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Ratsherr wehrt sich gegen Handy-Abzocke

Anbieter verlangt nach Wechsel 2800 Euro Ratsherr wehrt sich gegen Handy-Abzocke

Neues Handy, alter Vertrag – und auf einmal kommt die Horror-Rechnung: Wie Mobilfunk-Anbieter versuchen, ihre Kunden abzuziehen, hat der Rintelner Ratsherr Gert Armin Neuhäuser nun am eigenen Leib erleben müssen.

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 Auch mit einem Nokia 6300 hat man sich bereits in das Internet einwählen können.

Quelle: pr.

Rinteln. Neuhäuser hatte jahrelang nur ein Retro-Handy, also ein Handy, mit dem man nichts außer telefonieren konnte. Sein Vertrag aus dem Jahr 2008 lief über den Anbieter EWE, der die einst vom EMR (Eleketrizitätswerke Minden-Ravensberg) gegründete Firma Teleos (Telefon- und Internetanbieter) übernommen hatte.

 Dass der alte Vertrag ihm erlaubte, mit dem Handy ins Internet zu gehen, das wusste Neuhäuser überhaupt nicht – er hatte das nie gebraucht und damit auch nicht genutzt.

 Mit jugendlichen Kindern muss man aber neue Kommunikationswege gehen, und für die Nutzung von WhatsApp kaufte sich Neuhäuser deshalb ein Smartphone. Doch Zeit und Lust, sich mit der neuen Technik ausgiebig zu beschäftigen, wie es junge Leute mit Hingabe tun, hatte er nicht, und so ließ er sich in Osnabrück in einem Handy-Laden die vorhandene Karte aus dem alten Handy kleiner stanzen und setzte sie einfach in das neue Hightech-Gerät ein.

 So viel technische Unbedarftheit rächte sich: Das neue Gerät war nämlich auf mobile Daten programmiert und wählte sich sofort und im 24-Stunden-Dauerbetrieb am nächsten Handymasten ein. Sechs Wochen später war Neuhäuser dann um eine Erfahrung reicher, auf die er gerne verzichtet hätte: EWE wollte von ihm für die sechs Wochen insgesamt 2790 Euro Handygebühren haben. Die Lastschrift ließ Neuhäuser nach dem ersten Schock erst einmal stornieren – getreu dem Motto „Die wollen ja was von mir“.

 Nach einigem Hin und Her – Neuhäuser hatte zwischenzeitlich die Forderung zurückgewiesen und den Vertrag angefochten, widerrufen und seine Rechtswidrigkeit geltend gemacht – kam dann ein „Einigungsangebot“ von EWE. Das Unternehmen wollte „nur“ noch 600 Euro. Die Ermäßigung sei allerdings nur möglich, wenn Neuhäuser bei EWE einen Zweijahresvertrag unterzeichne. Zu einem ungünstigen Tarif, wie Neuhäuser schnell feststellte. Dieses Angebot habe er deshalb nicht als Vergleichsangebot, sondern als versuchte Nötigung empfunden, beschreibt er sein damaliges Gefühl – und schaltete auf stur. Über seine juristischen Datenbanken grub der Jurist eine Rechtsprechung aus, nach der die Preisabrede eines Mobilfunkvertrages wucherisch und nichtig ist, wenn sie das 24-Fache der teuersten Flatrate des Anbieters übersteigt – und das war in diesem Fall ganz eindeutig der Fall.

 Neuhäuser, im Nebenamt Lehrbeauftragter an der Leibniz Universität in Hannover, sicherte seine Rechtsansicht noch bei dortigen Kollegen ab und weigerte sich – so positiv gestärkt und munitioniert gegenüber EWE – zu zahlen. „Nicht 2790 und auch nicht 600 Euro.“

 Damit, so Neuhäuser, „lag der Schwarze Peter bei EWE und dem eher hilflos agierenden Beschwerdemanagement“. Acht Wochen passierte nichts – dann kam eine dürre Mitteilung, dass man das Forderungskonto in Neuhäusers Sinne „berichtigt“ habe. Keine weiteren Ausführungen, keine Erläuterungen.

 Neuhäuser hat trotz des juristischen Sieges alle Verträge mit EWE gekündigt: „Und zwar aus Prinzip. Denn ich persönlich kann mich gegen ein solches Unrecht wehren, aber ein altes Mütterchen, das zwei Knöpfe am Handy nicht drückt und dann eine solche Horror-Rechnung bekommt, wird doch eher das ebenfalls unberechtigte Einigungsangebot annehmen und 600 Euro von der Rente abstottern.“ Immerhin hat Neuhäuser durch die ganze Sache einige Bedienungsfunktionen seines Handys kennengelernt – und kann heute den Sinn von Bedienungsanleitungen ganz anders schätzen.

 Übrigens hatten die Stadtwerke Rinteln einst überlegt, sich an Teleos zu beteiligen, aber es dann doch nicht getan, teilte Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Peterson gestern auf Anfrage mit.

wm

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