Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Nicht wettbewerbsfähig

WEZ-Erweiterung: Entscheidung noch in diesem Jahr Nicht wettbewerbsfähig

Es ist fast wie in der Geschichte vom kleinen gallischen Dorf und von Asterix und Obelix, die sich den scheinbar unüberwindbaren Römern widersetzen. Jeder kennt den Comic. Eine ähnliche Geschichte gibt es in Rinteln.

Voriger Artikel
Flasche an den Kopf
Nächster Artikel
Straftäter schnell gefasst

Der WEZ-Markt ist nicht nur Nahversorger, sondern auch Treffpunkt für die Menschen aus der Gegend. Eine Zeit lang wurde versucht, den Markt nach hinten hin zu erweitern.

Quelle: tol

RINTELN. . Seit einem guten Jahrzehnt bestürmen Investoren an der Kasseler Straße die Familie W., sie möge ihnen ein Grundstück verkaufen, gewissermaßen ihren Hausgarten. Bisher bissen sie auf Granit.
Obwohl der Preis durchaus gestimmt habe, erzählen Petra und Walter W. Zuletzt war es Karl Stefan Preuß, Diplom-Volkswirt und Geschäftsführender Gesellschafter der Karl Preuß GmbH & Co, zu der auch die WEZ-Kette gehört, der bei den W.s angeklopft hat. 34 Tiere, Kühe, Kälber und Rinder hatten die W.s, als ihr Anwesen noch ein landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb war. Heute stehen weniger Tiere im Stall. Doch noch immer holt die Molkerei die Milch, und die Familie ist stolz darauf.
Sie machen noch selbst Heu, bewirtschaften das Land drum herum, das ihnen gehört. Dafür hat übrigens unter anderem die Stadt Rinteln gesorgt, die bei der Familie immer vorgesprochen hat, wenn es um Landtausch ging für den Bau der Umgehungsstraße oder als Ausgleichsfläche.
An das Wohnhaus, um 1900 errichtet, schließt sich ein Bauerngarten, in dem Petra W. Gemüse anbaut. „Hätten wir verkauft, wäre der Garten weg. Möchten Sie ein paar Meter vor ihrem Haus auf eine meterhohe Betonwand schauen, wo jeden Morgen Lastzüge, die Zulieferer, direkt vor ihrer Haustür vorbeifahren?“, fragt sie. Und dann gibt es noch den Grundsatz: „Was man am Hause hat, das behält man auch.“ Die W.s haben in Sachen Verträge außerdem Beratung in der Familie: Eine Tochter ist Wirtschaftsjuristin mit Schwerpunkt Vertragsrecht.
Zweimal sind die WEZ-Planer bei ihnen vorstellig geworden, einmal mit einer kleinen Lösung, einer Erweiterung um 1800 Quadratmeter, und dann mit einer großen Lösung, da ging es um 3000 Quadratmeter. Beide Male haben die W.s Nein gesagt. Dabei ist es keineswegs so, dass sie etwas gegen ihren Nachbarn hätten. Im Gegenteil: „Auch wir kaufen bei WEZ ein, da kriegt man ja alles. Und die Autos der Kunden parken manchmal bis vor unserem Haus. Wir haben uns noch nie darüber beschwert.“
WEZ ist als Mindener Familienunternehmen der größte selbstständige Einzelhändler in der Edeka-Gruppe. Und WEZ an der Detmolder Straße brummt. Man sieht es auch daran, dass oft der Parkplatz voll ist, die Kunden auf die Kasseler Straße ausweichen.
WEZ ist eben nicht nur Nahversorger für das Wohngebiet im Süden um die Friedrich-Wilhelm-Ande-Straße. Es sind auch viele Kunden, die auf dem Nachhauseweg kurz mal anhalten, weil sie keine Lust haben, in den großen Märkten ihre Einkaufswagen „gefühlt“ kilometerweit durch die Gänge zu schieben, obwohl sie nur Taschentücher, Bananen, Joghurt, Milch und eine Tiefkühlpizza brauchen. Und weil WEZ so übersichtlich ist, trifft man hier auch viele Senioren. Man kennt sich, grüßt sich, plaudert.
Das alles sind wohl auch Gründe, warum WEZ an der Detmolder Straße bleiben will. Obwohl es mit der großen“Erweiterung nicht klappt. Obwohl es der kleinste Markt in der Region ist, wie WEZ-Chef Preuß sagt. Obwohl „mittelfristig“ der Markt zumindest in dieser Konzeption nicht wettbewerbsfähig sei. Deshalb will Preuß investieren.
Er schrieb dazu in einer E-Mail auf Anfrage an die Redaktion: „Als Eigentümer der Immobilie werden wir in jedem Fall sicherstellen, dass für die Bürger im Süden von Rinteln auch weiterhin an der Detmolderstraße 35 ein attraktives Nahversorgungsangebot im Rahmen der räumlichen Möglichkeiten erhalten wird. Wir prüfen daher zurzeit eine Erweiterung, haben aber noch keinen Bauantrag gestellt.“ Eine Entscheidung über die Entwicklung des Markes werde man aber im Laufe dieses Jahres treffen.
Für konkrete Nachfragen war Preuß nicht zu erreichen. Er ließ über seine Sekretärin nur ausrichten, mit der E-Mail habe er alles gesagt, was zu diesem Thema zu sagen sei. Auch kein Wort davon, ob die Kette Interesse hat, an den Kollegienplatz zu ziehen, wenn die IGS an die Burgfeldsweide umgezogen ist. Das lässt Raum für Spekulationen. Etwa, ob WEZ das bisher nur gepachtete Gelände an der Detmolder Straße erweitert, das ebenfalls einem Nachbarn gehört.
Ob die Vorstellungen, die ein Investor über einen „Nahversorger“ auf dem Kollegienplatz hat, mit denen des Rates kompatibel sind, ist allerdings zu bezweifeln. Das räumt auch Rintelns Bürgermeister Thomas Priemer ein. Supermarktketten gehen heute nämlich von Verkaufsflächen ab 1800 bis 2400 Quadratmetern aus.
Zu groß für den Kollegienplatz? Auch Priemer sagt, es sei sicher nicht einfach, hier den richtigen Partner zu finden, sollte sich der Rat für dieses Konzept entscheiden. wm

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr