Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Reichtum mehren oder teilen – was macht frei?

Rinteln / Reformationsempfang des Kirchenkreises Reichtum mehren oder teilen – was macht frei?

„Geld allein macht nicht glücklich“ heißt ein weiser Spruch. „Geld ist nichts, aber viel Geld ist etwas Anderes“, zitiert Superintendent Andreas Kühne-Glaser den Dichter George Bernard Shaw.

Voriger Artikel
Außenspiegel mehrerer Autos abgetreten
Nächster Artikel
Run auf „RI“: 1200 Wunschnummern reserviert

Einen neuen Anfang wagen: Singend immerhin gelingt dies beim Reformationsempfang unter musikalischere Leitung von Kreiskantor Wolfgang Westphal (rechts). Aber wie viele schaffen es im täglichen Leben, ihren Umgang mit Geld befreiter zu gestalten?

Quelle: dil

Rinteln (dil). Eine alternde Filmdiva soll gesagt haben, reiche Männer könnten gar nicht hässlich sein. Und Gandhi werden die Worte zugeschrieben: „Reich wird man erst durch Dinge, die man nicht begehrt.“ Was gilt nun? Beim 4. Reformationsempfang des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg stand das Thema Geld und seine Faszination auf den Menschen im Mittelpunkt.

 Zunächst ging es ganz banal darum, wie die Kirche Geld einnimmt und ausgibt – und dass es weniger wird. Andrea Furche, Leiterin des inzwischen für vier Kirchenkreise zuständigen Kirchenamts in Wunstorf, und deren Stellvertreter Peter Ehrlicher machten deutlich, dass auch bei Kirche ohne Geld nicht viel geht. Personalkosten, Bauunterhaltung, soziale Arbeit, das verschlingt Millionen. Aber immer weniger junge Menschen zahlen Kirchensteuer, die alten treuen Kirchenmitglieder sterben weg. Fördervereine und Stiftungen versuchen, die Lücken finanziell etwas zu schließen. Das ist im Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg mit seinen 49424 Mitgliedern in 21 Kirchengemeinden und zwei Kapellengemeinden nicht anders. Die 4,7 Millionen Euro jährliches Haushaltsvolumen müssen sorgsam verwaltet werden, Einsparungen sind Dauergeschäft geworden. Aber um hohe Zinsen spekulieren, wolle die Kirche nicht, sagte Ehrlicher.

 Kühne-Glaser schloss daraus, die Kirche habe kein Geld, weil sie kein Risiko eingehe. „Geld beruhigt, macht aber nicht glücklich, vor allem, wenn man nicht genug davon hat“, erwiderte der Hauptredner des Empfangs, Gerhard Wegner. „Beherrschen wir das Geld oder es uns? Der Sinn des Geldes ist doch seine Benutzung. Es hat eine dienende Funktion für die Wirtschaft. Es ist ein Geschöpf des Menschen. Geld an sich ist nichts, sondern funktioniert nur, wen viele den gleichen Glauben in seinen Wert haben.“ Und dieser Glaube bröckele in Europa aber derzeit heftig.

 Damit war verbal die Brücke zum Konflikt zwischen Glauben an Geld oder Gott geschlagen. „An den Finanzmärkten wird heute mit der Zukunft spekuliert, die doch eigentlich (für Gläubige) in Gottes Hand liegt. Gott und Geld sind inzwischen Konkurrenten.“ Und für den Glauben an Gott könne man sich vordergründig ja auch nichts kaufen. Vordergründigkeit ist heute aber oft bestimmender als Nachhaltigkeit. Doch eine kleine Botschaft hatte Wegner nach einer Fülle von Zitaten bei Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ und Martin Walser, Desmond Tutu und anderen etwas verschwommen noch: Wer bewusst mit seinen Einnahmen und Ausgang umgeht, löst sich von der Verführung des Geldes.

 Kühne-Glaser sorgte sich anschließend, ob das auch genügend deutlich rübergekommen sei. Deshalb legte er noch ein konkretes Beispiel aus seinem Leben nach: „Ich habe vor Jahren geerbt und dachte, mit dem Geld kann ich ja eine Menge gestalten. Doch dann zermarterten sich meine Frau und ich tagelang den Kopf, was wir denn nun damit machen wollten. Erst als ich überlegt und entschieden habe, einen Teil davon müssen wir spenden, wurde ich frei von dem Geld. Es darf einen einfach nicht gefangen nehmen.“ Dass aber auch Kirche die Nähe zum Geld schätzt, machte sein Hinweis auf Volksbank und Sparkasse deutlich: „Bei diesen gehört es zur guten Kultur, von ihrem Geld etwas abzugeben. Sie haben auch viel für uns als Kirche getan.“

 So blieb es nach dem Beifall für Wegner die Aufgabe von Kreiskantor Wolfgang Wagner, den mehr als 100 Versammelten mit einem gemeinsamen Lied Mut zu machen: „Gemeinsam den Aufbruch wagen“. Dazu teilte er die Gäste sogar in vier Gruppen ein, damit jeder einstimmt, um seine Gruppe nicht schwächeln zu lassen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr