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Mit Kind und Kegel in die Mongolei

Vortrag: Familie geht drei Jahre auf Weltreise Mit Kind und Kegel in die Mongolei

Ein Haus in einem bayrischen Städtchen, drei Kinder, ein Sparkonto – Heike und Tom Praschel waren beide Mitte dreißig, als sie sich fragten, ob sie die nächsten zehn Jahre genau so leben wollten wie die zehn Jahre zuvor.

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 Heike Praschel auf Reisen mit der Tochter Paula.

Quelle: pr.

Rinteln. Ihre Antwort: Sie kauften sich einen knallroten alten Mercedes-Laster, bauten das Innere zu einem gemütlichen Zuhause aus, packten ihre Kinder ein und machten sich auf zu einer großen Reise Richtung Mongolei. Es wurde eine fast dreijährige Weltreise, von der Heike Praschel in der Rintelner Stadtbücherei so spannend erzählte, dass viele Zuhörer das Fernweh packte.

 Mit kleinen Kindern auf so eine Reise zu gehen, mag so manchem ganz schön verrückt erscheinen. Schließlich waren die beiden Praschel-Töchter Paula und Emma, als es 2010 losging, erst ein Jahr beziehungsweise drei Jahre alt. Immerhin bewegten sich die Praschels nicht nur durch die halbwegs vertraute Türkei, sie fuhren durch den Iran, waren in Usbekistan, Sibirien und in der Mongolei, alles nicht gerade Länder, die man für einen Familienurlaub auswählen würde. „Ach, ich fand es dort eigentlich viel schöner als dann später in den USA.“

 Was sie außer den großartigen Landschaften, die sie durchquerten, den phantastischen Rastplätzen mitten in der Natur und den Sehenswürdigkeiten der anderen Kulturen am meisten bewegte, das war die ungeheure Freundlichkeit und Neugier, die der deutschen Familie überall entgegengebracht wurde. Der rote Mercedes-Laster, die blondlockigen Kinder, fast überall war die Familie im Handumdrehen von Menschen umringt, die sie einladen wollten, ihnen Tee anboten, Geschenke machten und insgesamt so an Kommunikation interessiert waren, dass es oft keine ruhige Minute gab. Einmal wurden sie im Iran von einer lustigen Hochzeitsgesellschaft geradezu verfolgt, die stundenlang neben dem Laster tanzte und feierte.

 Im Iran blieben sie lange, unter anderem deshalb, weil der Diesel für ihr Gefährt fast nichts kostete und die Iraner insgesamt als äußerst geschickte Autoschrauber gelten, die über unendliche viele, günstige Ersatzteile verfügen. Bei ihnen wollten sie sich den alten Laster aufrüsten lassen, damit er ungefährdet die Schotterpisten in Usbekistan und der Mongolei überstehen würde. Das gelang auch, aber erst nach Wochen. Es sei sehr amüsant gewesen, erzählte Heike Praschel, wie sich alle Verhandlungen hingezogen hätten. Termine seien verschoben worden, man habe lieber erst mal weiter Tee getrunken. „Die Arbeit lief ja nicht weg.“ Und das Schöne: Es machte ja wirklich nichts. Die Familie hatte Zeit, freie Zeit, Freiheits-Zeit.

 Zur Verständigung in den unterschiedlichen Ländern nutzten sie oft ein Bilder-Wörterbuch, ein Wörterbuch ohne Buchstaben, dafür aber mit Piktogrammen. Durchaus sinnvoll, wenn man nicht weiß, wie Worte in ganz fremden Sprachen auszusprechen sind. Als die Kinder später in Deutschland feststellten, dass man einfach so reden kann, und die Leute verstehen einen, „haben sie ständig und überall herumgequasselt“, so Praschel. Die Zuhörer konnten sich das gut vorstellen, waren die Töchter Emma und Paula doch auch auf dieser Vortragsreise dabei. Vor allem Emma beteiligte sich lebhaft mit allerlei Zwischenbemerkungen.

 Das Auto-Zuhause war gerade mal acht Quadratmeter groß, überall mit Holz ausgekleidet, mit einem Ofen versehen und enthielt alles, was eine kleine Familie zum Leben braucht. Nur die älteste, 15-jährige Praschel-Tochter äußerte von vornherein ihre Bedenken in Bezug auf die Enge und nahm nur in den Schulferien an der Reise teil. Prinzipiell hätte sie durchaus von der Schulpflicht befreit werden können – Eltern müssen dann nach bestimmten Vorgaben für einen häuslichen Unterricht sorgen – aber es war wohl im Sinne aller, dass sich der Teenie dieser Herausforderung lieber entzog.

 Tatsächlich lebten die Praschels in Bezug auf Komfort und Konsum sehr bescheiden. In der weiten mongolischen Steppe musste man mit dem Klappspaten in der Hand einen kümmerlichen Busch suchen, um seine Notdurft zu verrichten. Wenn es Windeln für die kleine Paula zu kaufen gab, dann schlug die Mutter gleich im Hunderter-Pack zu, und so mancher Sandsturm in der Wüste Gobi hielt die Vierer-Bande in ihrem Laster gefangen. Trotzdem: Als sie nach Deutschland zurückkehrten, nur um drei Wochen später die Reise in den USA fortzuführen, erschien ihnen ihr Wohnhaus in der bayrischen Kleinstadt mit seinen 120 Quadratmetern viel zu groß und die Sesshaftigkeit insgesamt nicht leicht zu ertragen. In Nordamerika führte der Weg auf dem Küstenhighway hinab nach Kalifornien und anschließend nach Mexiko.

 Gut, dass Buchhändlerin Uta Fahrenkamp viele Exemplare des Buches „Weltenbummler“ in die Stadtbücherei gebracht hatte, es verkaufte sich nach dem lebhaften Vortrag im Handumdrehen.

 Wahrscheinlich wird Praschel bald ein zweites Buch schreiben. Schon im März wollen Eltern und Kinder erneut aufbrechen, nach Kanada und Alaska. „Wir müssen wieder los. In Deutschland vermissen wir einfach zu sehr das ungebundene Leben.“cok

 Weltenbummlerin Heike Praschel mit der kleinen Tochter Paula.

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