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Protest gegen Massentierhaltung

Sabine Wester wandert 630 Kilometer Protest gegen Massentierhaltung

Ein Zeichen gegen Massentierhaltung: Nach der ersten Tagesetappe hat Sabine Wester die Hälfte ihres Gepäcks in eine Kiste gepackt und nach Hause geschickt. Das war vor 15 Tagen. Oder anders ausgedrückt: vor gut 300 Kilometern.

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Quelle: SN

Rinteln.  „Ich hatte einfach viel zu viel eingepackt“, sagt die Aktivistin, die mit ihrem Marsch ein Zeichen gegen Massentierhaltung setzen möchte, während sie in einem Rintelner Café gemütlich einen Kaffee trinkt. „Auf so einer Reise kommt es auf jedes Gramm an.“ Etwa 16 Kilogramm wiegt ihr großer roter Wanderrucksack derzeit, mit dem sie die 630 Kilometer von Eberswalde in Brandenburg bis nach Neuss in Nordrhein-Westfalen wandert. Einmal quer durch Deutschland durch. Immer dabei sind ihre beiden lebhaften Begleiter, Hundedame Maggie und der kleine Futzi.

 „Ich hatte ja eigentlich nicht gedacht, dass sich überhaupt jemand für meine Reise interessiert“, sagt Wester. Doch schon jetzt, auf etwa der halben Strecke, hat sie 550 Euro an Spenden gesammelt. Doch mit dem Geld finanziert Wester nicht ihre Reise, alle Spenden fließen direkt an das Deutsche Tierschutzbüro.

 Angefangen hat alles im Januar bei einer Demonstration in Berlin. „Dort habe ich erlebt, was das für eine Energie ist, wenn man gemeinsam etwas bewegen will“, erzählt die 44-jährige Frührentnerin. Beeindruckt von der Arbeit und dem Engagement des Tierschutzbüros wollte sie auch selbst aktiv werden. „Und ich kann halt supergut geradeaus gehen“, scherzt Wester. Am 15. Mai setzte sie sich schließlich in Bewegung, seitdem ist sie kaum einen Tag am gleichen Ort geblieben. „Ich denke zwar immer wieder daran, mal einen Tag Pause zu machen“, sagt sie, „aber es zieht einen immer weiter.“

 Bereits seit drei Jahren ernährt sich Sabine Wester ausschließlich vegetarisch, seit 11 Monaten verzichtet sie auf sämtliche tierischen Produkte und lebt vegan. „Aber ich will nicht missionieren“, betont sie. Wester möchte aufmerksam machen, auf die elendigen Bedingungen, unter denen der größte Teil der tierischen Produkte hergestellt wird. „Viele denken, dass eine Kuh halt einfach Milch gibt. Dass sie durchgehend trächtig gehalten werden, und was mit den kleinen Kälblein passiert, daran wollen viele nicht denken.“

 Ohne Smartphone wäre die Reise kaum möglich gewesen: „Da wäre ich richtig aufgeschmissen.“ Eine Wanderapp sorgt dafür, dass sie immer auf dem richtigen Weg bleibt, Facebook ermöglicht die Kommunkation mit ihren zahlreichen Unterstützern, die aufmunternde Worte hinterlassen, und auch die Herbergssuche – mit Hund nicht immer ganz einfach – geht am besten über das Mobiltelefon. Daher ist die Reise auch mit einem regelmäßigen Blick auf den sinkenden Akkuladebalken verbunden.

 Aber Angst hat sie auf ihrer Reise nicht. Zwar werde sie immer wieder darauf angesprochen, wie man sich das als Frau, und dann auch noch alleine, trauen könne. „Aber ich denke, am Düsseldorfer Hauptbahnhof kann mir viel eher etwas passieren als im Brandenburger Wald.“ Und trotz aller Unkenrufe: Sie lässt sich nicht von ihrem Ziel abbringen.

 Trotzdem saß Wester schon mehrmals verzweifelt am Straßenrand, den Tränen nahe, und haderte mit ihrer Entscheidung. Auch als sich Maggie bei der Jagd nach einer Maus verletzte und sich nur noch unter Schmerzen humpelnd vorwärtsbewegte, konnte sie auf Unterstützung zählen. Das war die bislang einzige Situation, in der Wester sich für eine kurze Strecke nicht mehr auf ihre eigenen Beine verließ, sondern den Zug benutzte, um zur nächsten Unterkunft zu gelangen. „Ich kann ja nicht für den Tierschutz laufen, und dabei meinen Hund umbringen“, sagt sie. In der Nacht auf heute übernachtete Wester am Campingplatz Helenensee, die nächste Etappe führt sie weiter nach Bad Oeynhausen, wo sich glücklicherweise schon ein Schlafplatz gefunden hat. Denn so eine Reise ist nicht billig. „Das zehrt schon an den Ersparnissen.“

 Wünschen würde sich die Tierschützerin, dass sie mit ihrer Aktion Menschen darauf aufmerksam machen könne, „nicht mehr wahllos alles zu essen. Man sollte hinterfragen, woher das Essen kommt und auch einmal verzichten können“. Auch sie selbst konnte auf den bisher zurückgelegten 300 Kilometern einiges lernen. „Ich bin genügsamer geworden“, findet die 44-Jährige. jak

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