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Psychisch Kranker würgt 93-jährige Frau

Rinteln/Bückeburg / Prozess Psychisch Kranker würgt 93-jährige Frau

Obwohl es um seine Freiheit geht, wirkt der Beschuldigte seltsam unbeteiligt. Was im Gerichtssaal vorgeht, nimmt er offensichtlich kaum wahr. „Mit geht’s nicht gut“, vertraut der 47-Jährige seinem Verteidiger Nils-Günther Pengel an. „Ich habe nichts zu sagen.“ Pengel glaubt nicht, dass sein Mandant der Verhandlung folgen kann. Er empfiehlt ihm, zu den Vorwürfen von Staatsanwalt André Lüth zu schweigen.

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Rinteln/Bückeburg (ly). Viermal soll der psychisch schwer kranke Mann in einer Rintelner Klinik, wo er als Patient in der geschlossenen Abteilung war, andere Menschen angegriffen haben, darunter eine 93-jährige Frau. Strafe droht ihm dennoch nicht. In einem Sicherungsverfahren, das gestern vor der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht begonnen hat, verfolgt die Justiz von vornherein das Ziel, den Beschuldigten auf unbestimmte Zeit in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen, um die Bevölkerung vor ihm zu schützen.

 Staatsanwalt Lüth geht davon aus, dass der 47-Jährige zum Tatzeitpunkt der vier Taten unzurechnungsfähig war. Ob er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, muss ein vom Gericht bestellter Gutachter beurteilen. Ein Polizist, der in der Rintelner Klinik ermittelt hat, gewann dort den Eindruck: ,,Man hatte eine gewisse Angst vor Herrn (...), weil er unberechenbar erschien.‘‘ Nach den Erkenntnissen des Beamten ist der eher schmächtige Mann ,,friedlich, kann aber von jetzt auf gleich aggressiv werden und das Personal angehen, insbesondere weibliches Personal‘‘.

 Erfahren musste das offenbar eine Krankenschwester, die in der geschlossenen Abteilung am Computer saß, als der Patient eines Abends im März nach ihr geschlagen haben soll. Keine zwei Wochen später kam es zum nächsten Zwischenfall. Eine 93 Jahre alte Mitpatientin, die morgens auf einer Bank im Flur wartete, soll von dem Kranken mit beiden Händen gewürgt worden sein.

 Zwei Tage danach lag der Mann teilweise fixiert im Bett, hatte aber eine Hand frei, mit der er laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft einen Nachtschrank nach einer Putzfrau schleuderte. Wieder zwei Tage später soll der 47-Jährige mit den Worten ,,Ich bringe Euch alle um‘‘ im Innenhof auf eine Frau zugegangen sein und die Hände so gehalten haben, als wolle er auch dieses mutmaßliche Opfer würgen.

 Für den Prozess hat die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus zunächst fünf Verhandlungstage anberaumt, zehn Zeugen und einen Sachverständigen geladen. Das Urteil soll Mitte Dezember verkündet werden. Die gerichtlich angeordnete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie kann im äußersten Fall lebenslang andauern.

 Schuld ist im deutschen Rechtssystem die Voraussetzung für Strafe. Der 47-Jährige gilt jedoch als schuldunfähig. Er lebt seit seiner Kindheit in Heimen und leidet dem Gutachter zufolge an einer lebenslangen psychischen Erkrankung. Als Gesunder müsste er sich wegen Körperverletzung verantworten.

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