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Orchester tritt bescheiden in den Hintergrund

Geigen-Solistin Louise Wehr im Brückentorsaal Orchester tritt bescheiden in den Hintergrund

Ein beliebtes Stück zur Eröffnung, ein gemeinsames Thema für den Anfang und in der Mitte sowie am Ende der Auftritt einer ebenso begabten wie jungen und schönen Solistin – auch dieses Jahr ist es Wolfgang Westphal im Brückentorsaal wieder gelungen, ein rundum begeisterndes Programm für die Rintelner Klassik-Fans zusammenzustellen.

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Wolfgang Westphal gratuliert Louise Wehr zu ihrem gelungenen Auftritt.

Quelle: tol

RINTELN. Und dass die Konzerteinführungen von Westphal auch ihren ganz eigenen Reiz habe, hat sich lange schon herumgesprochen, und kaum jemand ließ sich diesen Teil des Nachmittags entgehen. Der Dirigent glänzt nicht nur mit umfassendem Wissen zu Stücken und Komponisten, er kann auch seine persönliche Leidenschaft für die Welt der Musik ganz hervorragend und ansteckend vermitteln.

So wurden die Zuhörer mit anschaulichen Bildern für die sinfonische Dichtung „Die Moldau“ von Bedrich Smetana, versorgt. Man wusste in Folge, dass die gezupften Töne zu Beginn die kleinen Tropfen, die an der Quelle auf Steine spritzen, darstellen sollen. Man sah, während die Musik erklang, vor dem inneren Auge die Bauernhochzeit und die Jagdgesellschaft am Ufer, die nächtliche Mondscheinstimmung auf dem Fluss, Stromschnellen und gleißendes Licht auf der unruhigen Wasseroberfläche.

Für das Konzert von Felix Mendelssohn Bartholdy für Violine und Orchester e-Moll op. 64 jedoch, in dem die junge Solistin Louise Wehr (19 Jahre) die Geige spielte, fehlten selbst Westphal die Worte. „Die kann man gar nicht erklären, so schön ist diese Musik.“ Da sei jeder Ton perfekt, nichts dabei, was man irgendwie hätte besser machen können.

Das muss wohl auch die Zuhörerschaft so empfunden haben. Geradezu atemlos und gebannt nahmen die Rintelner das Spiel der jungen Violinistin auf. Wehmütig, schmelzend, zart und fein, kratzend, lebhaft, schnell und virtuos: Louise Wehr beherrscht das ganze Spektrum ihres Instrumentes, und die Zuhörer ließen sich abwechselnd von der Schönheit der Musik und der Ausdruckskraft der Solistin bezaubern. Selbst das Orchester trat bei diesem Stück bescheiden in den Hintergrund.

Göttinger Symphoniker überzeugen

Es schien sich mit seinem Einsatz geradezu an das Spiel der Geige anzuschmiegen. In seiner Einführung hatte Westphal scherzhaft einen Teil des dritten Satzes, ein Frage-Antwort-Spiel, in Text übersetzt. „Warum muss ich eigentlich so viel Geige üben jeden Tag?“, ließ er die Frage lauten, und die Antwort hieß dann: „Damit du so wundervoll spielen kannst.“

Wohl wahr, möchte man meinen, nachdem man die junge Musikerin erlebt hat. Da hat der Dirigent den Nagel, was das Leben von hochklassigen Musikern angeht, wohl auf den Kopf getroffen.

Und wer jetzt glaubte, nach diesem Auftritt könne nichts Bemerkenswertes mehr folgen, der wurde bei der dritten Symphonie des Nachmittags, der Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 von Robert Schumann, eines Besseren belehrt. Denn jetzt schlug ganz klar noch einmal die Stunde der Göttinger Symphoniker. Im vierten Satz der „Rheinischen“ klang das gesamte Orchester eher wie eine einzige große Orgel, und vor dem inneren Auge entstand, natürlich durch Westphals Eingangsvortrag begünstigt, das Bild einer langsamen Prozession. Mit Schumanns abwechslungsreichem Konzert und seinem vollen Klang, der durch die Betonung der Bläser entstand, ließ das Göttinger Symphonie Orchester die Zuhörer noch einmal kräftig in die Welt der Töne eintauchen.

Der donnernde Schlussapplaus konnte dann wohl getrost gleichzeitig als Begeisterung für die Leistungen der Musiker und als Ausdruck von Dankbarkeit gelesen werden. cm

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