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Mobilität funktioniert nicht richtig Nicht angebunden?

Es sind knapp fünf Kilometer von der Innenstadt bis nach Strücken. Ebenso bis nach Wennenkamp.

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Bis nach Friedrichswald sind es über neun Kilometer, bis nach Goldbeck gar knapp 14. In vielen Ortsteilen stellt sich seit eh und je die Frage: Was machen diejenigen, die kein eigenes Auto haben? Oder sich keines leisten können? Oder die nicht mehr fahren können?

 In jüngster Vergangenheit wurde daher immer wieder versucht, die Mobilität in den Ortsteilen zu verbessern. Die Bilanz dieser Versuche stimmt jedoch alles andere als hoffnungsvoll, dass sich die Ausgangslage mal grundsätzlich ändern wird. Bürgerbus

 Das große Thema im Jahr 2014: der , ein Modellprojekt des Landkreises Schaumburg. Dazu wird ein Verein gegründet, Ehrenamtliche machen den nötigen Personenbeförderungsschein und fahren Busse zu bestimmten Zeiten und Routen, um die Buslinien zu ergänzen. Dies passiert in Kooperation mit der Schaumburger Verkehrsgesellschaft (SVG).

 Im Nordkreis funktioniert das: Dort gibt es beispielsweise den Bürgerbus Bad Nenndorf, Lindhorst oder den in Niedernwöhren. So werden Ortsteile mit der Innenstadt verbunden oder Wohn- und Gewerbegebiete erschlossen. Doch auch hier werden immer wieder Fahrer gesucht, vor allem „junge und jung gebliebene Ruheständler sowie Hausfrauen“ (wir berichteten).

 Der Vorschlag der damaligen Demografiebeauftragten in Rinteln, doch auch in der Weserstadt einen Bürgerbus einzurichten, scheiterte: Es kamen nicht genügend Interessierte zusammen.

 Auch in der jüngsten Sitzung des Hohenroder Ortsrates war der Bürgerbus wieder Thema: Die Anbindung des Dorfes an den ÖPNV sei immer noch unbefriedigend.

 Doch der Bürgerbus, so Ortsbürgermeister Achim Heger, werde wohl ein Wunsch bleiben. Denn es würden sich nicht genügend Interessierte finden, um einen Verein zu gründen und Fahrer bereitzustellen. Mobilitätszentrale

 Eine zweite Idee, um die Mobilität im Landkreis zu fördern, die aber noch nicht umgesetzt wurde: eine für ganz Schaumburg. Über eine zentrale Telefonnummer und eine App sollen Bürger so nicht nur Informationen und Fahrpläne erhalten, sondern auch Fahrten buchen können – und zwar nicht nur Busfahrten, sondern auch Angebote von Taxiunternehmen wie das Seniorentaxi. Mobilität sollte dadurch einfacher und übersichtlicher gestaltet werden, gerade für Senioren.

 Die Mobilitätszentrale wurde gar als Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs bezeichnet; auch Mittel der EU sollten dafür bereitgestellt werden. Geredet wurde in den vergangenen zwei Jahren oft davon – doch Realität ist sie immer noch nicht. Mitfahrerbänke

 Die nächste Idee wanderte im vergangenen Jahr durch die Ortsräte: . Es werden Bänke ausgewiesen, auf die sich Menschen setzen und darauf warten können, dass sie von netten Bürgern mitgenommen werden. Das Fahrtziel wird pro Bank vorher festgelegt. Vor allem in Möllenbeck und Deckbergen-Schaumburg-Westendorf wird derzeit überlegt, ob dies nicht die passende Möglichkeit sei, die Mobilität für die Einwohner zu erhöhen.

 Noch hängt diese Idee irgendwo zwischen Ortsratswunsch und Verwaltungsrealität fest. Anrufsammeltaxi

 Also, Idee Nummer vier: das . Seit August fährt das „AST“ unter der Woche zwischen 6 und 18 Uhr auf den Linien 2022 und 2024 und will damit die Ortsteile Strücken, Hohenrode, Friedrichswald, Wennenkamp und Uchtdorf im Zwei-Stunden-Takt an die Innenstadt anbinden.

 Das AST muss man mindestens 60 Minuten vor geplanter Abfahrt bestellen, und zwar bei der Mobilitätszentrale in Detmold unter (05261) 6673950. Dann kommt es zu einer bestimmten Bushaltestelle und bringt die Person zum gewünschten Ziel (für einen „Komfortzuschlag“ von 2 Euro). Je nach Zone fallen Kosten zwischen 2,60 und 4 Euro pro Fahrt an.

 Kann man sich dafür aber nicht fast schon ein normales Taxi bestellen?

 Das eigentliche Problem des AST aber hat Taubenberg-Ortsbürgermeister Bodo Budde jüngst zusammengefasst: „Niemand weiß, dass es das Anrufsammeltaxi gibt.“

 Die Fahrpläne sowie weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Stadt Rinteln unter www.rinteln.de/anruf-sammel-taxi, auf der Homepage der SVG oder beim Verwaltungsstellenleiter. Doch auch das weiß kaum jemand, war beispielsweise auf der jüngsten Taubenberg-Ortsratssitzung zu hören.

 Das wundert Rintelns Demografiebeauftragte, Linda Mundhenke: Zum Start des AST wurden in den Ortsteilen schließlich Info-Zettel und die Fahrpläne verteilt.

 „Hier haben die Ortsbürgermeister und deren Helfer toll geholfen“, sagt Mundhenke.

 Auch die Zeitung wurde eingespannt: Erst im November gab es einen zweiten Informationstext. Darin war zu lesen, dass das AST noch nicht so ausgelastet sei, wie es sein könnte.

 Eine Untertreibung, wenn man sich die Zahlen ansieht.

 Die hat Burkhard Barsch von der Schaumburger Verkehrsgesellschaft, die das AST in Rinteln zusammen mit der Mobilitätszentrale Detmold betreibt: „Das Angebot wird noch eher spärlich angenommen.“

 Keine zehn Fahrgäste pro Monat habe es bislang gegeben. Natürlich dauere es, bis ein solches Angebot bekannt sei und angenommen werde. „Das funktioniert viel über Mund-zu-Mund-Propaganda“, so Barsch. Doch eigentlich müsse das System in Rinteln bekannt sein – das Anrufsammeltaxi wird schließlich schon länger von den Verkehrsbetrieben Extertal angeboten.

 Warum das AST kaum nachgefragt werde, kann sich Mundhenke nicht erklären. Das gehe ihr als Demografiebeauftragte bei neuen Angeboten aber öfter so: Neue Angebote werden teilweise nur schleppend angenommen. Oder sind gar nicht bekannt.

 Für die Grünen in Hessisch Oldendorf beispielsweise war Mobilität zuletzt Wahlkampfthema. Auch hier gibt es das AST – und ist bislang kaum bekannt.

 Mundhenkes Hoffnung ist natürlich, dass Rinteln Angebote schafft, die den Bürgern nützen. Im Fall des AST werden wohl die künftigen Nutzerzahlen zeigen müssen, ob das Angebot das richtige für die Bürger ist. Ansonsten kommt ja vielleicht noch eine weitere Idee daher. mld

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