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Priemer hat die Nase voll

Unterführung ist elendig Priemer hat die Nase voll

Knapp ein Jahr, nachdem die Deutsche Bahn ihre Unterführung am Rintelner Bahnhof in Teilen von ihrer Fassade befreit hat, bietet sich noch immer derselbe elendige Anblick.

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Ritesh Dudeja kommt seit 14 Jahren nach Deutschland, aber der Bahnhof in Rinteln sei der Schlimmste, den er kenne: „Die Unterführung ist hässlich“, sagt er. „Außerdem gibt es keine Wartehalle und keine Möglichkeit, etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen.“ Dudeja ist Geschäftsmann aus Indien. Gerade war er mal wieder für zwei Wochen bei der Firma Stüken.

Quelle: pk

Rinteln. In den Fliesenwänden klaffen große Löcher, die den Blick aufs Mauerwerk freilegen. Von Schmierereien, Müll und Uringestank ganz zu schweigen. Doch jetzt kommt tatsächlich Bewegung in die Sache.

Dabei gewinnt man den Eindruck, bei der Deutschen Bahn wisse die eine Hand nicht, was die andere tue. Auf Anfrage dieser Zeitung teilte ein Sprecher mit, es sei weiter unklar, wann die Wände wieder hergerichtet würden. Der Grund, den die Bahn seit einem Jahr gebetsmühlenartig nennt: Es müsse eine Bauwerksprüfung durchgeführt werden. Es sei bloß außerordentlich schwierig, Bauwerksprüfer zu bekommen. Und warum hat man dann schon zuvor die Fliesen abgeschlagen? Weil man erst so habe feststellen können, ob überhaupt eine Bauwerksprüfung vollzogen werden müsse, erläuterte der Sprecher. Was er nicht wusste: Die Bahn hat auf Initiative von Bürgermeister Thomas Priemer längst eingelenkt.

Pressesprecher nicht auf neuestem Stand

Die SN wollten von Priemer eine Stellungnahme zum vom Bahnsprecher vermittelten Sachstand bekommen. Da zeigte sich, dass der Pressesprecher offenbar nicht auf dem aktuellen Stand war. Denn wie Priemer mitteilt, hat sich die Bahn inzwischen bereit erklärt, der Stadt entgegenzukommen und mit ihr zusammenzuarbeiten, um die Unterführung am Rintelner Bahnhof wieder ansehnlich zu gestalten.

„Ich hatte seit Wochen die Nase gestrichen voll“, führt Priemer aus, bei dem bereits im vergangenen Jahr vermehrt Klagen aus Reihen der Bürger eingingen. Also habe er beschlossen, selbst etwas zu unternehmen, auch wenn die Unterführung nicht Eigentum der Stadt, sondern der Deutschen Bahn ist. Während das Bauamt bereits Ideen für die Gestaltung der Unterführung ausarbeitete, nahm Bürgermeister Priemer Kontakt zur Technischen Betriebsleitung der Deutschen Bahn in Hannover auf. „Ich habe mit der Bahn vereinbaren können, dass sie als Eigentümer die offenen Stellen an den Wänden verputzt und wir als Stadt die Unterführung dekorieren dürfen“, so Priemer.

Die vorläufige Idee sieht so aus: Die Wände sollen „tapeziert“ werden, und zwar mit Motiven der Stadt. „Wir verfügen über eine stattliche Anzahl von Rinteln-Motiven, an denen wir auch die Rechte für die Weiterverwendung haben“, sagt Priemer. Die Kosten dafür seien überschaubar. Priemer rechnet mit „ein paar Hundert Euro“. Dass diese Deko in Form von Papier oder Folie eine große Angriffsfläche für Vandalen darstellt, darüber ist sich Priemer im Klaren. „Dann tapezieren wir eben wieder neu.“

Vandalismus oder Menschen, die dort ihren Müll entsorgen oder ihre Notdurft verrichten, könne die Stadt nicht verhindern. Und Obdachlose, die in der trockenen Unterführung mal Unterschlupf suchen, könne und wolle die Stadt nicht mittels Platzverweisen vertreiben. Aber eine ansehnliche Unterführung, die für Zugreisende das Erste ist, was sie von Rinteln sehen, stehe schon für eine „gewisse Willkommenskultur“, so Priemer.

Sanierung kostet 2,2 Millionen Euro

Unklar ist noch, wann genau die Bahn tätig wird. Zwischen Ostern und Pfingsten wolle sie bekannt geben, wann die Wände wieder verputzt werden. Bis zum Jahr 2018 soll der Bahnhof für knapp 2,2 Millionen Euro modernisiert werden. Erneuert werden soll der Bahnsteig – und mit ihm die Ausstattung, die Beleuchtung und das Dach. Außerdem soll die Unterführung saniert werden, die sich bereits seit geraumer Zeit in einem schlechten Zustand befindet. Darüber hinaus werden zwei Fahrstühle installiert. Damit soll der Rintelner Bahnhof behindertenfreundlicher werden. Wann genau die Sanierung vorgenommen werden soll, steht noch nicht fest.

Der Bahnhof ist Ende des Jahres 2014 in das Gemeinschaftsprogramm „Niedersachsen ist am Zug“ von Land und Bahn aufgenommen worden. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Bahn und des Landes Niedersachsen. Im Zuge dessen werden 150 Millionen Euro in die Modernisierung niedersächsischer Bahnhöfe investiert. pk

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