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Opfer in Wirklichkeit der zweite Täter?

Überfall auf Rintelner Getränkemarkt Opfer in Wirklichkeit der zweite Täter?

Der Überfall auf einen Rintelner Getränkemarkt, bei dem ein Mann mit Motorradhelm vor zwei Jahren mehr als 20.000 Euro erbeutet hatte, könnte fingiert gewesen sein. Davon geht jedenfalls Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig aus. Zwei Cousins sollen die Tat gemeinsam geplant und begangen haben.

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Quelle: dpa

Rinteln/Bückeburg. Einer der mutmaßlichen Täter, ein 32-Jähriger aus Rinteln, war damals in dem Markt beschäftigt. Er soll das Opfer gespielt und seinem bewaffneten Cousin die Beute aus dem Tresor übergeben haben.

 Ein Angestellter (19), der nichts davon wusste, wurde ebenfalls mit einem Gasrevolver bedroht und gefesselt. Seelisch hat er den Überfall auch nach zwei Jahren nicht verarbeitet. „Ich habe bis heute Angst, wenn versehentlich ein Kunde mit Helm reinkommt oder wenn mich jemand von hinten anfasst“, berichtet der 19-Jährige. Über den Täter sagt der Azubi: „Er war hibbelig und hatte Schaum am Mund.“ Identifizieren kann der Lehrling den Räuber nicht.

 Vor dem Landgericht in Bückeburg hat am Dienstag der Prozess gegen die beiden Cousins begonnen. Einer hat bereits bestritten, überhaupt an dem Raub beteiligt gewesen zu sein. „Mit der Straftat im Getränkemarkt hat er nichts zu tun“, zitierte der Anwalt des 37-Jährigen seinen Mandanten, der im ostwestfälischen Paderborn lebt. Auf die Spur des Arbeitslosen waren die Ermittler gekommen, weil sich an einer Cola-Flasche im Markt, dessen DNA-Spuren befunden hatten. Bevor er zur Waffe griff, soll der maskierte Täter Leergut abgegeben haben, darunter besagte Flasche.

Urteil soll im September verkündet werden

Der andere Mann schweigt bisher noch zu den Vorwürfen, will aber am zweiten Verhandlungstag eine Erklärung abgeben. Im Fall von Schuldsprüchen drohen den Angeklagten mehrjährige Haftstrafen ohne Bewährung. Zunächst aber gilt die Unschuldsvermutung. Dem Vernehmen nach sind beide Männer vorbestraft. „Das ist nichts, worauf ich stolz bin“, sagt der Rintelner. Von Drogen- und Alkoholproblemen ist ebenfalls die Rede.

 Kurz vor Geschäftsschluss hatte ein Mann mit Motorradhelm den Getränkemarkt an jenem 22. August 2015, einem Sonnabend, betreten. Den Helm ließ der Kunde auf, weil er angeblich krank war. Motorradkleidung trug er nicht. Nachdem der Unbekannte sein Leergut abgegeben hatte, hielt er dem jüngeren Angestellten eine Waffe vor den Bauch. „Er sagte, dass ich ruhig bleiben solle, und fragte, wo der Tresor sei“, erinnert sich das Opfer, das danach im Lager mit Kabelbindern an Händen und Füßen gefesselt wurde.

 Anschließend richtete der Helmträger den Revolver auf jenen 32-Jährigen, der jetzt angeklagt ist. Der Rintelner händigte daraufhin den Inhalt des Tresors aus, bevor er zurück ins Lager geführt und auf die gleiche Weise gefesselt wurde. Dort lagen die Angestellten Rücken an Rücken, bis es einem von ihnen gelang, die Kabelbinder zu lösen.

 Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der 1. Großen Strafkammer, hat fünf Sitzungstage anberaumt und acht Zeugen geladen. Das Urteil soll Ende September verkündet werden.  ly

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