Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Neuer Schwung im alten Heim

Steinbergen / Marienhof wird aufgerüstet Neuer Schwung im alten Heim

„Jetzt geht es erst richtig los“, zeigt sich Marlen Rückert kämpferisch. Seit April führt sie das Alten- und Pflegeheim Marienhof und lässt dort kaum einen Stein auf dem anderen.

Voriger Artikel
Vergleichen leicht gemacht
Nächster Artikel
Gebürtige Rintelner

m Aufenthaltsraum bastelt eine Gruppe Senioren an Dekorationen für ihre neue Kaffee-Ecke.

Quelle: jak

Von Jakob Gokl

Steinbergen. „Es wurde in den letzten Jahren leider total heruntergewirtschaftet“, erklärt Rückert. „Als wir im April hier ankamen, herrschte Stille. Niemand lachte, die Bewohner trauten sich kaum, uns anzusprechen.“ Auch die Mitarbeiter seien total demotiviert gewesen. „Seit wir hier sind, sind die Krankenstände massiv zurückgegangen“, ist Rückert stolz.

 Zusammen mit Tanja Bonsa, der Pflegedienstleiterin, wechselte sie im April von der Kurpark Residenz in Bad Eilsen nach Steinbergen. Anfangs verlief nicht alles reibungslos. „Im Juli war unsere Motivation am Boden“, verdeutlicht Rückert. Die damalige Pächterin des Marienhofs wollte zusätzlich zu dem Betreuungsangebot für Senioren auch eine psychiatrische Betreuung anbieten. „Das passt einfach nicht zusammen“, findet Rückert.

 Seit Anfang Oktober der Pachtvertrag ausgelaufen sei und nun wieder der Hausbesitzer Heinz-Joachim Möller die Zügel in der Hand halte, sei die Zukunft des Marienhofs klar: Es bleibt ein reines Alten- und Seniorenheim. Daher könne nun auch in größere Projekte investiert werden.

 Unter anderem sollen in nächster Zeit alle Zimmer mit Nasszellen ausgestattet und die Fenster und Flure erneuert werden. Der Haupteingang wurde bereits vom hinteren Teil des Hauses auf die Vorderseite verlegt. „Früher wusste man nie, wer ins Haus kam“, erklärt Bonsa, „und Gäste gingen immer als Erstes durch den Aufenthaltsraum der Senioren.“ Etwa 20000 Euro könnte der Umbau kosten, bei dem auch einige Doppelzimmer zu Einzelzimmern umgerüstet werden, schätzt Rückert vorsichtig.

 Für die Senioren wurde bereits eine neue „altmodische“ Kaffee-Ecke eingerichtet, in der zum Beispiel Geburtstage gefeiert werden können. „Modern kann jeder“, findet Rückert, „aber unsere Bewohner sind in einer anderen Zeit aufgewachsen, sie sind es altmodisch gewohnt.“ Daher möchte sie ihnen auch im Heim Bekanntes bieten. Darunter auch „Sammeltassen“, einzigartig bemalte Kaffeetassen, die früher gerne zu Geburtstagen und Jubiläen verschenkt wurden. „Da schmeckt der Kaffee am besten draus“, stimmt auch Heimbewohnerin Grete Vohs (90) sofort zu. Gerade ist Vohs zusammen mit etwa zehn anderen Senioren dabei, Dekorationen für die neue Kaffee-Ecke zu basteln.

 Die liebste Beschäftigung der Senioren sei jedoch eindeutig das Singen. Sehr gerne werde auch gekegelt oder getanzt. Und beim Kochen und Backen seien einige Bewohner auch immer gerne dabei. Zum Beispiel werde immer wieder frisches Brot oder Kuchen gebacken.

 „Früher saßen sie hier wie eingeigelt“, meint Rückert. Jetzt soll für mehr Kontakt zu Menschen außerhalb des Heims gesorgt werden. „Unsere Bewohner sollen sagen können: ,Ich wohne in Steinbergen und nicht nur im Marienhof.‘“ Daher sei man bemüht, nicht nur alle Dienstleister ins Heim zu holen, sondern den Bewohnern auch zu ermöglichen, für Einkäufe oder Arzttermine in die Stadt fahren zu können – selbstverständlich mit Begleitung.

 Doch auch im Altenheim ändern sich die Zeiten. „Auf die Frage ,Wollen Sie Telefon am Zimmer?‘ gibt es jetzt manchmal die Antwort: ,Nein, ich hab ja Handy.‘“ Zudem komme inzwischen die Frage nach dem Internetanschluss immer häufiger auf. „Wir überlegen schon, ein kleines Internetcafé einzurichten.“ Früher sei ein Waschbecken pro Zimmer üblich gewesen, heute solle es am besten ein eigenes Bad sein.

 Momentan leben 24 Senioren im Marienhof, möglich wären 52. Nach dem Umbau sollen 42 Menschen in dem Altenheim leben können. In der momentanen Phase habe es zwar noch seine Vorteile, dass das Heim nicht voll besetzt sei. Dadurch könnten Bewohner, in deren Zimmern gerade gearbeitet werde, einfach in ein anderes verlegt werden. Doch nach den Bauarbeiten, die Ende Dezember auf alle Fälle beendet sein sollen, strebt Rückert natürlich möglichst schnell eine volle Belegung an.

 Wenn mehr Bewohner kommen, will sie auch ihr Team vergrößern. Derzeit arbeiten 24 Personen, der größte Teil allerdings in Teilzeit, im Marienhof. Zehn bis zwölf sollen noch dazu kommen, nach Möglichkeit aus der Region. Sie freut sich auch, dass sich jetzt wieder mehr Personen aus Steinbergen bewerben würden. „Das zeigt, dass sich unser geändertes Arbeitsklima rumspricht“, glaubt die Heimleiterin.

 Hilfreich sei auch, dass sie selbst 20 Jahre Erfahrung als Pflegerin habe. Dadurch verstehe sie, was ihre Mitarbeiter machen. Diese würden nun auch konsequent weitergebildet. „Wir waren ja einen anderen Standard gewohnt“, erklärt Rückert und bekommt dabei Unterstützung von der Pflegeassistentin Annika Rauhut: „Wir haben echt viel von der neuen Leitung gelernt“, findet Rauhut. Auch das neue Klima schätzt sie. „Die alte Leitung hat immer zugesichert, sich zu kümmern, aber passiert ist nichts.“

 Unter den Bewohnern lässt sich dagegen kein schlechtes Wort über die ehemalige Führung hören. Da sei auch „alles schön“ gewesen. Eine aufgebrachte Bewohnerin hat allerdings eine aktuelle Bitte: „Berichten Sie mal, was für schreckliche Vorlagen wir (Anm. d. Red: bei Inkontinenz) tragen müssen. Die sind nicht zu ertragen.“ Doch ihre Kritik wurde bereits gehört. Rückert erklärt, dass neue Probemodelle bereits getestet würden und man bald umsteigen möchte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr