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Polizei am Limit

4400 Überstunden im Jahr Polizei am Limit

Die Zahlen, die der Rintelner Polizeichef Wilfried Korte vor wenigen Wochen bei der Polizeifachtagung in Bückeburg nannte, klingen alarmierend. 4400 Überstunden im Jahr schieben seine Mitarbeiter und er vor sich her.

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Auf dem Weg zum nächsten Einsatz: Polizeikommissar Julius Wüstefeld (links) und Polizeioberkommissar Michael Elbing. 

Quelle: tol

Rinteln. Das entspricht der jährlichen Arbeitszeit von zweieinhalb Beamten. Drei von insgesamt 40 Mitarbeitern in Rinteln sind dauerkrank. Die Aufgabenfelder seit Anfang der Nullerjahre sind mehr geworden: Cyber-Crime (Internetkriminalität), Kinderpornografie, häusliche Gewalt und sogenannte Straftaten zum Nachteil älterer Menschen müssen neben der althergebrachten Polizeiarbeit wie der Strafverfolgung von Mord, Totschlag, Körperverletzung und Diebstählen die Aufnahme von Verkehrsunfällen und Gefahrenabwehr, zusätzlich bearbeitet werden. Im selben Zeitraum sind in Rinteln dreieinhalb Beamtenstellen abgebaut worden. Die Frage, die sich aufdrängt, ist, ob unter diesen Umständen überhaupt noch die Sicherheit der Bürger gewährleistet werden kann?

„Ja“, versichert Polizeichef Korte. Und wenn es personell doch hart auf hart kommt, weil etwa ein Kollege wegen Krankheit ausfällt, ein anderer sich auf Fortbildung befindet und ein weiterer dienstfrei hat, um Überstunden abzubauen, dann würden die entsprechenden Kollegen entweder von der Fortbildung wieder zurückgeholt oder der Abbau der Überstunden unterbrochen. Oder aber es wird Unterstützung von benachbarten Dienststellen, wie Hessisch Oldendorf, Bückeburg, Nienburg oder Hameln angefordert, ein übliches Prozedere, das auf Gegenseitigkeit beruhe. „Der Bürger merkt davon nichts“, sagt Korte.

Wenn dann immer noch Not am Mann ist, wird eben nach Priorität gehandelt. Ein Beispiel: Wenn zeitgleich zwei Anrufe auf der Polizeiwache eingehen, einer wegen Lärmbelästigung, ein anderer wegen häuslicher Gewalt, dann sei klar: Der Anrufer mit der Lärmbeschwerde muss warten.

Unter der knappen Besetzung nicht leiden dürfe auch der Streifendienst. „Die Streife ist wichtig für das Sicherheitsempfinden der Bürger“, meint Korte. Zum Einsatz komme die Streife da, „wo was los ist“. Freitags und sonnabends etwa bis 3 Uhr früh, also zu den klassischen Ausgehzeiten seien immer zwei Streifenwagen unterwegs, zu Wochenbeginn entsprechend weniger. Insgesamt betrachtet sei es aber schon so, dass die Polizei am Limit arbeite. „Wir arbeiten an der Grenze“, sagt Korte. „Wir könnten gut drei Leute mehr gebrauchen.“ Dies sei aber utopisch. Die Gelder werden vom Land verteilt, und da sei die Polizei eben nur ein Posten von vielen. Die Polizei müsse mit dem Geld, das sie zur Verfügung hat, für Sicherheit sorgen. Korte: „So wie wir personell derzeit aufgestellt sind, können wir nicht mehr Aufgaben übernehmen und dürfen nicht weniger Leute werden.“ Dies sei aber kein Rintelner Phänomen, sondern ein bundesweites. „Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben“, sagt Korte.

Im Rintelner Polizeikommissariat arbeiten derzeit 40 Ermittler. Der Einsatz- und Streifendienst unter Leitung von Daniela Kempa besteht aus 24 Polizeibeamten, der Kriminalermittlungsdienst unter Führung von Jörg Stuchlik aus elf Polizisten. Ebenfalls zum Rintelner Kommissariat gehört die Polizeistation in Rehren mit zwei Beamten. Und an der Spitze steht Polizeichef Korte. Dazu kommen vier Tarifangestellte (ein Hausmeister und drei Sekretärinnen). Aber ein relativ kleines Team biete auch Vorteile. „Je kleiner die Organisationsform desto besser die Zusammenarbeit“, sagt Korte. „Wir unterstützen uns hier alle gegenseitig.“

Polizeidirektion und Innenministerium hätten das personelle Belastungsproblem inzwischen erkannt. Aktuell hat das Innenministerium eine Mitarbeiterbefragung zu den Themen Arbeitsbelastung und Zufriedenheit gestartet. Und die Polizeidirektion Göttingen führt eine Organisationsanalyse durch. Sie soll Aufschluss darüber geben, in welchen Bereichen des Kommissariats Arbeitsprozesse gestrafft werden können und wo mehr getan werden kann. Mit den zur Verfügung stehenden 40 Beamten.pk

Auf dem Weg zum nächsten Einsatz: Polizeikommissar Julius Wüstefeld (links) und Polizeioberkommissar Michael Elbing. tol

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