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Monokultur und Qualzucht?

Rinteln / Reformationsempfang Monokultur und Qualzucht?

„Das Knurren des Magens überstimmt immer das Knurren des Geistes“, hat Superintendent Andreas Kühne-Glaser die Bedeutung ausreichender und möglichst auch guter Ernährung deutlich gemacht.

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Götz Schumacher

Von Dietrich Lange Rinteln. Doch welchen Preis zahlen die Menschen heute für Qualität und Quantität: Im Laden einen zu niedrigen, auf den Feldern den der Monokultur und in den Ställen den der Qualzucht mit allen damit zusammenhängenden Folgen? Beim Reformationsempfang des ev.-luth. Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg mit 150 Gästen im Ratskellersaal wurden Antworten gesucht.

 An jedem Tisch saß dabei mindestens ein Landwirt, und unter ihnen deren Sprecher, Kreislandwirt Cord Lattwesen. Die Sicht der Kirche vertrat Dipl.-Ing. agrar Götz Schumacher, in Teilzeit für die Landeskirche Hannover tätig, ansonsten auf seinem eigenen Hof. Doch hier prallten keine Gegensätze aufeinander. Laut Schumacher ist die Landeskirche schließlich mit 35000 Hektar verpachteter Agrarfläche größter Landbesitzer in ihrem Gebiet. Immerhin: Bei den Nutzungsregelungen sei das Aufbringen von Klärschlamm verboten. Aber Bio fordere die Kirche nicht, bei Stallgrößen mische sie sich nicht ein. Die Pacht soll schließlich regelmäßig erwirtschaftet werden können.

 Schumacher wollte stattdessen den Dialog der Landwirtschaft mit dem Verbraucher fördern. Mit mehr Bildung und Weiterbildung Verständnis für gerechte Preise und ein Gefühl für den Wert von Nahrung entwickeln, war sein Vorschlag. „Immer mehr Menschen verbinden Fleisch nicht mehr mit Tieren, glauben, dass lila Kühe Milka-Schokolade geben. Wenn der Verbraucher etwas mehr regionale Produkte zu fairen Preisen kauft, haben auch kleinere landwirtschaftliche Betriebe eine bessere Chance zu überleben.“

 Eine gehörige Portion Aufklärung über die Arbeit auf einem modernen großen Bauernhof lieferte Lattwesen, der selbst in Hohnhorst 260 Hektar Fläche bewirtschaftet, 120 Milchkühe hält und eine Biogasanlage betreibt. Seine Familie betreibt seit dem 15. Jahrhundert Landwirtschaft, sagte der 37-jährige Vater von drei Kindern.

 Und dann kamen Zahlen zum Landkreis: Von den 33500 Hektar Nutzfläche würden 12900 mit Weizen, 2500 mit Gerste, 5000 mit Raps und 5000 mit Mais bepflanzte. Diese rund 11,5 Prozent für Mais könnten den Vorwurf der Monokultur nicht begründen, außer vielleicht in der Nähe von Biogasanlagen, wo es Verdichtungen gebe. Im Kreis Hameln-Pyrmont sei der Maisanteil sogar noch niedriger.

 Alles also nur ein Problem der individuellen Wahrnehmung? „Der Mais ist höher als der Mensch. Als wir noch 80 Prozent Weizenanbau hatten, gab es keine Vorwürfe wegen Monokultur. Außerdem arbeiten wir mit der dreigliedrigen Fruchtfolge, haben also Mais nur alle drei Jahre auf derselben Fläche. Das sind streng genommen Reinkulturen statt Monokulturen “, erklärte Lattwesen. „Ich sehe bei einer Radtour auch lieber wogende Weizenfelder mit weniger als einem Meter Höhe. Der Mais wirkt durch seine Höhe eben bedrohlich.“

 In Niedersachsen gebe es aber Gegenden mit bis zu 70 Prozent Maisanbau wegen der Biogasanlagen und der Anreize durch die Förderung erneuerbarer Energien, sagte der Kreislandwirt. „Wir tun das, womit wir Geld verdienen können.“

 Dann schlug er den Bogen zu den Weltmärkten. Gebe es in China eine Missernte, stiegen die Preise hierzulande im selben Monat, bei Rekordernten anderswo gehe es umgekehrt. Lattwesen: „Aber wenn wir keine Nahrungsmittel anbauen, müssen es andere tun, ebenso bei der Tierzucht. Ob das besser ist?“ Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland liege bei 80 Prozent. Unromantisch auch seine Viehzucht: Nach vier Jahren mit jährlich 10000 Liter Milch kommt eine Kuh auf seinem Hof zum Schlachter, weil sie dann die hohen Qualitätsansprüche der Kunden nicht mehr erfüllt – die dafür aber möglichst wenig zahlen wollen.

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