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Ordentlich aufgedreht

Rintelner Anwalt klagt sich durch Ordentlich aufgedreht

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Es gibt Porschefahrer, die sich so einen Sportwagen im Gegenwert einer Eigentumswohnung zwar leisten können, aber offenbar nicht korrekt damit fahren.

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 Ein Drehzahlmesser nützt nichts, wenn man beim Herunterschalten statt im fünften im dritten Gang landet.

Quelle: dpa

Rinteln. Anders ist kaum zu erklären, warum „Überdreher“ unter Porschefahrern ein Dauerthema sind, wie man bei Recherchen im Internet schnell feststellen kann. So einen Fall hatte jetzt der Rintelner Rechtsanwalt Thomas Grell auf dem Schreibtisch und klagte für seinen Mandanten durch zwei Instanzen.

Ein Rintelner hatte von einem VW- und Audi-Händler in Emmerich für 56000 Euro einen Porsche 911 Carrera S3,8 Cabriolet gekauft. Dem Rintelner war das Porsche-Problem „Überdreher“ durchaus ein Begriff, schließlich kauft man so einen Sportwagen nicht nur, um damit Brötchen zu holen, sondern gibt schon mal richtig Gas. Deshalb einigte man sich darauf, das Cabrio im Porsche-Zentrum in Moers überprüfen zu lassen. Ergebnis: kein Überdreher.

Umso größer war die Überraschung, als der Rintelner nach dem Kauf mit seiner Neuerwerbung beim Porsche-Zentrum Hannover vorfuhr. Auch dort las man den Fehlerspeicher aus. Ergebnis: Der Motor ist sehr wohl überdreht worden.

Damit kam Rechtsanwalt Grell ins Spiel. Denn der Rintelner wollte den Kauf rückabwickeln, auf Deutsch: Den Porsche zurückgeben und sein Geld wieder haben. Denn Überdreher können langfristig zu Motorschäden führen. Zudem lässt sich ein Überdreher nicht im klassischen Sinn nachbessern, das heißt reparieren. Und wer hat schon Lust, in einem 56000-Euro-Auto mit Motorschaden auf der Autobahn liegen zu bleiben. Es wurde ein vom Landgericht Bückeburg beauftragter Sachverständiger hinzugezogen. Dieser stellte fest, der Motor des Porsches ist sogar viermal überdreht worden.

Fragt sich der Porsche-Laie: Hat so ein Sportgerät keinen Drehzahlbegrenzer? Selbstverständlich. Das Problem liegt woanders, wie der Gutachter schildert: Wenn ein Porschefahrer beim Zurückschalten vom sechsten Gang nicht im fünften, sondern im dritten Gang landet, ist auch ein Drehzahlbegrenzer machtlos, denn dieser reagiert nur aufs Gaspedal.

Das ist ein Problem, das logischerweise für alle handgeschalteten Autos gilt. Doch anscheinend sind es vor allem Porschefahrer, die sich beim Runterschalten in der Hektik sportlichen Fahrens in der Schaltkulisse vertun.

Man unterscheidet dabei Überdreher in Bereichen von eins bis sechs. Eins bedeutet statt der maximal 7300 erlaubten Drehzahl bis zu 7500 pro Minute. Das gilt noch als eher harmlos. Bereich sechs bedeutet bis zu 11000 pro Minute. Und dabei drohen Motorschäden.

Das Landgericht in Bückeburg wies trotzdem die Klage des Rintelners ab, denn nach Auffassung des Gerichtes sei das Problem eines Überdrehers zwar angesprochen worden, aber nicht definitiv Bestandteil des Kaufvertrages und damit der Gewährleistung gewesen. Daraus sollte man lernen, sagt Grell: „Bei einem Kaufvertrag jeden Punkt schriftlich festzuhalten.“

Das Oberlandesgericht in Celle kam zu einem anderen Urteil: Eine Rückabwicklung sei zwar nicht möglich, aber der Mangel, die Überdreher, ein wertmindernder Faktor. Dem Porschekäufer stände ein Schadensersatz von 2000 Euro zu.

Bei Porsche hält man in der Sache Motorüberdreher den Ball offensichtlich flach. Man will schließlich der Kundschaft nicht unterstellen, sie könne keine sechs Gänge schalten. Dafür hat man einen guten Tipp: Es gebe für Porsches auch eine exzellente Automatik. Nachsatz des Pressesprechers: „Die schaltet sogar besser als jeder Fahrer.“

Beim Porsche-Zentrum in Hannover bestätigte ein Gesprächspartner, der allerdings seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, Überdreher kämen tatsächlich öfter vor. Der Klassiker: Ein Porschefahrer möchte wissen, was sein Sportwagen kann, und geht auf eine Rennstrecke wie den Nürburgring: „Da kann man, wenn der Wagen in der Kurve abgeht, anfängt zu driften, in der Aufregung schnell statt des fünften den dritten Gang erwischen.“

Dass Überdreher keineswegs eine Ausnahmesituation sind, dafür spricht, dass es im Handbuch für Händler dazu eine ausführliche Beschreibung gibt – mit dem Hinweis: „Durch Fahr- und Bedienfehler kann es zum Überschreiten der maximal zulässigen Drehzahl kommen.“ Ab einer gewissen Anzahl „hat dies kausale Auswirkungen auf die Motormechanik, Ventiltrieb, Steuerketten, Kupplung und so weiter. Eine Abrechnung auf Garantie bzw. Kulanz darf nicht erfolgen.“

Und dafür, dass das unter Porschefahrern ein Problem sein könnte, spricht auch, dass man im Internet Angebote findet, Überdreher aus dem Motorsteuergerät zu löschen – und zwar Zeitpunkt wie Stärke. Der illegale Eingriff kostet so um die 400 Euro.

Der Rintelner hat übrigens inzwischen den Porsche weiterverkauft. Selbstverständlich hat er den Käufer darauf aufmerksam gemacht, dass der Motor Überdreher hatte und es darum bereits einen Rechtsstreit gegeben hat. Das war auch der ausdrückliche Rat seines Anwaltes.  wm

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