genügend Platz für unsere 1600 Schüler“, so Schulleiter Herbert Habenicht. Deshalb waren nur Schüler im Publikum, die schon einmal Kontakt mit Cybermobbing und dem exzessiven Gebrauch von Computerspielen hatten oder später in der Kindererziehung Fuß fassen möchten.

 Das Stück handelt von Ben, der bei einem Angriff sein Auge verlor und nun seine Aggressionen in nächtelangem Computerspielespielen auslässt. Durch das virtuelle Abschießen von Menschen versucht er, seine Ehre wiederzuerlangen.

 Der bosnische Hausmeister Baris bietet die perfekte Angriffsfläche für Bens Provokationen und Vorurteile gegenüber Ausländer. Dieser erkennt nach einiger Zeit, dass hinter dem harten, aggressiven Ben auch ein einfühlsamer und netter junger Mann steckt, der ein Problem mit seiner Vergangenheit hat. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten versucht der Hausmeister, Ben zu helfen, indem er ihm zum Beispiel über seine Erlebnisse im Bosnien-Krieg erzählt.

 Auch um den Unterschied zwischen Realität und Virtualität dreht sich das Stück. Für Ben sind es nur Pixelhaufen, die sich gegenseitig abknallen, doch für den Hausmeister sind es traumatische Erfahrungen, von denen er noch heute Albträume hat. Aus dem Gespräch erfährt er, dass auch Ben Albträume hat, denn der Anschlag verfolgt ihn Nacht für Nacht, wenn er sich schlafen legt.

 Die beiden verwickeln sich gegenseitig in eine Diskussion, ob Computerspiele Auswirkungen auf die Realität haben. „Sie spielen doch Tetris. Und werfen Sie Steine von einer Brücke? – Nein! Wieso sind Sie dann der Meinung, dass sich Computerspiele auf die Realität auswirken?“, sagt Ben zu diesem Thema.

 Daraufhin stellt der Hausmeister jedoch fest, dass sich die Spiele wohl doch auf Bens Realität auswirken. Denn er spielt mit dem Gedanken, den Mann mit einer Pistole umzubringen, der ihm das Auge ausstach und seinen großen Traum vereitelte, Profifußballspieler zu werden. Die Themen Vergeltung, Rache und Verlust der Ehre sowie die Folgen werden dem Publikum hier besonders nahe gebracht.

 Die Inszenierung des schwierigen Themas ist lustig und unterhaltsam gestaltet und lebt auch von den Erzählungen des Hausmeisters aus seiner Vergangenheit. Diese regen Ben dazu an, über seine Computerspiele nachzudenken. Die Zuschauer sollen ohne belehrende Monologe zum Nachdenken gebracht werden. Finanziert wurde die Veranstaltung zu einem Drittel aus Mitteln der Bürgerstiftung Schaumburg.

 Die Schüler nahmen das Stück mit Begeisterung auf. Schulleiter Habenicht freute sich über das große Interesse seiner Schüler: „Dies lag vermutlich an der tollen Darstellung und der Aktualität des Themas.“

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