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Rechenexempel

Was kostet Hochwasserschutz? Rechenexempel

Schutz vor Hochwasser ist eine Abwägung zwischen dem möglichen Schaden und der Summe, die man in Schutzmaßnahmen investieren muss. So lautet das Fazit von Diplom-Ingenieur Norbert Weinert, der in einer gemeinsamen Sitzung von Ortsrat und Bauausschuss in Rinteln den Vergleich anstellte.

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Quelle: Archiv/wm

RINTELN. Weinert vom Ingenieurbüro Sönnichsen und Partner in Minden hat als Planer drei Gebiete in Rinteln festgelegt, die besonders gefährdet wären: das Industriegebiet Ost (gemeint die Firmen entlang der Konrad-Adenauer-Straße), Engern und die östliche Altstadt. Das Rechenexempel: Extremes Hochwasser könnte im schlimmsten Fall in den drei Risikogebieten rein rechnerisch einen Schaden von bis zu 41,7 Millionen Euro verursachen, während Hochwasserschutzmaßnahmen für alle drei Gebiete rund 2,5 Millionen Euro kosten würden.

 Als Berechnungsgrundlage benutzen hier Fachleute „HQ 100“, einen Pegelstand der Weser, der statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt. Als Jahrhundertflut gilt in Rinteln das Hochwasser im Februar 1946 mit einem Pegelstand von 7,38 Metern. Bei den Hochwassern der nächsten Jahrzehnte pendelte sich die Marke um die sechs Meter ein. Seit 1995 der Hochwasserschutz deutlich verbessert worden ist, hat bisher kein Hochwasser mehr einen nachhaltigen Schaden in der Stadt hinterlassen.

Extremere Pegelstände möglich

 So können THW und Feuerwehr heute beispielsweise eine 180 Meter lange mobile Schutzwand einsetzen. Auch die Drift wird nicht mehr überflutet, seit an der Dauestraße ein Düker eingebaut und eine Flutmulde geschaffen worden ist. Heute geht man davon aus, dass ein Pegelstand bis 6,50 Metern an den neuralgischen Punkten in der Stadt beherrschbar ist. Trotzdem, so sagen Experten, seien bedingt durch das sich verändernde Klima und den damit verbundenen extremeren Niederschlägen auch extremere Pegelstände wieder möglich.

 Optional sei in den Risikogebieten der Bau einer Mauer oder eines Deiches (wie an der Ostcontrescarpe), der allerdings mehr Aufstandsfläche benötige als eine Mauer, schilderte Weinert. Ohne Deiche, betonte der Planer, werde es allerdings nicht gehen. Um den Wasserstand der Weser bei Hochwasser zu reduzieren, reichten die Kiesteiche und andere Retentionsflächen wie Wiesen und Äcker nicht aus: „Das haben wir geprüft.“ Das Wesertal sei nun einmal gerade drei Kilometer breit. Die Räume, wo der Fluss sich ausbreiten könne, seien sehr begrenzt.

Fördermöglichkeiten von EU, Bund und Land

 Zum Schluss von Weinerts Vortrag hatte der Ortsbürgermeister von Engern, Dieter Horn, noch einen Einwand: „Wir wollen nicht, dass bei einer Eindeichung von Engern die Extener absaufen“. Weinert konnte diese Befürchtung entkräften. „Es wird nichts gebaut, was andere belastet oder schlechter stellt.“

 Finanziert werden könnte der Hochwasserschutz über Programme der Europäischen Union sowie des Bundes und des Landes. Gelder gibt es beispielsweise auch aus dem Programm „Renaturierung von Fließgewässern“. Nick Büscher vom Naturschutzbund brachte eine weitere Finanzierungsmöglichkeit ins Gespräch „Das blaue Band“. Auch dabei geht es um Gewässerrückbau. Konkret ist damit in Rinteln gemeint: der Schildgraben. wm

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