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Polizei warnt vor falschen Spendensammlern

Senioren als Opfer bevorzugt Polizei warnt vor falschen Spendensammlern

Ihr Opfer spricht die falsche Spendensammlerin mitten in der Fußgängerzone an. Die vielen Passanten stören die junge Frau nicht, im Gegenteil.

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Falsche Spendensammler sind auch in Rinteln unterwegs – und bestehlen spendenwillige Senioren.

Quelle: dpa

Rinteln. Taubstumm sei sie, bedeutet die mit einem Klemmbrett ausgerüstete Frau der 72-jährigen Rintelnerin. Ob sie denn eine kleine Spende für sie habe. Und eine Unterschrift zur Bestätigung. Die Seniorin hat Mitleid, sie möchte helfen und zückt ihre Brieftasche. Dann geht alles sehr schnell: so schnell, dass die Seniorin nichts davon mitbekommt. Mit der einen Hand schiebt die junge Frau ihr Klemmbrett nach vorne, blockiert kurz den Sichtkontakt. Drückt mit einem Kugelschreiber das Fach der Geldbörse auf, fischt mehrere große Scheine aus der Börse und zieht sich wieder zurück. Nur Bruchteile von Sekunden dauert der viel geübte Vorgang. Doch aus einigen Metern Entfernung beobachtet ein Polizist in Zivil den gesamten Vorgang.

 Er kennt das Prozedere, organisierte Banden wenden die Taktik seit Langem an, die Polizei ist informiert, der Beamte handelt schnell: Er stellt die junge Frau, hält sie fest. Sie reißt sich los, er nimmt die Verfolgung auf, durch die Fußgängerzone. „Natürlich hat er sie erwischt“, merkt Jörg Stuchlik, Leiter des Kriminalermittlungsdienstes Rinteln, lakonisch an. „Der Kollege hat vorbildlich gehandelt.“ Auf der Wache angekommen stellen die Beamten fest, dass es nicht der erste Diebstahl ist, bei dem die Frau ertappt wurde. Und sie ist nicht die Einzige. „Das sind bundesweit agierende Banden“, sagt Stuchlik. Sie haben es vor allem auf Senioren abgesehen. Diese hätten öfter größere Geldsummen in der Brieftasche, könnten nicht so leicht die Verfolgung aufnehmen und seien auch leichter zu einer Spende zu bewegen.

 Konkrete Zahlen, wie viele derartige Fälle in den vergangenen Jahren in der Region aufgetreten sind, kann Stuchlik nicht vorlegen. „Es sind vereinzelte Fälle, aber sie treten immer wieder auf.“ Er meint aber, die Dunkelziffer sei sehr hoch. „Wir rechnen mit 50 Prozent, die nicht angezeigt werden.“ Oft würden sich Opfer schämen, dass ihr Mitleid so ausgenutzt wurde, und wenig Hoffnung haben, ihr Geld wiederzusehen.

 Trotzdem möchte der Kripo-Chef aufrufen, derartige Taten zur Anzeige zu bringen: Denn um zukünftig solche Diebstähle zu verhindern, müsse die Polizei auch wissen, wie oft sie vorkämen. Noch wichtiger sei jedoch, die Allgemeinheit zu sensibilisieren. Wer verdächtige Spendensammler bemerke, solle lieber einmal zu oft als zu selten die Polizei rufen. „Wir fahren gerne den ganzen Tag rum“, betont der Beamte, „wenn wir dadurch auch nur eine Tat verhindern können, ist es das wert.“

 Zudem berichtet Stuchlik noch von einem weiteren Fall, am Dienstag vergangener Woche, der ebenfalls vorbildlich abgewickelt wurde, auch wenn letztlich alles undramatisch war.

 Ein älteres Ehepaar in Rehren wurde telefonisch von einer Versicherungsagentur wegen einer Pflegeversicherung angesprochen, ein Gesprächstermin vor Ort im Haus des Paares vereinbart. „Als die Tochter das hörte, schöpfte sie Verdacht“, sagt Stuchlik. Sie kontaktierte die Polizei, diese war beim Termin vor Ort und nahm die Versicherungsvertreter unter die Lupe. Auch wenn in diesem Fall keine Auffälligkeiten zutage traten, betont Stuchlik, dass die Tochter alles richtig gemacht habe.

 Denn gerade, wenn sich unbekannte Personen unter irgendwelchen Vorwänden Zugang zu einem Haus verschaffen würden, könne ein eingespieltes Team schnell und unauffällig Wertgegenstände entwenden. „Während einer die Bewohner in ein Gespräch verwickelt, geht ein Zweiter vielleicht auf die Toilette oder setzt sich kurz ab.“ Und Tage später stelle man dann fest, dass etwas fehlt. Daher gelte auch hierbei die Regel: Lieber einmal zu oft anrufen. Im Ernstfall ist man froh über zu viel Vorsicht.

 Aber, und das betont der Kripochef mehrmals, in Rinteln brauche man trotz aller Warnungen keine Angst haben. „Wir leben in einer sicheren Stadt, uns geht es wirklich gut.“ Er wolle mit diesen Warnungen niemanden verängstigen und verunsichern. Aber da man ja bestrebt sei, dass die Situation weiter so entspannt bleibt, sei etwas Aufmerksamkeit von Vorteil. jak

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