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Rinteln, deine Irritationstafeln

Öffentlichen Stadtpläne sind vergilbt, überholt und verwirrend Rinteln, deine Irritationstafeln

Auch Rinteln hat wie jede Touristenstadt im Laufe der letzten 20 Jahre die Einfallstraßen mit Infotafeln bestückt. Nur, was nützt eine Infotafel, wenn die Informationen nicht mehr aktuell sind.

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Veraltet: die beiden viel genutzten Tafeln in der Seetorstraße.

Quelle: tol

Rinteln. Jugendherberge? Längst geschlossen. Poststelle in der Klosterstraße? Ist im Jahr 2009 zu Bürotechnik Lohse in die Seetorstraße umgezogen. Nordstadtkreisel? Fehlanzeige.

 Von den Stadtplänen in den Schaukästen der zehn Infopoints am Bahnhof, am Seetor, im Industriegebiet Süd, am Wohnmobilstellplatz, an der Dankerser Straße, am Draisinenbahnhof, am Doktorsee und auf dem Parkplatz an der Wallgasse ist gerade mal eine einzige Karte der Stadt Rinteln auf dem aktuellen Stand. Nämlich die Innenstadtkarte am Infopoint Weser- anger.

 Alle anderen Karten der zehn Infopoints haben eigentlich nur noch historischen Wert. Sie bräuchten dringend ein Update. Dass auf keinem der Pläne die Verlängerung der Straße Große Tonkuhle und der Jet-Kreisel an der Konrad-Adenauer-Straße zu finden sind, kann man noch nachvollziehen. Die Straße ist erst in diesem Jahr für den Verkehr freigegeben worden. Doch andere Fehlinformationen irritieren.

 Hier nur eine Auswahl von Beispielen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: Ein jugendlicher Rucksackreisender, der am Bahnhof aus dem Zug steigt, wird zu einer Jugendherberge geschickt, die nicht mehr existiert. Auf der Karte gibt es auch noch die Prince-Rupert-School und das Schullandheim am Bartelsweg.

 Auf den Stadtplänen der Infotafeln an der Dankerser Straße ist sogar noch die Orientierungsstufe 2 eingetragen, Marktkauf liegt noch an der Breiten Straße (statt Konrad-Adenauer-Straße) ebenso die Postfiliale, die hier längst aufgelöst worden ist. Die Glashütte um die Ecke heißt noch Stoevesandt AG.

 Falsche Informationen findet man auch auf den Infotafeln am Wohnmobilstellplatz. Hier ist die Post noch im alten Postgebäude in der Klosterstraße. Es fehlt, was wohl Camper interessieren dürfte, das Einkaufszentrum an der Großen Tonkuhle.

 Top wie Flop: Relativ aktuell ist der Innenstadtplan der Infotafel am Weseranger, dafür ist die zweite Übersichtskarte auf der Rückseite völlig veraltet. Die mit Wimpeln bestückte Karte mit Unterkunftshinweisen verwirrt mehr, als dass sie hilft. Und man fragt sich, warum als Unterkünfte hier vor allem Ferienwohnungen angegeben werden? Ob ein Radtourist, der am nächsten Tag auf dem Weserradweg weiterfahren will, sich ausgerechnet eine Ferienwohnung als Unterkunft sucht?

 Abgesehen davon: Für eine Quartiersuche nutzt man heute das Smartphone – einfach schon deshalb, weil man dort weitere Informationen wie Lage und Verfügbarkeit abrufen kann. Informationen, die eine Infotafel nicht bieten kann.

 Im Industriegebiet Süd fehlt auf dem Stadtplan der Info-Tafel der Kreisel und die Stükenstraße. Dafür gibt es auf der Karte noch die Firmen Braas Dachsteinwerke, das Ford Autohaus und die Wehmeier Wohnwelt, die längst verschwunden sind. Warum zwar das Hochregallager eingezeichnet ist, dafür der Hinweis auf die Wesergold-Zentrale auf der anderen Straßenseite fehlt, weiß wohl nur der Kartenzeichner.

 Auf vielen Karten wird dem Betrachter außerdem durch die grafische Darstellung suggeriert, es gebe keine Fußgängerzone, sondern die Kloster- und Weserstraße seien nach wie vor eine Landesstraße, die man befahren könne.

 Auch nicht gerade eine Werbung für die Stadt: Viele Karten sind vergibt, die Schriften kaum mehr lesbar, hinter den Glasscheiben liegen tote Fliegen und Müll.

 Man kann jetzt natürlich argumentieren, wer braucht schon noch Stadtpläne? Jeder hat ein Smartphone in der Tasche. Stimmt. Doch die Infotafeln stehen nun einmal und sind unübersehbar, für den, der in die Stadt will. Weshalb man auch immer wieder beobachten kann, dass Autofahrer anhalten und die Pläne studieren. Peinlich für eine Touristenstadt wie Rinteln. Das gilt auch für manches Foto. Auf einer Infotafel wird für das Freibad geworben: mit einem vergilbten Bild, das noch vor(!) der Sanierung des Weserangerbads aufgenommen worden sein muss.

 Die Situation ist der Stadtverwaltung bekannt. Bereits im Juli 2013 war das ein Thema. Doch bisher hat sich wohl niemand so recht zuständig gefühlt. Im Ordnungsamt verwies man auf das Schulamt und umgekehrt. Eine Nachfrage, wie viele Infotafeln es in der Stadt gibt, einschließlich der Ortsteile, konnte gestern im Rathaus dann auch niemand beantworten. Jörg Schröder erläuterte gestern in einem Telefongespräch das grundsätzliche Problem. Karten veralten durch die ständige Veränderung der Infrastruktur einer Stadt im Jahr-esturnus. Nur könne die Stadt schon aus Kostengründen nicht jedes Jahr neue Karten für alle Infopoints drucken lassen.

 Er versicherte, man werde deshalb jetzt prüfen, welche Infotafeln tatsächlich noch genutzt und gebraucht werden, welche schlicht überflüssig sind, weil sie ohnehin niemand mehr zur Kenntnis nimmt – wie beispielsweise im Industriegebiet Süd, wo sich jeder Ortsfremde per Navi zu dem Unternehmen leiten lässt, das er besuchen möchte. Bei Infopoints, die noch sinnvoll sind, wie am Weserradweg am Weseranger soll ein Karten-Update geprüft werden.

Von Hans Weimann

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