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Platzraubende Leidenschaft

Jagdfieber bei Briefmarktensammlern Platzraubende Leidenschaft

Kinder lieben es, Aufkleber zu sammeln. Tieraufkleber für die Alben, die die Supermärkte von Zeit zu Zeit auf den Markt bringen, Fußballfotos für die Bundesliga- oder Weltmeisterschaftssammelalben, alles findet reißenden Absatz.

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 Die Rintelner Philatelisten sichten ein Briefmarkenalbum.

Quelle: cm

Rinteln. Dahinter stehen der Ehrgeiz, seine Sammlung komplett zu bekommen, das Jagdfieber, besonders schöne Bilder zu ergattern, sowie die Freude am Tauschen und Verhandeln mit anderen Sammlern. Diese Leidenschaft lässt sich eins zu eins auf erwachsene Briefmarkenbegeisterte übertragen.

 Einen Vorteil haben die Erwachsenen jedoch: Die Welt der Philatelisten ist beinahe unermesslich groß und vielfältig, und sie bietet dem Sammler für Jahre Möglichkeiten, seiner Leidenschaft zu frönen.

 Als Briefmarkensammler muss man sich Schwerpunkte setzen. „Während es früher üblich war, sich auf bestimmte Länder zu spezialisieren, gebe es heute den Trend zur Motivsammlung“, berichtet Herbert Schlesiger, Vorsitzender des Rintelner Briefmarkenvereins. Da würden Pferdefreunde Pferdemarken sammeln, andere hätten es auf Eisenbahnmotive abgesehen oder würden ganze Alben mit Blumenmotiven füllen. Die Freude an den oft besonders schön aussehenden Motivsammlungen erschlösse sich auch dem Laien sofort, weiß Schlesiger.

 Anders ist das bei der Sammlung, die Peter Rückriem beim Vereinstreffen dabei hat. Da sehen die Marken auf den ersten Blick alle gleich und zudem sehr unscheinbar aus. „Das täuscht“, erklärt der passionierte Sammler. „Zum einen muss man wissen, dass das besondere Marken sind, nämlich Zwei-Pfennig-Notopfermarken. Die mussten zwischen 1948 und 1955, die Zeit, auf die ich mich spezialisiert habe, zusätzlich auf jeden Brief geklebt werden. Damit spendete man für die Notleidenden der Nachkriegszeit.“

 Diese Marken seien auch nicht alle gleich, führt er weiter aus. Da gebe es unterschiedliche Wasserzeichen, Zahnungen und Stempel. „Nach diesen Merkmalen habe ich sie auch sortiert“, berichtet Rückriem. Das klingt nach viel Akribie und Geduld, und Schlesiger als Vereinsvorsitzender bestätigt, man brauche schon Zeit und Muße für dieses Hobby. „Und Platz“, schaltet sich der stellvertretende Vorsitzende Werner Schwarz ein. „Grob geschätzt nimmt meine Sammlung zu Hause zehn Regalmeter ein.“

 Mit dem Sichten und Sortieren genössen sie die ruhige Seite des Philatelistenlebens, berichten die Sammler. Doch irgendwo müsse ja auch der Nachschub herkommen, und man brauche Quellen, um die Lücken in den eigenen Serien zu schließen. Hier kommt die zweite, geselligere Leidenschaft der Briefmarkenfreunde ins Spiel: das Tauschen.

 Kluge Sammler, wie die Rintelner Vereinsmitglieder, wissen, dass sie davon profitieren, sich mit anderen zusammenzutun. Wenn dann einer von ihnen eine Sammlung aufgekauft hat, eine gängige Methode, um an neues Material zu kommen, sucht er die Marken seines Spezialgebietes heraus. Den Rest bringt er als Tauschobjekte für die Sammlerkollegen mit. Da kommt bei 22 aktiven Mitgliedern doch einiges in den gemeinsamen Pool.

 Wenn sie noch mehr Auswahl haben möchten, besuchen die Briefmarkenfreunde die Tauschtage in der Region. Und sie haben sogar einen eigenen Tauschtag ins Leben gerufen.

 Gesellig und lebendig soll es auch bei der Teilnahme am Ferienspaß zugehen. Mit der Ermutigung des Nachwuchses könne man gar nicht früh genug anfangen, meint Schlesiger. So bietet der Verein Kindern einen Schnuppernachmittag an. „Die Kinder bekommen ein kleines Album und Marken, und wir zeigen ihnen, wie sie die sortieren können.“

 Zuguterletzt soll noch von der dritten Leidenschaft der Philatelisten die Rede sein: von der Schatzsuche. So erzählt Rückriem über sein Notopfer-Marken-Album gebeugt, dass diese zwischen 30 Cent und Tausenden von Euro wert sein können. Und er verrät, dass er gerade eine Marke zum Prüfen an den zuständigen Experten des Bundesverbandes geschickt habe. „Verkaufen tue ich die nicht, ich hüte meine Schätze lieber.“ cm

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