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Rinteln ändert Flächennutzungsplan

Kiesabbau statt Trinkwasserschutz Rinteln ändert Flächennutzungsplan

Wer an einem Fluss liegt und deshalb Kies hat, muss den Abbau zulassen. So sehen es das Landesraumordnungsprogramm und das Rohstoffsicherungsprogramm des Landes Niedersachsen auch für Rinteln vor.

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Zum Kieswerk Pampel laufen auch die Förderbänder vom neuen Abbau.

Quelle: dil

Rinteln/Möllenbeck. Doch auf lokaler Ebene will man gern den Abbau so steuern, dass der Stadt Entwicklungsmöglichkeiten bleiben, denn theoretisch könnte Rintelns Kernstadt von Kiesteichen einst umzingelt sein.

Nun will das Kieswerk Pampel (Stemmen, Möllenbeck) seine Abbaufläche um zehn Hektar (nordöstlich von Stemmen, nordwestlich von Möllenbeck, südlich der Weser) erweitern. Die Stadtverwaltung ist dafür, hofft aber im Gegenzug, sich mit dem Land als Gegenleistung über den Verzicht auf ausgewiesene Abbauflächen zwischen Doktorsee und Eisbergen verständigen zu können. Darüber berät am Mittwoch, 15. April zunächst der Ausschuss für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung.

Formal geht es um die 29. Änderung des Flächennutzungsplans, Bereich Ostenuther Kiesteiche. Das Verfahren ist weit gediehen: Die Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgte 2013, eine erneute öffentliche Auslegung gab es 2014. Stellungnahmen konnten bis 19. Februar dieses Jahres abgegeben werden, sie sind bearbeitet. Jetzt liegt das Abschlusspaket vor. Der Plan könnte mit Begründung und Umweltbericht beschlossen werden, zuletzt im Rat am 25. Juni. Ziel ist eine Win-win-Situation für alle.

Worum geht es konkret? Die Firma Pampel (Teil der Möllenbecker Firmengruppe Reese) will angrenzend an ihren jetzigen Abbau mit Nutzung der vorhandenen Infrastruktur zehn Hektar Abbaufläche auskiesen, also flächensparsam, wirtschaftlich und konfliktarm. Ein ziemlich langes Förderband würde den Kies vom Bagger zum jetzigen Verarbeitungs- und Verladebetrieb an der Landesstraße transportieren. Strom für den Bagger käme über ein verlängertes Kabel vom Kieswerk Pampel. Die Fläche ist allerdings Naturschutzgebiet („Ostenuther Kiesteiche“), zum Teil Ackerland und Trinkwasserschutzgebiet.

Außerdem könnten Weserhochwasser bis dorthin reichen. Die Stadt Rinteln und der Landkreis Schaumburg als Zuständiger für die regionale Raumordnung haben keine Bedenken gegen die relativ kleine Auskiesungsfläche. Die Stadtwerke Rinteln benötigen die Trinkwasserschutzflächen nicht mehr, da sie sich heute vom Wasserwerk in Engern beliefern lassen.

Die Stadt Rinteln hält laut Sitzungsvorlage an ihrem grundsätzlichen Ziel fest, in einem gesonderten Verfahren im Gegenzug für die Erweiterung des Pampel-Kiesabbaus die als Vorranggebiete für Rohstoffgewinnung ausgewiesenen Flächen „Ellerburg“ und „Doktorsee“ aus dem Landesraumordnungsprogramm herauszunehmen. Dieses ist dem Regionalen Raumordnungsprogramm und dem Flächennutzungsplan übergeordnet.

Problematisch ist bei Kiesabbau stets die Frage des Natur- und Artenschutzes. Also mussten Untersuchungen her. Insgesamt wurden zwischen März 2009 und Januar 2011 69 Vogelarten im Sommer- und 41 im Winterhalbjahr nachgewiesen: 50 davon als Brutvögel. 14 nur zur Nahrungssuche und vier nur während der Zugzeit.

Drei Arten sind nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt: Grünspecht, Kiebitz und Mäusebussard), ebenso sieben Nahrungsgäste (Habicht, Rohrweihe, Rotmilan, Schwarzmilan, Silberreiher, Sperber und Turmfalke) sowie ein Durchzügler (Fischadler). Weitere Vogelarten werden etwas geringeren Schutzbedürftigkeiten zugeordnet.

Hervorzuheben sind aber das relativ große Brutvorkommen der seltenen Feldlerche (vier Brutpaare), die teilweise sehr truppstark auftretende Graugans (bis 450 Exemplare) sowie rastende Blässgänse (bis zu 200 Tiere im Winterhalbjahr). Insbesondere die Feldlerche wird durch den Kiesabbau Lebensraum verlieren. Als Ausgleichsmaßnahme für den geplanten Eingriff wird daher die Schaffung von Ackerrandstreifen, Rotationsbrachen, Sukzessionsbrachen oder „Feldlerchenfenstern“ großräumig im Umfeld der Eingriffsbereiche als sinnvoll eingestuft.

Ebenso wurden neun Heuschreckenarten nachgewiesen, von denen aber keine in Niedersachsen als gefährdet gilt. Als Maßnahmen zur Förderung dieser Insekten werden vielgestaltige Gras- und Staudenfluren empfohlen.

Das geplante Kiesabbaugebiet liegt zudem in einem von der EU ausgewiesenen Schutzgebiet Flora-Fauna-Habitat (FFH). Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens soll deshalb eine FFH-Verträglichkeitsprüfung vorgenommen werden.

Die Einbußen an Ackerfläche werden mit den Landwirten über den Kaufpreis ausgeglichen. Auch die Verfahrenskosten trägt die Firma Pampel.  dil

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