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Neue Leerstände in bester Lage

Rinteln Neue Leerstände in bester Lage

Drei neue Leerstände in wenigen Wochen: „Kinder-Paradies“ an der Klosterstraße, „Töffelken“ an der Weserstraße und „Schäfer’s“ am Marktplatz – neue Mieter noch nicht in Sicht.

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Seit Kurzem leer: Das Fachgeschäft für Spielzeug „Kinder-Paradies“ hat aufgegeben.

Quelle: wm

Rinteln. Wie könnte das Geschäftsleben in Rinteln in Zukunft aussehen? Die Antwort soll ein Gutachten der CIMA, des Institutes für Regionalwirtschaft in Hannover, geben. Anfang des Jahres vorgestellt, sollen nach der Sommerpause die Ergebnisse im Verwaltungsausschuss diskutiert werden – nicht öffentlich, weil es hier um Grundstücksfragen geht.

 Schon wieder ein Gutachten? Die CIMA hatte doch erst bei der Planung des Nordstadtkreises das Rintelner Geschäftsleben analysiert? Ja, sagt Joachim Schorling, Vorstandsmitglied der Volksbank in Schaumburg, die wie die Sparkasse das Gutachten mitfinanziert. Was nütze es am grünen Tisch über Ideen und Planungen zu spekulieren, wenn man nicht wisse, welche Flächen überhaupt zur Verfügung stehen. „Die pauschale Aussage, wir haben soundso viel Leerstand, hilft nicht weiter.“ Deshalb habe die CIMA für das Gutachten konkret Eigentümer gefragt, was sie planen und was sie sich vorstellen könnten. Zum Beispiel mit mehreren Eigentümern größere Verkaufsflächen im Erdgeschoss zu organisieren.

 Die Idee, große Verkaufsflächen in der Innenstadt zu schaffen, ist nicht neu. Der erste Versuch, so ein Konzept umzusetzen, war das sogenannte „Klosterkarree“ an der Klosterstraße. Die Volksbank war damals auch mit im Boot, Hauseigentümer Hans-Erich Scheffler, von dem die Initiative ausgegangen war, hatte „lange die Fahne hochgehalten“, wie er das heute formuliert. Doch das ist Geschichte. Investor Werner Muntau hat vor zwei Jahren die Pläne in die Schublade gelegt. Letzten Endes, sagt Scheffler, sei die Idee daran gescheitert, dass einige Haus- und Grundeigentümer Preisvorstellungen hatten, die sich am Markt nicht realisieren ließen.

 Leerstand ist stets nur eine Momentaufnahme

 Leerstand ist stets nur eine Momentaufnahme, denn die Situation auf dem Markt ist ständig im Wandel. Praktisch von heute auf Morgen hat das „Kinder-Paradies“ an der Klosterstraße zugemacht. Dass die „Ihr Platz“-Filiale an der Weserstraße – also beste Lage in der Fußgängerzone – geschlossen wurde, kam ebenfalls überraschend.

 Interessenten wie beispielsweise „DM“ oder „Kodi“, die ursprünglich in die Altstadt wollten, für das „Klosterkarree“ im Gespräch waren, sind inzwischen im Einkaufszentrum am Nordstadtkreisel. Solche Investoren suchen Flächen von mindestens 500 Quadratmetern. Im Erdgeschoss versteht sich.

 Das ist das Problem von Dirk Beckmann. Der kann in seinem ehemaligen Modehaus am Anfang der Fußgängerzone sogar mehr bieten, nämlich 700 Quadratmeter. Nur erstreckt sich die Ladenfläche über mehrere Stockwerke. Da sind ein Fahrstuhl und großzügiges Treppenhaus keine Argumente, das Investoren überzeugen.

 Bei ihm seien durchaus Leute mit pfiffigen Ideen vorstellig geworden. Die wollten beispielsweise ein Kaufhaus mit Mode, Kosmetik und mehr eröffnen, „Shop-in-Shop“ realisieren, schildert Beckmann am Telefon. Doch wenn er nachgehakt habe, habe sich immer gezeigt, die Finanzdecke war zu dünn für so ein Projekt. „Ohne einen potenten Partner ist das nicht zu machen.“ Und es mache keinen Sinn, mit fünf unterschiedlichen Leuten zu verhandeln – mit dem Ergebnis, „dass man am Ende selbst dafür sorgen muss, dass jeder Laden auch pünktlich öffnet“.

