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Protest gegen „Bockskamp“ hält an

Rinteln / Protest gegen „Bockskamp“ hält an

Das Unkraut wuchert, die alten Gewächshäuser der Gärtnerei Korff gammeln vor sich hin. Und ein zweigeschossiges Wohnhaus am Rand des geplanten Neubaugebiets „Bockskamp“ östlich der Alten Todenmanner Straße steht bereits leer.

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Anwohner wollen, dass der Bockskamp eine Obstbaumwiese bleibt. Die alten Gewächshäuser und das leere Wohnhaus würden bei einer Bebauung abgerissen.

Quelle: dil

Rinteln. „Einfahrt freihalten“ ist dort auf einem Torpfeiler zu lesen, das könnte auch für die Zukunft gelten, wenn dort Bagger und Lastwagen anrollen. „Vorsicht bissiger Hund“ gilt dagegen nicht mehr. Bissig sind hier nur einige Anwohner. Sie kämpfen weiter gegen die Festsetzungen dieses Baugebiets.

 Die schöne Aussicht könnte durch zu hohe Häuser verbaut werden, die vorhandenen Häuser dadurch an Wert verlieren. Lebensqualität werde eingeschränkt, und dann sei die Abwasserproblematik auch nicht ausreichend gelöst, heißt es in einigen der Schreiben, die mehr als ein Dutzend Anwohner jetzt nach der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans fristgerecht bei der Stadtverwaltung eingereicht haben. Laut Baudezernentin Elena Kuhls sind einige Widersprüche wortgleich formuliert, also eine kleine Kampagne.

 Kuhls teilte auf Anfrage mit, dass nach einer frühzeitigen Auslegung die Gebäudehöhen noch um 50 Zentimeter reduziert worden seien. Von Einfamilienhäusern, wie manche Anwohner behaupten, sei nie die Rede gewesen. Die Formulierung sei Einzelhäuser – das könnten Einzel- oder Doppelhäuser ebenso sein wie Fünffamilienhäuser, nur eben keine Wohnblocks. Kuhls sieht bei den Einsprüchen auch so gut wie keine neuen Argumente. Trotzdem werde jeder Einspruch einzeln und sorgsam bewertet. Die Tendenz geht aber, so bestätigt auch der Erste Stadtrat Jörg Schröder, in Richtung Ablehnung. Von 20 Zweifamilien- und drei Fünffamilienhäusern gehen die Gegner aus, glauben aber, früher sei von 23 Einfamilienhäusern die Rede gewesen.

 Lydia und Walter Sperlich führen wie auch einige andere Gegner ins Feld, dass die Abwasserproblematik nicht angemessen gelöst sei. Das Ehepaar Sperlich schrieb: „Sollte sich dann später herausstellen, dass die Auslegung der Kanalisation und der Oberflächenentwässerung nicht ausreichend ist, muss gewährleistet sein, dass alle Kosten und Folgeschäden von der Stadt Rinteln oder dem Investor übernommen werden.“ Ärgerlich ist für die nördlichen Anwohner, dass sie nun Häuser vor die Nase gesetzt bekommen, statt weiter auf eine Wiese und Obstbäume zu blicken. Walter Sperlich: „Bei der Bebauung in der Tulpenstraße und Nelkenstraße war der Bockskamp noch kein ausgewiesenes Bauland.“ Das liegt aber auch Jahrzehnte zurück.

Zur Entwässerung von Straßen und befestigten öffentlichen Seitenbereichen ist ein unterirdischer Staukanal vorgesehen, der allerdings gesetzesgemäß nicht auf Jahrhundertregen ausgelegt werden muss. Kuhls: „Außerdem werden die Bauherren auf ihren Grundstücken selbst für das Versickern von Oberflächenwasser sorgen müssen.“ Ob zu 100 Prozent oder teilweise, das steht wohl noch nicht fest.

 Das Entwässerungsproblem kennt Gärtner Dieter Korff: „Ich habe selbst unterirdische Verrieselungstanks gebaut, habe kein Problem. Außerdem musste ich eine eigene Gosse neben der städtischen bauen, um mein Oberflächenwasser abzufangen.“ Bei den vielen Gewächshäusern falle schließlich einiges an. „Aber bis auf das neue Gewächshaus direkt an meinem Wohnhaus werden alle abgerissen. Ich pachte dann noch etwas Fläche von der Stadt direkt an der Alten Todenmanner Straße.“ Korff will in zwei Jahren ohnehin aufhören, setzt auf Dienstleistung statt Ladenverkauf und Blumenzucht. Das will er auch einem Nachnutzer schmackhaft machen.

 Seine bisher mit Gewächshäusern bestandenen Flächen hat Korff noch nicht an die Volksbank in Schaumburg als Investor für das Neubaugebiet verkauft, sondern mit dieser eine Verkaufsoption abgeschlossen. Mike Harste, Leiter der Immobilienabteilung der Volksbank, sagte, ohne Rechtskraft des Bebauungsplans könne sich die Bank nicht festlegen. „Wir haben zwar schon Bauinteressenten vorgemerkt, aber noch keine Preise ermittelt. Wenn wir rechtliche Klarheit und die Kosten kalkuliert haben, werden die Kaufinteressenten informiert.“

Dies könnte schon Anfang 2015 sein, denn die Stadt plant, über den Bebauungsplan in der Oktobersitzung des Ausschusses für Umwelt, Bauen und Planen zu beraten. Danach würden sich noch der Verwaltungsausschuss und anschließend der Rat in seiner Sitzung im November damit befassen. Ende des Jahres könnte der Bebauungsplan rechtskräftig sein, wenn niemand dagegen klagt. Aber weder aus der Verwaltung noch aus Anwohnerkreisen wird bisher mit Klagen gerechnet. dil

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