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Neue Räume, neue Mitarbeiterinnen

Rinteln Neue Räume, neue Mitarbeiterinnen

„Wir geben also über eine halbe Million Steuergelder aus, nur um ein paar psychisch auffällige Kinder zu beruhigen“, hat gestern Morgen ein Leser am Telefon sein Erstaunen geäußert, der hatte wissen wollen, was im Rat am Donnerstagabend beschlossen worden sei.

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Für die Grundschule Deckbergen sollen „bauliche Lösungen“ erarbeitet werden.

Quelle: lb

RINTELN. Unabhängig davon, ob dieser Leser mit seiner Kritik recht hat oder nicht, der Rat hatte im Grunde gar keine andere Wahl. Denn wie WGS-Ratsherr Heinrich Sasse und Bürgermeister Thomas Priemer betonten, müsse die Stadt ein Problem lösen, das alle Grundschulen haben: auf einen „Hilferuf“ (Christoph Ochs, Grüne) der Lehrkräfte der Grundschule Deckbergen reagieren. Und das hat der Rat jetzt auch getan. Einstimmig wurde am Donnerstag beschlossen, zunächst an der Grundschule Deckbergen, danach auch an den anderen Grundschulen, „bauliche Lösungen zur Umsetzung der Inklusion entsprechend den pädagogischen Konzepten“ zu erarbeiten. Dabei können die Schulleitungen Prioritäten festlegen. Zuletzt hatte dazu Ende August ein Gespräch mit den Schulleitungen stattgefunden.

Zuständig für die Einstellung von Sozialarbeitern und Schulbegleitern sind die Landesschulbehörde in Hannover und der Landkreis Schaumburg. Trotzdem hat Bürgermeister Priemer mit Rückendeckung der Politik getan, was eigentlich gar nicht sein Job ist: Er hat sich in Hannover und Stadthagen persönlich dafür eingesetzt, dass neue pädagogische Mitarbeiterinnen eingestellt werden.

Neue Räume für Deckbergen

Konkret heißt das nach einem Gespräch bei der niedersächsischen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt: Für die Grundschule in Deckbergen und die Grundschule Süd gibt es „zeitnah“ jeweils eine zusätzliche Stelle für pädagogische Mitarbeiterinnen. Außerdem wird die Stadt fünf zusätzliche Räume in Deckbergen einrichten: zwei Förder- und drei Betreuungsräume.

In der Diskussion im Rat kamen vor dem Hintergrund des Landtagswahlkampfes Zweifel auf, ob es sinnvoll gewesen sei, das „funktionierende Modell der Förderschulen“ zu zerschlagen. Es sei doch eine „bizarre Situation“, sagte Joachim von Meien (CDU). Es werde der Eindruck erweckt, die Landesregierung helfe bei der Beseitigung von Problemen – Problemen, die sie zuvor selbst geschaffen habe.

Das allerdings wollte die SPD-Fraktionsvorsitzende Astrid Teigeler-Tegtmeier so nicht unwidersprochen stehen lassen: Auch die CDU sei an der Inklusion beteiligt gewesen.

Nachteile nicht verschweigen

Wie inzwischen bekannt geworden ist, schlägt die Landes-CDU vor, erst einmal eine Pause bei der Inklusion einzulegen und weitere Inklusionsbestrebungen auszusetzen.

Auch Heinrich Sasse merkte an, man dürfe die Nachteile des derzeitigen Inklusions-Modells nicht verschweigen. Die praktische Erfahrung zeige deutlich, dass es bei der Inklusion durch die „emotionalen Auffälligkeiten“ von Kindern zu „Lernverlusten“ komme und normal lernende Kinder „einen Gang zurückschalten müssten“. Anders gesagt: Das getaktete 45-Minuten-Unterrichtsmodell taugt nicht, wenn Kinder mit autistischen Zügen in der Klasse sind.

Wobei Bürgermeister Priemer in der Diskussion noch klarstellte, die Investitionssumme von über einer halben Million Euro sei keineswegs ausschließlich für die Inklusion da. Die neuen Räume würden in Deckbergen unter anderem auch für den Fünf-Tage-Ganztagsbetrieb gebraucht.  wm

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