 Ein Sonderfall ist die Gastronomie: An der Kahlergasse steht noch immer der ehemalige „Stadtkater“ (später „Stadtgarten“, dann „Olive“) leer – auch diese Immobilie gehört Scheffler. Er hat das gleiche Problem wie Beckmann: Bewerber gebe es durchaus, nur zurzeit keine, bei denen er sicher sein könne, dass sie auch in einem Jahr hinter der Theke stehen. Die Lage ist gut, die Immobilie auch. An der Pacht könne es nicht liegen, sagt Scheffler, er habe bereits für den „Olive“-Wirt deutliche Abstriche gemacht.

 Gastronomie ist ein noch extremeres Geschäft als Mode. Gastronomie heißt: launische Kunden, bei denen man nicht weiß, ob sie Morgen wiederkommen, verderbliche Ware, hohe Auflagen an Hygiene und Brandschutz, ungünstige Arbeitszeiten, Personalprobleme.

 Der „Altstadtkeller“ unter den Räumen der Rechtsanwaltspraxis an der Klosterstraße steht seit gut einem Jahr leer, nachdem ein Gastronom ein Zwischenspiel von fünf Monaten gegeben hatte. Eigentümer und Rechtsanwalt Michael Box sagt, die Einrichtung sei da, Theke und Kühlraum, alles bestens in Schuss. Deshalb habe er Hemmungen, die Räume in Büros umzuwandeln, was ja jederzeit möglich wäre. Noch hofft er auf jemand mit einer guten Idee, vorstellbar wäre für ihn ein Weinkeller oder eine Eventgastronomie. An der Miete, versichert er, soll es nicht scheitern. Vorteil hier: „Das kann man allein bewirtschaften.“

 In der Klosterstraße 24 gibt es für den ehemaligen Imbiss „Aladin“ wohl inzwischen zwei ernsthafte Interessenten, versicherte Heinz Vollbrecht für die Familie. Der Standort sei gut, gegenüber auf dem Rathausplatz könne man parken, die Einrichtung sei auch noch da, man könnte sofort loslegen.

 Und dann gibt es noch einen Trend: Wohnen. Edwin Sebening, Chef der gleichnamigen Immobilien GmbH und Hausverwaltung in der Ostertorstraße, sieht für die Innenstadt vor allem in den Nebenstraßen eine große Chance, auf den Wällen sowieso. Es gebe eine verstärkte Nachfrage von Leuten, „die ihr Einfamilienhaus verkauft haben und zurück in die Stadt wollen“. Doch die wollen in keine Butze ziehen. Gesucht werden Wohnungen mit 100 Quadratmetern Wohnfläche. Ohne Investitionen geht es nicht. Muss man ein denkmalgeschütztes Haus umbauen, wird das teuer. Und ob sich das mit einer Miete zwischen sechs und sieben Euro pro Quadratmeter refinanzieren lässt, ist nicht immer sicher. Auch der Erste Stadtrat Jörg Schröder kennt diese Entwicklung und sieht das Problem: Wie Altstadthäuser an moderne Wohnformen anpassen – mit großen Fenstern, großzügigem Raumzuschnitt, Fußbodenheizung, auf dem neuesten energetischen Stand? „Wer durch die Gassen geht, findet die Häuser schön. Fragt man, möchten sie hier einziehen, schaut man in zweifelnde Gesichter.“

 Denkmalschutz als Problem

 Geschäftsleute sagen, auch dort – wie in vielen anderen Fällen in der Stadt – erweist sich der Denkmalschutz als Problem, als Hemmschuh und Bremser. Denkmalschützer machen Investoren mit oft unsinnigen Forderungen die Arbeit schwer, weil sie die Wirtschaftlichkeit nicht interessiert, wie man an jüngsten Beispielen nachvollziehen kann. Denkmalschützer erreichen damit langfristig, was sie eigentlich nicht wollen: ein Disneyland. Historische Fassaden, dahinter öde Leere.

 Fragt man Geschäftsleute unter der Zusicherung, dass sie nicht persönlich genannt werden, fällt als ideale Fläche für eine Investition sofort der Name „Kollegienplatz“. Doch da geht es nicht voran, weil die Zukunft der neuen IGS noch ungeklärt ist. Und noch eine Lösung gebe es, um mehr Kunden aus der Region nach Rinteln zu holen, sagt ein Geschäftsmann halb im Scherz, halb im Ernst: Bad Münstereifel habe es in seiner Altstadt vorgemacht. Die ganze Weserstraße ein einziges Outlet-Center. Bad Münstereifel ist auch nicht gerade der Nabel der Welt. wm

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