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Praktikanten und singende Botschafter

Rinteln / Gäste aus China Praktikanten und singende Botschafter

Berufspraktika sind in China fast unbekannt. Wenn dann eine Gruppe Schüler nach Deutschland darf, sendet das Reich der Mitte gern gleich eine kulturelle Botschaft mit. Die 19 Jugendlichen sollen nicht nur von den Deutschen lernen, sondern als Chor auch für ihr Heimatland werben.

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Betrieblichen Alltag kennenlernen: Zhang Xiyue absolviert ihr Praktikum bei der Firma Rolec.

Quelle: pr.

Von Dietrich Lange

Rinteln. So kam es, dass die zweite Praktikantengruppe aus Chongqing in Rinteln und Hameln nicht nur nach beruflicher Eignung ausgesucht worden war, sondern auch nach Sangesvermögen. Die Folge: Sprachprobleme im Praktikum und Extrawünsche im Terminkalender – nämlich Auftrittsmöglichkeiten.

Vom 21. September bis 7. Oktober waren 19 Schüler und zwei Lehrerinnen am Gymnasium Ernestinum Rinteln und Schillergymnasium Hameln zu Gast. Sie absolvierten Praktika in zwölf Betrieben – waren also von 8 bis 12.30 Uhr im Betrieb und danach von 14 bis 15.30 Uhr in den Schulen, um Kultur und Sprache des Gastgeberlandes besser kennenzulernen. Hauptsprache bei der Verständigung: Englisch. Und mit dem Englischen haperte es zum Teil trotz guter Stimme, sodass zwei Praktikanten aus einem Betrieb in andere Firmen wechseln mussten, wo andere Praktikanten Übersetzerdienste leisteten.

Dr. Ralf Kirstan, Koordinator der deutsch-chinesischen Schulpartnerschaft am Ernestinum, nennt die beteiligten Firmen: In Rinteln Stüken (3), Rolec (3), Kinderarzt Dr. Adalbert Boczek (2), Augenärzte Dr. Maren Kitay (1) und Dr. Kausch (1), Elektro Eckel (1), Engel-Apotheke (1) und Zahnarzt Freddy Denz (1). Kirstan: „Die Chinesen hatten sich ihren Platz jeweils bei den angebotenen Firmen ausgesucht.“

Die Unterbringung erfolgte bei den Familien von Gymnasiasten, die im nächsten Jahr zum Praktikum in die 20-Millionen-Stadt am Yangtse reisen wollen. „Die Firmen waren zufrieden, die Chinesen hätten sich sehr bemüht“, erfuhr Kirstan bei einer Umfrage. „Auch die Gasteltern waren zufrieden, es lief erstaunlich reibungslos. Im Sommer 2014 ist der Gegenbesuch geplant.“

Die Chinesen gaben eine Kostprobe ihres sängerischen Könnens im Altenpflegeheim in der Graf-Adolf-Straße, der geplante Auftritt im Altenpflegeheim am Seetor am letzten Rinteln-Tag fiel dagegen aus. Zu erschöpft waren die Chinesen da noch von ihrem viertägigen Besuch in Berlin. Mangels eigentlich vorgesehener FDP-Abgeordneter (Folge der Bundestagswahl) sprang das heimische SPD-Bundestagsmitglied Sebastian Edathy mit einer Führung im Paul-Löbe-Haus und als Diskussionspartner ein. Der Besuch des Reichstags, von Museen, Alexanderplatz und Potsdamer Platz standen außerdem auf dem Programm.

„Die Chinesen waren mit ihren Gastgeberschülern gemischt in Zimmern untergebracht, da haben sich erste freundschaftliche Kontakte entwickelt“, berichtet Kirstan. Darauf lasse sich beim Gegenbesuch im nächsten Jahr sicher aufbauen.
Auch ein Besuch des Landtags in Hannover wurde absolviert. Dort führte ein FDP-Parteifreund Kirstans und Unterstützer der China-Kontakte, Björn Finsterling, die Gäste.

„Aus China haben wir inzwischen eine E-Mail mit Dank dafür bekommen, dass alles so gut geklappt hat“, sagte Kirstan. „Es waren Schüler aus gut situierten und einfachen Mittelstandsfamilien bei uns.“ Also nicht Kinder aus Parteikaderfamilien und auch nicht aus so armen Kreisen, dass der Gegenbesuch schwierig würde.

Und wie geht es weiter? „Im Juli 2014 zu Beginn der Sommerferien fahren unsere Schüler für drei Wochen zum Praktikum nach Chongqing, zwei Wochen davon liegen in den Ferien“, so Kirstan. „Im Herbst kommen dann Chinesen im Rahmen des normalen Schüleraustauschs ans Ernestinum, darauf folgt unser Gegenbesuch als Schüleraustausch im Frühjahr 2015.“

Und Kritik? „Ja, in Zukunft wünschen wir uns eine bessere Vorbereitung der Lehrer und dass wir schon vorab von Auftrittswünschen als Kulturbotschafter wissen. So schnell lassen sich keine erfolgreichen Konzerte organisieren.“ Kirstan und die Stadt Rinteln hatten nämlich davon abgesehen, innerhalb weniger Tage ein Konzert im Brückentorsaal zu organisieren, zu kurz wäre die Vorbereitungs- und Werbezeit dafür gewesen.

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