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Pink Floyd als Zeugen

Rinteln Pink Floyd als Zeugen

Seine Vorliebe für die Band Pink Floyd hat einen Rintelner in Konflikt mit dem Gesetz gebracht. Wegen eines DVD-Kaufs soll er eine hohe Geldbuße zahlen.

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Symbolbild

Quelle: dpa

RINTELN. Pink Floyd ist Musikgeschichte. Ihre Alben sind deshalb nach wie vor gefragt. Da entdeckt ein Rintelner Sammler eine DVD der Band mit dem Titel „Pink Floyd – Live Anthology“ auf einem Grabbeltisch bei einer Supermarkt-Kette in Offenburg und kauft sie. Ihn reizt, dass die Band hier in zwölf Liveaufnahmen auf der Tracklist noch komplett in ihrer Ursprungsbesetzung zu sehen und zu hören ist, also auch noch mit Feuerkopf „Syd“ Barrett.

Dann stellte der Rintelner fest, die Qualität ist nicht gut, die Songs hat er teilweise schon und will die DVD wieder weiterverkaufen. Doch die Internet-Auktion wird gestoppt, und der Rintelner erhält das Schreiben eines Hamburger Anwalts, er solle eine Unterlassungserklärung unterzeichnen, 651 Euro zahlen, der Streitwert betrage sagenhafte 10000 Euro.

Wem gehören die Rechte?

Der Rintelner zahlte nicht, sondern holte sich rechtlichen Beistand bei dem Rintelner Rechtsanwalt Thomas Grell. Den beschäftigt dieser Fall inzwischen seit zwei Jahren, und Grell hat sich tief in die komplizierte Materie des Urheberrechts hinein gearbeitet. Der bizarre Fall füllt inzwischen viele Aktenordner. Rechtsanwaltliche Schreiben wechselten hin und her, und Grell erlebte manche Überraschung.

So beispielsweise, dass anscheinend niemand mehr genau weiß, wer eigentlich die Rechte an der umstrittenen DVD und den darauf veröffentlichten Songs hat. Wer welche Verträge unterschrieben hat oder auch nicht. Die gemeinsame Auswertungsgesellschaft Pink Floyd Music Ltd. in London, die EMI Records Ltd. oder vielleicht doch die Musiker selbst? Es herrscht das blanke Chaos. Dann ist da noch die Frage, was eigentlich mit den Ansprüchen der Erben der inzwischen verstorbenen Bandmitglieder Keith Barrett und Richard Wright ist.

Und noch ein Problem recherchierte Grell: Zwischen den Mitgliedern der Band gibt es wohl keine schriftliche Vereinbarung darüber, was sie mit ihren Urheberrechten machen. Zumindest keine Vereinbarung die alle gemeinsam unterschrieben haben.

Vom Englischen ins Deutsche

Dafür gab es Streit. So hat Roger Waters Mitte der achtziger Jahre zwei Bandmitglieder vor einem britischen Gericht verklagt, die dürften keine Musik unter dem Namen Pink Floyd mehr veröffentlichen. Und Roger Waters hat jetzt wohl mit der Musiktochter BMG des Medienunternehmens Bertelsmann einen Deal über die Rechte an allen seinen Songs gemacht.

Was Grell als ironischen Schlenker sieht: Alle auf der DVD gezeigten Auftritte kann man sich inzwischen problemlos auf Youtube ansehen und – mit dem nötigen technischen Verständnis – herunterladen. Und dann ist da noch die Frage, warum hat das Hamburger Rechtsanwaltbüro den Rintelner verklagt, sich nicht an den Herausgeber der umstrittenen DVD gewandt, den Falcon Neue Medien Vertrieb in Wittenberg?

Im Juli gab es eine Verhandlung vor dem Amtsgericht in Hannover. Und da stand man vor der nächsten juristischen Hürde: Fast alle Verträge sind in Englisch abgefasst. Gerichtssprache ist aber deutsch. Es wäre also erforderlich, alle Dokumente neu von einem vereidigten Dolmetscher übersetzen zu lassen.

Abschluss noch in weiter Ferne

Und noch eine Pointe: Die Richterin überlegte nämlich, ob man nicht einfach zur Klärung der offenen Punkte die noch lebenden Mitglieder der Band als Zeugen vor Gericht nach Hannover laden sollte. Eine ladungsfähige Anschrift liege ja vor. Das wird wohl nicht passieren. Das Gericht bot einen Vergleich an. Doch Grell denkt mit seinem Mandanten darüber nach, die Sache durchzufechten.

Bleibt als vorläufiges Fazit für Grell: Sein Mandant hatte die DVD nicht in irgendeinem obskuren Kellerladen gekauft, sondern bei einem großen Supermarkt, also einem seriösen Unternehmen. Also durfte er annehmen, dass die DVD lizenziert, also nicht illegal, ist. Die Frage bleibt, wer müsste in einem solchen Fall zahlen? Der Hersteller der DVD, der sie vertreibt oder der Laden, der sie verkauft?

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