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„Qualität statt grenzenloser Information“

Rinteln / Diskussion „Qualität statt grenzenloser Information“

Ärger über neues Gebührensystem, Kritik an zu hohen Ausgaben für Sportübertragungen, übermäßig vielen Talkshows und flacher Abendunterhaltung – das alles kann NDR-Intendant Lutz Marmor offenbar nichts anhaben.

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NDR-Intendant Lutz Marmor (stehend) erklärt den Mitgliedern und Gästen der Bürgerstiftung Schaumburg, warum öffentlicher Rundfunk und Gebühren dafür nötig sind.

Quelle: tol

Von Dietrich Lange Rinteln. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei unverzichtbar, grenzenlose offene Information übers Internet und Privatsender seien kein Ersatz für Qualität und Wahrhaftigkeit. Quote müsse nun mal sein, um auch gute Programme möglichst breit unters Volk zu bringen. „In der Fußballpause haben unsere Tagesthemen schon mal 24 Millionen Zuschauer, sonst eher drei, und die Tagesschau als beliebteste Nachrichtensendung kommt auf mehr als neun Millionen.“

 Marmor, derzeit auch Vorsitzender der ARD, war Gastredner beim Bürgermahl der Bürgerstiftung Schaumburg, zu dem mehr als 150 Mitglieder und Unterstützer in den Ratskellersaal gekommen waren. Marmor fand die Arbeit der Stiftung gut und wünschte sich die Anwesenden als Verbündete für den öffentlichen Rundfunk. Kritik wischte er gleich vom Tisch: 83 Prozent der Leute fänden das neue Gebührensystem besser, und nach zwei Jahren seien Korrekturen möglich. Mit 42 Millionen Teilnehmerkonten habe der öffentliche Rundfunk außerdem mehr als die deutschen Finanzämter Steuerzahler. Und mit 3,5 Stunden TV pro Tag gegenüber drei Stunden Radio und 1,5 Stunden Internet beim Durchschnitt der Nutzer sei das Fernsehen noch das Leitmedium in Deutschland, der „Tatort“ zudem die beliebteste Sendung im Land.

 Qualität brauche Geld und gutes Personal, erklärte Marmor. Bei der ARD gebe es es ein weltweites Korrespondentennetz, jede Information werde gegengecheckt, und eine sehr gute Rechtsabteilung sorge dafür, dass „unsere Berichte nicht einfach verboten werden können“. Informationen seien die Währung der Demokratie, zitierte Marmor Thomas Jefferson. Aber zu viele Informationen könnten auch verwirren. Einordnen und Bewerten sei wichtig, damit einem die Qualität nicht abgesprochen wird. Im Internet seien dagegen immer wieder Manipulationen von Informationen und Bildern zu beobachten. Andere Medien sah Marmor als Korrektiv nicht so in der Lage wie sein eigenes und warnte: „Ohne die Tagesschau sähen die Nachrichten der Privatsender sicher auch anders aus.“

 den Einfluss der Politik hielt Marmor für untragbar, beim NDR gebe es diese auch kaum: „Wir sind zwar öffentlich, aber kein Staatssender, und dürfen es auch nicht werden.“ Er selbst sei auch parteilos.

 Schlechtes Programm, nein, anspruchsvolle Fernsehspiele würden produziert, konterte Marmor. Immerhin: Mit dem Vorabendprogramm und dem Freitagabend in der ARD ist er nicht zufrieden. „Bitte unterstützen Sie uns, wir brauchen Sie, und üben Sie auch Kritik, das hält uns fit“, schloss der Intendant. Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz hatte in seinem Grußwort zuvor schon bekannt: „Ich brauche den öffentlichen Rundfunk.“

 Rolf Watermann, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung, hatte dagegen die geringe Akzeptanz der neuen Gebühren ins Feld geführt. Christian Meyer, Vorsitzender des Stiftungsbeirats, kündigte an: „Ich werde als Zuschauer künftig stärkere Qualität einfordern, denn der Rundfunkbeitrag ist etwas anders als die alte Rundfunkgebühr.“

 Aber es ging auch im Stiftungsbelange an diesem Abend. Der langjährige frühere Vorstandsvorsitzende Hermann Stoevesandt verabschiedete Meyer mit einem Geschenk nach achteinhalb Jahren aus dessen Amt. Nächste Woche wird in Bückeburg sein Nachfolger gewählt. Meyer bedankte sich für die stets gute Zusammenarbeit und sagte: „Nicht der Staat macht alles, wir müssen uns engangieren. Diese Welt funktioniert nur, wenn wir uns dafür einsetzen, die Zukunft zu sichern.“

 Dass die Stiftung auf diesem Gebiet vorbildliche Arbeit leistet, bescheinigten in Grußworten Bürgermeister Buchholz und Landrat Jörg Farr. Sie würdigten die Vielzahl geförderter Projekte, da wo die Kommunen an finanzielle Grenzen stoßen.

 Dass die Bürgerstiftung mit ihren rund 150 Mitgliedern und einem Stiftungskapital von 465.000 Euro (Ende 2012), einschließlich Treuhandstiftungen sogar 2,733 Millionen Euro, auch für Spenden dankbar ist, zeigte sich als Rüdiger Maxin und Volker Wehmeyer vom Lions Club Schaumburg nach vorne traten. Sie kündigten Watermann eine 3000-Euro-Spende aus dem Erlös des Tages der offenen Tüt zum 25-jährigen Bestehen des Architekturbüros Wehmeyer an. 4000 Euro aus diesem Erlös bekommt das Kulturfenster Obernkirchen.

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